Spitzenspiel gegen RB Leipzig : Ist der FC Bayern noch zu schlagen?

Bayern München hat rechtzeitig zurück zu alter Form gefunden. Das muss für die Konkurrenten wie eine Drohung daherkommen – auch für Gegner Leipzig.

Jubel, Jubel, Heiterkeit. Beim FC Bayern läuft es deutlich besser als noch in der Hinrunde.
Jubel, Jubel, Heiterkeit. Beim FC Bayern läuft es deutlich besser als noch in der Hinrunde.Foto: AFP

Schon in den Tagen vor einem wichtigen Spiel haben Fußballer eine schwierige Aufgabe. Gegenüber Journalisten müssen sie versuchen, die Bedeutung passend einzuordnen. Dabei will ein Spieler nicht allzu großen Druck auf die eigene Mannschaft laden, aber natürlich auch nicht so wirken, als unterschätze er den kommenden Gegner.

Joshua Kimmich wählte deshalb eine sprachlich interessante Konstruktion, um das Spiel seines FC Bayern München gegen RB Leipzig einzuordnen. „Eine Vorentscheidung wird es nicht“, sagte der Mittelfeldspieler, „aber es wird trotzdem entscheidend.“ Mit diesem Satz hat Kimmich recht. Denn wenn am Sonntagabend im Bundesliga-Spitzenspiel (18 Uhr, live bei Sky) der Tabellenerste FC Bayern auf Herbstmeister RB Leipzig trifft, geht erst der 21. Spieltag zu Ende.

Von einer Vorentscheidung zu sprechen, wäre bei 34 Spieltagen sicher verfrüht. Und doch ist Kimmich bewusst, dass ein Sieg gegen Leipzig ein entscheidendes Zeichen an die anderen Teams an der Tabellenspitze sein kann. Uns holt keiner mehr ein, wollen die Bayern sagen. Sie gehen als klarer Favorit ins Spiel. Denn während die Münchner alle vier Pflichtspiele nach der Winterpause gewonnen haben und dabei 16 Tore erzielten, befindet sich RB Leipzig derzeit in einer schwierigen Situation.

Leipzigs Niederlage "wohlwollend zur Kenntnis genommen"

Die kleine Krise begann im Januar mit einer 0:2-Niederlage bei Eintracht Frankfurt. Trainer Julian Nagelsmann warf seiner Mannschaft danach fehlende Gier im Titelkampf vor. „Es ist die Frage: Wollen wir das Gipfelkreuz erreichen oder bleiben wir kurz darunter stehen und genießen die schöne Aussicht?“, hatte Nagelsmann gesagt.

Ein Gipfelkreuz auf einem anderen Berg wird dieses Jahr für Leipzig unerreichbar bleiben: Im DFB-Pokal schied das Team unter der Woche im Achtelfinale aus, diesmal mit 1:3 in Frankfurt. „Wir haben das wohlwollend zur Kenntnis genommen“, sagte Thomas Müller am Mittwoch. Kurz zuvor hatte der FC Bayern durch das 4:3 gegen die TSG Hoffenheim gewonnen und das Pokal-Viertelfinale erreicht.

Die Stimmung in München ist daher ausgezeichnet. Nach den Toren gegen Hoffenheim feierten alle Spieler bis auf Torwart Manuel Neuer gemeinsam. Auch beim Tor zum 4:1 durch Stürmer Robert Lewandowski bildete sich vor der Südkurve ein großes rotes Knäuel mit zehn Köpfen.

Trainer Hansi Flick sammelt gerade Argumente für eine Weiterbeschäftigung.
Trainer Hansi Flick sammelt gerade Argumente für eine Weiterbeschäftigung.Foto: AFP

Das war bis Anfang November des vergangenen Jahres noch anders. Damals war Niko Kovac Trainer beim FC Bayern, die Stimmung in der Kabine soll deutlich angespannter gewesen sein. Nach einem 1:5 gegen Frankfurt reagierte der Klub und Hansi Flick wurde zum Cheftrainer bestimmt. Er hat die Bayern in der kurzen Zeit deutlich verbessert und an die Tabellenspitze geführt.

Neben der guten Stimmung liegt das auch an der neuen Spielweise der Bayern. Sie verteidigen sehr viel höher, attackieren den Gegner teilweise schon an dessen Strafraum. „Du kommst zwangsläufig zu mehr Torchancen, wenn wir frühe Ballgewinne haben und viele Pässe ins vordere Drittel spielen“, sagt Thomas Müller dazu.

Unter Hansi Flick läuft vieles ganz anders als unter Kovac

Die Pässe kommen oft von Joshua Kimmich, der bei Flick als zentraler Sechser vor der Abwehr gesetzt ist. „Er hat eine Schlüsselposition“, sagt der Trainer. Wenn Kimmich den Ball bekommt, orientiert er sich schnell nach vorne und versucht, mit langen Bällen auf die Außen Angriffe einzuleiten. Teilweise ist es sogar auch der als Innenverteidiger überzeugende David Alaba, der mit seinen hohen Flanken Serge Gnabry an der Seitenlinie sucht.

Für die Bayern spricht auch, dass sich rechtzeitig zum Spiel gegen Leipzig die Personalsituation ein bisschen entspannt. Nur Niklas Süle, Ivan Perisic und Javi Martínez fallen weiterhin aus. Kingsley Coman und Lucas Hernández sind zurück und werden wohl wieder im Kader stehen.

Ob Hernández, mit einer Ablösesumme von 80 Millionen Euro der Rekordtransfer der Bayern, sogar in der Startelf zu finden sein wird, wollte Flick vorab nicht verraten. Es wäre sicher sinnvoll, den schnellen Franzosen statt Jérôme Boateng gegen Leipzigs Stürmer um Timo Werner verteidigen zu lassen. Aber Flick ist bislang damit aufgefallen, großen Wert auf Stabilität zu legen und eine erfolgreiche Mannschaft nicht groß umzustellen. Auch deshalb ist er bei seinen Spielern sehr beliebt.

Mit jedem gewonnenen Spiel wächst Flick im Ansehen bei den Verantwortlichen des FC Bayern. Präsident Herbert Hainer deutete nun an, dass Flick auch in der kommenden Saison Cheftrainer bleiben könnte. „Wenn er weiter so gewinnt, dann gibt es keine Alternative“, sagte Hainer laut „Passauer Neue Presse“ beim Besuch des Fanklubs Red Bulls Taubenbach im niederbayerischen Simbach.

Es scheint bei den Bayern also alles bestens vor dem Topspiel gegen Leipzig. Doch eine Sache gibt es, die die Spieler beunruhigt: der plötzliche Einbruch in der Mitte der zweiten Halbzeit im Achtelfinale des Pokals gegen Hoffenheim. Da hörten die Münchner auf, aggressiv und weit vorne zu verteidigen, zogen sich zurück und ließen immer mehr Chancen für die Gäste zu. So wurde das Spiel noch einmal spannend. Doch Hoffenheim kam durch zwei späte Tore nur noch auf 3:4 heran.

„Es kann schnell mal in die andere Richtung gehen, wenn wir nicht am Limit spielen“, sagte Kimmich. „Vielleicht war es vor dem Leipzig-Spiel ganz gut, dass wir merken, dass es nicht von alleine geht.“ Diese Einsicht von Joshua Kimmich könnte für das Spitzenspiel am Sonntag entscheidend sein.

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