• Sogar als Zuschauer noch kommen durften: Geisterkulissen im Olympiastadion sind nichts Neues

Sogar als Zuschauer noch kommen durften : Geisterkulissen im Olympiastadion sind nichts Neues

Zum Derby Hertha gegen Union sind am Freitag nur 300 Personen zugelassen. Spiele vor Geisterkulissen gab es im Olympiastadion aber früher häufiger.

Hertha hatte in der Vergangenheit häufiger mal Mühe, das Olympiastadion wenigstens halbwegs zu füllen.
Hertha hatte in der Vergangenheit häufiger mal Mühe, das Olympiastadion wenigstens halbwegs zu füllen.Foto: Imago

Rund 300 Personen werden am Freitagabend auf dem Gelände des Olympiastadions sein, wenn Hertha BSC gegen den 1. FC Union antritt. Geisterspiel-Premiere für das Stadion! Spiele, die dort trotz geöffneter Kassen mit einer ziemlichen Geisterkulisse über die Bühne gingen, gab es in früheren Zeiten aber so einige. Hier ist eine Auswahl.

Den Zuschauer-Minusrekord in der Bundesliga hält – wenig überraschend – Tasmania 1900. Die Partie auf schneebedecktem Rasen im Januar 1966 gegen Borussia Mönchengladbach sahen offiziell 827 Interessierte. Immerhin holte Tas mit dem 0:0 den ersten Punkt nach fast zwei Monaten.

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In der zweiten Hälfte der 80er Jahre war Blau-Weiß 90 kurz die Nummer eins in Berlin. Im März 1986 hatte ich mit meinem Vater mein erstes Spiel im Olympiastadion gesehen, ein Derby gegen Hertha (2:2) vor 14.480 Zuschauern, seinerzeit eine sehr gute Zahl. Am Saisonende stand der Aufstieg in die Bundesliga.

Knapp sechs Jahre später quälte sich Blau-Weiß durch die Zweite Liga, nach der Saison folgte der Konkurs. Im November 1991 spielte das Team „vor erbarmungswürdiger Kulisse“ (Tagesspiegel) gegen Fortuna Köln: 697 Zuschauer. Im Fanblock standen drei Dutzend ganz Treue, drei von ihnen entzündeten vor Freude über den 2:1-Sieg Wunderkerzen.

Zwei Wochen später kamen gegen den VfL Osnabrück 705 Zuschauer, Blau-Weiß verlor 2:4. „Wie trostlos kann doch Fußball sein“, schrieb der Tagesspiegel. In der Abstiegsrunde wollten zum Teil nur noch 500 Anhänger dabei sein, die Spiele fanden aber im Jahn-Sportpark statt.

Im Mai 1992 kamen ganze 2307 Zuschauer zu Herthas Heimspiel gegen Hannover

Auch Hertha spielte als Zweitligist oft im kleinen Rahmen auf, 4000 oder weniger Zuschauer im Olympiastadion waren in den 90er Jahren keine Seltenheit. Ich habe mal die Kiste mit alten Eintrittskarten vorgeholt. Vorbei an Tickets von der Volleyball-EM in der Deutschlandhalle, Alba-Heimspielen in der Sömmeringhalle sowie Preussen gegen Eisbären in der Jafféstraße ging es zu den Hertha-Karten. Ich traf auf alte Bekannte: FC Remscheid, FC Homburg oder den Wuppertaler SV. Meine niedrigste Hertha-Kulisse erlebte ich aber gegen Hannover 96 – das 1:1 im Mai 1992 sahen 2307 Besucher.

Mit meinem besten Freund Christoph kann ich nicht mithalten. Er war im Februar 1996 beim Freundschaftsspiel gegen Zaglebie Lubin aus Polen und weiß noch, dass die Fans nicht in den angestammten Block O konnten. Ergebnis 4:0, Besucherzahl 407. Knapp ein Jahr später gab es im riesigen Stadion ein weiteres Spiel gegen Lubin: 1:0, die Zuschauerzahl schoss auf 651 hoch. Ein erster Vorbote der sich bald einstellenden Aufstiegseuphorie?

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