Sport : Streit auf dem Kiez

Der FC St. Pauli versinkt im Chaos und kämpft sportlich um den Aufstieg – heute beim 1. FC Union

Nicolas Thomsen

Hamburg - Eigentlich sind die Fans des FC St. Pauli bekannt dafür, den Stürmen des Lebens mit Selbstironie zu begegnen. Da wird der Ärger über mieses Management schon mal auf musikalischer Ebene verarbeitet. Der Song „Auf St.Pauli herrscht Misswirtschaft“ ist zu einem Evergreen geworden. In diesen Tagen aber tun sich die Anhänger schwer damit, die Entwicklungen in ihrem Klub mit Gelassenheit zu ertragen. Das sagt einiges aus über den Ernst der Lage bei dem Fußball-Regionalligisten.

Aber St. Pauli wäre nicht St. Pauli, wenn sich nicht dauernd irgendetwas finden ließe, was Hoffnung macht. Dieses Mal muss der gepeinigte Fan nicht einmal lange suchen. Sportlich könnte es kaum besser laufen. Neun Punkte aus drei Spielen hat die Mannschaft von Trainer Holger Stanislawski im neuen Jahr geholt. St. Pauli ist in der Tabelle auf Rang fünf geklettert. Gelänge heute noch ein Sieg beim 1. FC Union (14 Uhr, Stadion Alte Försterei), könnte das den Sprung auf einen Aufstiegsplatz bringen.

Im Klub aber regiert das Chaos. Der Machtkampf zwischen dem Präsidium unter Vorsitz von Corny Littmann und dem Aufsichtsrat, dem Michael Burmester vorsteht, ist eskaliert. Da sich der Aufsichtsrat geweigert hatte, Littmann für eine weitere Amtszeit zu nominieren, erklärte dieser den Rücktritt des Präsidiums zum 26. März. Für den 25. März berief er noch eine außerordentliche Mitgliederversammlung ein. Kritiker sehen darin Kalkül, um den Aufsichtsrat abwählen zu lassen. Burmester informierte per SMS Littmann, der nach der Rücktrittsankündigung zu einer zehntägigen Schiffsreise durch die Karibik aufgebrochen war, dass seine Abwahl eingeleitet worden sei. Am Montag stellte Burmester das neue Präsidium unter dem Vorsitz des 40 Jahre alten Unternehmers Stefan Orth vor. Littmann rief den Ehrenrat an, um einer Abwahl zu entgehen.

Als schwersten Kritikpunkt führt das Kontrollgremium den Stadionbau an. „Die Abrissparty der Südtribüne war eine reine Showveranstaltung. Es sind eine Reihe von Verträgen ohne die Zustimmung des Aufsichtsrates abgeschlossen worden. In diesen Verträgen wimmelte es von handwerklichen Fehlern, falschen Summen und Klauseln zum Nachteil des Vereins“, sagt Burmester. Littmann widerspricht energisch.

Die Fans des FC St. Pauli treibt die Sorge um, dass sich der Bau eines neuen Stadions am Millerntor erneut als ein Luftschloss erweist und das Stadion die Form eines Hufeisens behält, die abgerissene Tribünenseite also offen bleibt. Schon jetzt haben Auswärtsspiele für den Anhang des FC St. Pauli erheblich an Reiz gewonnen.

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