Snowboard bei den Paralympics : Brenna Huckaby - ganz cool zu Gold

US- Snowboarderin Brenna Huckaby fährt mit Musik auf den Ohren zum Gold im paralympischen Snowboarden. Es war ein Wettkampf mitten in einer Party.

Mit Musik auf den Ohren und der Familie im Zielbereich fährt die Snowboarderin Brenna Huckaby in Pyeongchang zu Gold.
Mit Musik auf den Ohren und der Familie im Zielbereich fährt die Snowboarderin Brenna Huckaby in Pyeongchang zu Gold.Foto: Imago

Sie stellt die Musik ganz leise, so dass sie sie kaum hört, ganz ohne kann sie nicht los. Stößt sie sich dann in den Hang, kommt der Sound ihres Snowboards hinzu, alles wird eins, erzählt sie später, ihre scharfen Schwünge zeichnen sich in den Schnee.

Während am Montagmorgen also oben im Startbereich des Jeongseon Alpine Centre in den Ohren von Brenna Huckaby ganz leise Rihanna singt, kommt eine neunköpfige Reisegruppe aus Houston, Texas, unten im Zielbereich fast um. Huckabys Eltern, ihr Freund mit der gemeinsamen kleinen Tochter, ihr Bruder, ihr Onkel, ihre Cousine mit Mann und ihr Trainer sind nur für diesen Moment und ein weiteres Rennen am Freitag zu den Paralympics nach Südkorea gereist, seit Wochen fiebert die Familie darauf hin.

Jeder hat hier seinen eigenen Fanklub

Die Tribüne mitten auf dem Berg Gariwang unweit von Pyeongchang gleicht an diesem Tag einer Landkarte, jede Nation sitzt zusammen. Hier die vielen Südkoreaner, da die Niederländer, die Australier, die Neuseeländer, die Japaner. Für die Österreicher jubelt der „Verein der Koreaner für Österreicher“, wie es auf einem Transparent heißt. Jeder Snowboarder hat hier seinen eigenen Fanklub. Iraner, Brasilianer, Argentinier. Selbst einen Block mit deutschen Fahnen gibt es, obwohl gar kein deutscher Fahrer vertreten ist. Die Huckabys haben sich vor der Tribüne im Schnee aufgereiht.

Zu den fünf Läufen im Cross, eine von zwei Snowboarddisziplinen bei den diesjährigen Paralympics, sind einige hundert Zuschauer gekommen. Die Sportart, das hatte sich schon bei ihrer Premiere vor vier Jahren in Sotschi rumgesprochen, ist das schönste Versprechen auf einen spannenden Wettkampf inmitten einer ausgelassenen Party.

Über einige Wellen und kleinere Schanzen geht es in zwölf teils weitgezogenen Kurven die 925 Meter lange Piste hinab, über die größte Rampe springt man – nicht selten mit kleiner akrobatischer Einlage – in den Zielhang.

Die Zuschauer bekommen Duelle auf allerhöchstem Niveau

Für Brenna Huckaby läuft es in den ersten beiden Qualifikationsrunden noch nicht nach ihren Vorstellungen. Die Eltern, in „Team Brenna“-Shirts gekleidet, müssen ihre Tochter ein wenig aufbauen, frustriert schmeißt sie ihr Board in den Schnee; so würde es heute nichts werden mit einer Medaille, das weiß die leicht favorisierte Doppelweltmeisterin selbst.

In den Finalläufen lässt Brenna Huckaby ihren Gegnerinnen keine Chance.
In den Finalläufen lässt Brenna Huckaby ihren Gegnerinnen keine Chance.Foto: Bruty/AFP

Dass es sich bei diesen fünf Medaillenentscheidungen, die auf drei Männer- und zwei Frauen-Rennen verteilt liegen, um Behindertensport handelt, wird erst im Ziel klar – wenn beim Jubeln und Armehochreißen etwa ein Stumpf zu sehen ist oder Brenna Huckaby mit federndem Schritt davongeht. Seit acht Jahren trägt die 22-Jährige nach einer Amputation an ihrem rechten Bein eine Prothese. Den begeisterten Zuschauern wird am Montag Spitzensport auf allerhöchstem Niveau geboten, vor allem die Finalläufe, die als Duelle ausgetragen werden, reißen die Fans von den Sitzen. So schießen gleich zwei Snowboarder nebeneinander aus dem Starthäuschen und fahren bis zur ersten Kurve meist gleichauf, dicht gefolgt geht es in die zweite, Überholmanöver rechts, links, es gleicht einer Jagd, manches Mal entscheidet sich das Rennen erst mit dem gemeinsamen Sprung ins Ziel.

"Gold!", schreit ihr Onkel laut

Im Halbfinale am Nachmittag hat Brenna Huckaby dann zu ihrer Form gefunden. Gegen Cecile Hernandez aus Frankreich gewinnt sie mit großem Vorsprung und fährt sicher ins Finale, die neunköpfige Reisegruppe aus Houston dreht bei der Zieleinfahrt völlig durch. Eine Medaille – sie hatten sie ihrer Brenna ja so fest gewünscht, aber sich beinahe kaum getraut, daran zu glauben. Vor dem Finale reicht es nur zu einem schnellen Küsschen, mit einem Schneemobil geht es gleich wieder hoch zu ihrem entscheidenden Rennen.

Dann ihr letzter Lauf an diesem Tag, die Stöpsel in den Ohren, dieses Mal läuft leise Jessie J, „Do It like a Dude“, ihrer Finalgegnerin und Teamkollegin Amy Purdy ist sie schnell enteilt. „Come on! Come on!“ ruft ihre Familie nun bei jeder Kurve und will es noch immer nicht glauben. Dann schießt Brenna Huckaby über die rote Ziellinie und macht eine Vollbremsung. Die Mutter schlägt die Hände vor das Gesicht, der Vater sinkt in den Schnee. „Gold!“, der Onkel schreit es so laut, dass die kleinste Huckaby vor Schreck anfängt zu weinen.

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