Sport : Slomka redet Schalke stark

Der Trainer will von einer Krise nichts wissen

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Für die Fußballprofis des FC Schalke 04 geht es derzeit nicht nur um Punkte, sondern auch um ein wertvolles Gut, das ihnen abhanden gekommen scheint: ihr Selbstvertrauen. Die Schalker haben es schon manches Mal verloren, wenn die Rückrunde zu einer Runde der Rückschläge wurde. Von zwölf möglichen Punkten hat die Mannschaft zuletzt nur zwei ergattert, sie braucht dringend frische Zuversicht. Aber woher nehmen?

Der Blick auf die Tabelle hilft weiter – und die Worte von Mirko Slomka. Schalke ist Erster und hat drei Punkte Vorsprung vor Werder Bremen, dem ersten Verfolger. „Nur wir können aus eigener Kraft Deutscher Meister werden“, sagt Slomka, „deshalb sind wir der Favorit“ – an diesem Samstag im Heimspiel gegen den vier Punkte entfernten VfB Stuttgart und überhaupt im Titelrennen.

Doch zuletzt hat Schalke daheim zweimal nacheinander verloren (gegen Leverkusen und Hamburg). Früher wäre so etwas Anlass genug gewesen, die Favoritenrolle als Bürde zu begreifen und deshalb von sich zu weisen. Früher wären verletzte oder gesperrte Leistungsträger wie Christian Pander, Lincoln, Peter Lövenkrands oder Gustavo Varela dazu benutzt worden, schwächere Spiele der Verbliebenen zu rechtfertigen. Slomka lässt solche Ausreden nicht gelten. „Wir haben immer noch eine gute Mannschaft auf dem Platz, die ihre Spiele gewinnen kann“, sagt der Trainer, der in dieser Woche einen neuen Zweijahresvertrag unterschrieben hat.

Mit diesem Vertrauensbeweis, der zugleich ein Vorschuss ist, geht Slomka voller Schwung daran, Schalke als entschlossene Einheit zu verkaufen, die sich von „einem Hänger“ nicht auf dem Weg zur Meisterschaft abbringen lässt. Die Mannschaft werde ihre Position „mit allen Mitteln und Möglichkeiten verteidigen“, sagt er. Seine Trainingseindrücke dienen ihm als Beleg für die Willensstärke der Mannschaft. Und Slomka verweist nicht etwa auf die Profis, die fehlen, sondern auf die Tatkraft, mit der die Verletzten für ihre Rückkehr schuften.

Der Trainer ist längst nicht mehr der nette Herr Slomka – falls er es je war; er ist einer, der die große Chance ergreifen will, als junger Trainer etwas zu erreichen, was bei Schalke überhaupt noch niemand bewerkstelligt hat: den Gewinn des Meistertitels in der Bundesliga. Was den 39 Jahre alten Fußballlehrer außerdem von seinen Vorgängern unterscheidet, ist das nicht nur im Flüsterton vorgetragene Bekenntnis zu diesem Ziel. Seine ironischen, manchmal auch amüsanten Anwandlungen, seine zuweilen zickig angehauchte Distanz zu den Medien mögen nicht immer und überall gut ankommen. Aber Slomka weiß, was er will, und er spricht es aus: „Wir wollen in diesem Jahr endlich wieder den Titel nach Schalke holen.“ Diesen Anspruch formulierte er schon vor Beginn der Saison.

Als Weg zu diesem Ziel hatte er im Sommer „totale Dominanz“ vorgegeben – und war dafür belächelt worden, sogar von einigen seiner Spieler, wie es heißt. Doch Slomka zog sie mit geschickten taktischen und personellen Finessen wie dem Austausch des Torwarts (Manuel Neuer für Frank Rost) wieder auf seine Seite. Und er war so clever, das mit Spott beladene Motto durch ein anderes zu ersetzen: „Totale Konsequenz“ lautet jetzt der neue Leitsatz. Das mag so viel heißen wie: nicht locker lassen, sondern an die eigene Stärke glauben, auch wenn auf dem Rasen immer wieder Rückschläge zu verkraften sind.

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