• Strafverfahren gegen Gianni Infantino: Die Fifa-Spitze bleibt schmutzig wie eh und je

Strafverfahren gegen Gianni Infantino : Die Fifa-Spitze bleibt schmutzig wie eh und je

Gegen Fifa-Präsident Infantino wird ermittelt. An der Spitze scheint sich der Verband seiner kümmerlichen Kultur treu zu bleiben. Ein Kommentar.

Freund des Fußballs im Fokus: Gianni Infantino.
Freund des Fußballs im Fokus: Gianni Infantino.Foto: AFP

Angetreten war Gianni Infantino vor vier Jahren auch mit dem Versprechen, endlich auszumisten im Fußball. Unter seinen Vorgängern Joao Havelange und Joseph Blatter war im Fußballweltverband Fifa eine Kultur der Korruption gediehen. Weltmeisterschaften etwa gingen gewiss nicht immer an an jene Länder, die das beste Konzept vorlegten. Man sollte es ruhig beim Namen nennen: Ohne Bestechungsgelder einzelner Mitglieder der Fifa-Exekutive ging wohl keine WM-Vergabe über den Tisch.

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Infantino stand durchaus für eine neue Professionalität, für eine Abkehr vom alten Funktionärstum, das in dunklen Räumen die Köpfe zusammensteckt. Doch offenbar sind die von Havelange und Blatter geschaffenen Strukturen langlebig. Wie am Donnerstag bekannt wurde, hat die Schweizer Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren gegen den Fifa-Präsidenten eröffnet. Dabei geht es um geheime Treffen zwischen Infantino und dem Leiter der Bundesanwaltschaft, Michael Lauber.

Was heckten Infantino und Lauber aus?

Dieser sollte eigentlich gegen die Korruption in der Fifa ermitteln. Die Themen waren unter anderem die Vergaben der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar. Doch was heckten die beiden in ihren Hinterzimmergesprächen aus? Ging es vielleicht um einen dubiosen TV-Vertrag, den Infantino einst unterzeichnet hatte? Lauber ließ wegen des Vorgangs jedenfalls nicht gegen Infantino ermitteln.

An die Gespräche wollen sich die Beteiligten größtenteils nicht mehr erinnern, protokolliert ist nichts. Lauber hatte den Schweizer Behörden sogar ein Treffen ganz verschwiegen. Das alles riecht sehr nach altem Fifa-Mief, in dem sich offenbar auch der nationale Chefankläger befand. Inzwischen hat Lauber seinen Rückzug von seinem Amt angekündigt.

Natürlich gilt für beide die Unschuldsvermutung. Und trotzdem lässt sich weiter festhalten: Fußball ist ein schönes Spiel. Aber sein Weltverband agiert an der Spitze so schmutzig wie eh und je.

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