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Spitzenspiel in der Bundesliga : Dortmund enteilt den Bayern

Zwei Mal führen die Bayern, doch am Ende siegt Dortmund: In einem hochklassigen Spitzenspiel überzeugt der BVB mit viel Geschwindigkeit.

Und jetzt gewinnen wir noch. Marco Reus feiert mit den Kollegen sein zweites Tor für Dortmund.
Und jetzt gewinnen wir noch. Marco Reus feiert mit den Kollegen sein zweites Tor für Dortmund.Foto: Reuters

Es gab mal eine Zeit, da wurden Tore von Robert Lewandowski in Dortmund besonders laut gefeiert. Aber da trug der polnische Fußballer eben auch noch ein schwarz-gelbes Jersey und schoss Tore gegen seinen aktuellen Verein, den FC Bayern München. Zum Beispiel am 11. April 2012, als die Bayern letztmals als Verfolger von Borussia Dortmund an der Strobelallee antraten. Der BVB gewann das Spiel mit 1:0, ein paar Wochen später die Deutsche Meisterschaft und kurz darauf noch den DFB-Pokal – dank eines furiosen 5:2-Sieges im Finale von Berlin.
Vor dem Spitzenspiel an diesem elften Bundesliga-Spieltag, in das die Bayern mit vier Punkten Rückstand gingen, hatten viele Borussen gehofft, die Geschichte möge sich wiederholen. Ein Novemberabend wie im April sollte es werden, den Anfang vom Ende der erdrückenden sechsjährigen Dominanz der Dauermeisterbayern markieren. Und so kam es dann auch – trotz Robert Lewandowski. 3:2 (0:1) gewann der Tabellenführer Borussia Dortmund gegen Bayern München und liegt nun schon sieben Punkte vor den drittplatzierten Münchnern. Die beiden Kopfballtore von Robert Lewandowski reichten den Bayern nicht, weil Marco Reus ebenfalls zweimal traf und der eingewechselte Paco Alcacer vor 81.365 Zuschauern den Endstand besorgte.
„Wir haben ein tolles Fußballspiel gesehen, an dem beide Teams ihren Anteil hatten“, sagte Bayerns Trainer Niko Kovac. Über den Anteil, den sein Team zu diesem tollen Spiel beitrug, wird er aber intensiver nachdenken müssen. Wie eine Schülermannschaft hatten sich die Bayern nach der Pause überrumpeln lassen, teils flatterhaft – wie Mats Hummels – die Bälle an ihre leichtfüßigen Gegenspieler verloren. Es schien so, als wischten die Borussen die immense Erfahrung und Routine der Münchner beiseite wie eine lästige Fliege von der Fensterscheibe, um wieder freie Sicht auf ihre eigentlichen Ziele zu bekommen. Die Wucht, mit der Dortmund in der zweiten Halbzeit auf die Südtribüne und das Tor von Manuel Neuer spielte, ließ wenig Zweifel zu, worin die Ziele bestanden. Erstens: den Serienmeister besiegen. Zweitens, über den Spieltag hinaus gedacht: Die Deutsche Meisterschaft gewinnen.

Unverdient wäre der Ausgleich zum 3:3 für die Bayern nicht gewesen

„Man kann ja nicht nach Dortmund fahren und sagen, ich will einen Dreier einfahren“, hatte Bayerns Präsident Uli Hoeneß vor dem Duell beim Lieblingsrivalen orakelt, verbunden mit dem Hinweis, dass die Bayern nicht als Favorit nach Dortmund fahren würden, sondern, ja tatsächlich, „als Außenseiter“. Der zweite Durchgang sollte Hoeneß Recht geben – und den BVB zum Titelkandidaten Nummer eins reifen lassen.


Keine fünf Minuten waren in diesem gespielt, da erwischte Neuer den zu schnellen Reus im Strafraum am Fuß, was einen Elfmeter und das 1:1 durch den gefoulten Schützen zur Folge hatte. Der BVB wirkte nicht nur in dieser Szene agiler, spritziger. Selbst der erneute Rückstand – wieder traf Lewandowski per Kopf – konnte die Schwarz-Gelben nicht stoppen. Zwischenzeitlich spielte sich die Favre-Elf in einen regelrechten Rausch, vergaß aber das Toreschießen. Erst vergab Reus nach einer Stunde das sicher geglaubte 2:2, weil Kimmich im letzten Moment rettete, dann hatte der kurz zuvor für Götze eingewechselte Paco Alcacer einen Auftritt, den er nicht in Erinnerung behalten will. Hummels, der in der Pause über Schwindelgefühle geklagt hatte, verlor den Ball an den flinken Sancho. Der eilte auf und davon, und bediente Alcacer. Warum der Spanier aus drei Metern den Ball nicht direkt ins Tor schoss, sondern noch einen äußerst unnötigen Haken schlug, bleibt sein Geheimnis.
Reus korrigierte das Malheur kurz darauf mit einem wuchtigen Schuss ins linke Eck, das Stadion tanzte. Erst recht als Alcacer dem schwarz-gelben Anhang doch noch feinste Kost präsentierte und mit einem feinen Lupfer Neuer überwand. Von den Bayern kam nach dem 3:2 nicht mehr viel, nur Lewandowski traf in der Nachspielzeit nochmal, allerdings im Abseits stehend.
Unverdient wäre der Ausgleich nicht gewesen, weil die Bayern in der ersten Halbzeit stark gespielt hatten, abgeklärt und souverän wirkten, den Ball sicher durch die eigenen Reihen laufen ließen, und ihn häufiger besaßen als der BVB. „30 Minuten lang war Bayern viel besser“, befand Favre, „sie haben das Spiel beherrscht.“ Am Ende könne er aber sagen, dass der Sieg kein unverdienter war – weshalb nun ganz Dortmund von einer Saison wie anno 2012 träumen darf.

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