Sport : Starten auf die Sekunde

America’s Cup: Germany I ist auf gutem Kurs

Hartmut Moheit[Valencia]

Es gibt keinen Ausweg mehr, Skipper Magnus Holmberg kann die Victory Challenge nur noch über die Startlinie steuern. Zwei Sekunden zu früh, wie sich sofort herausstellt. Der Fehlstart des Schweden wird auch gleich bestraft, er muss die Yacht zurückbringen und das Rennen erneut beginnen. „Damit hatten wir einen schönen Vorsprung, den wir sogar ausbauen konnten“, sagt sein Kontrahent am Steuer des Gegners, der Däne Jesper Bank, hinterher. Dass es der Steuermann der Germany I des United Internet Team Germany war, der Holmberg am Start derart bedrängte, dass ihm nur noch die eine Fahrtrichtung blieb, hebt er nicht groß hervor. Das Team habe gut gearbeitet, das sei ihm wichtig. Auf die Sekunde genau hatte die erste deutsche America’s-Cup-Yacht den Start zur Trainingswettfahrt auf dem Mittelmeer vor Valencia geschafft. „Das gibt uns viel Selbstvertrauen. Es war ja nicht nur der perfekte Start, wir konnten auf dem Kurs unseren Vorsprung ausbauen“, beschreibt Jan Schoepe den Wert dieses kleinen Erfolges. Bisher war das schwedische Boot dem deutschen meist überlegen. „Unser neues Schiff ist gegenüber dem alten ein deutlicher Schritt nach vorn“, bemerkt dann auch Jesper Bank, warnt zugleich aber vor Euphorie: „Uns fehlt einfach zu viel Zeit, um noch das Maximale herausholen zu können.“ Die Germany I steht dem Team erst seit Dezember 2006 zum Training zur Verfügung.

Frühestens beim Act 13 vom 3. bis zum 7. April, wenn die zwölf Yachten aus zehn Nationen in einem Fleetrace zum letzten Mal gemeinsam starten, wird ein aussagekräftiger Vergleich zur Konkurrenz möglich sein. Dann sind sie alle mit ihrem besten Material auf Kurs. Aber schon am 16. April wird es für die elf Crews ernst, die von diesem Tag an den Herausforderer für die Schweizer Alinghi ermitteln. Im „Deutschen Haus“ am Port America’s Cup herrscht nur Einmütigkeit darin, dass dieses Ziel für das Team Germany diesmal noch zu hoch ist. „Alinghi, BMW Oracle, das Team Neuseeland und vielleicht die Italiener auf der Luna Rossa werden wohl vorn sein, das Team China ganz hinten“, tippt Jesper Bank. „Aber dazwischen sollte auch für uns alles möglich sein“, fügt er hinzu. „Wir müssen in der Wirklichkeit leben und werden feststellen, dass andere schneller sind als wir.“

Damit die letzte Etappe vor dem 32. America’s Cup für die Deutschen noch konzentrierter ablaufen kann, bestimmte Bank in dieser Woche die 17 Segler der Startformation. Der neuen Germany I mit dem GER 89 auf dem Segel vertraut der Däne nach dem von technischen Pannen geprägten Winter inzwischen: „Unser Boot ist supergesund. Mit den Brüchen sind wir durch. Bis zu fünf Prozent können wir vielleicht noch rausholen.“ Und so gibt es jetzt sechs Tage in der Woche ein Startduell nach dem anderen zwischen der ersten Mannschaft und jenen enttäuschten Seglern des B-Teams wie Michael Hestbaek, Gerrit Bottemöller und dem Berliner Alexander Krause. Der Start macht beim America’s Cup etwa 70 Prozent aus. Wer vorn ist, bestimmt die Renntaktik. Wie gegen die Schweden, die nur noch hinterhersegeln konnten.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!