Streit um Polizeikosten : Die heile Fußballfamilie ist beschädigt

Die große Mehrheit der Fußball-Bundesligisten lehnt den Solidarfonds für Werder Bremen ab. Beim Geld hört der Zusammenhalt in der DFL also auf. Ein Kommentar.

Die anderen Klubs stehen für Werder Bremen nicht ein, das könnte noch viele Umstimmigkeiten nach sich ziehen.
Die anderen Klubs stehen für Werder Bremen nicht ein, das könnte noch viele Umstimmigkeiten nach sich ziehen.Foto: imago

Wenn die Chefs der Fußball-Bundesligisten in ihren Sonntagsreden über sich und ihre Kollegen sprechen, fällt ein Wort immer wieder: Fußballfamilie. Innerhalb dieser Fußballfamilie sei der Zusammenhalt so eng, so großartig und so besonders wie nirgendwo sonst, betonen sie stets. Doch beim Geld hört dieser ach so tolle Zusammenhalt ganz offensichtlich auf, das zeigte die deutsche Fußballfamilie am Dienstag in brutaler Deutlichkeit.

Bei der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL), dem Zusammenschluss aller 36 Erst- und Zweitligisten, wurde ein von Werder Bremen beantragter Solidarfonds krachend abgelehnt. Die große Mehrheit der Vereine votierte dagegen, dass sich alle Klubs an den Kosten für die Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen beteiligen. 32 der 34 anwesenden Vereine sprachen sich dagegen aus, bei einer Enthaltung und einer Ja-Stimme.

Solidarität gibt es nur in Sonntagsreden

Werder hatte den Antrag nach dem Fonds gestellt, weil der Klub nicht mehr allein auf den Kosten für die zusätzlichen Polizeieinsätze sitzen bleiben will. Denn das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte im März entschieden, dass die Bundesländer die zusätzlichen Polizeikosten bei Hochsicherheitsspielen grundsätzlich der DFL in Rechnung stellen dürfen. Seitdem hat die DFL bereits Gebührenbescheide des Landes Bremen in Höhe von 1,17 Millionen Euro an Werder weitergeleitet.

Dass die DFL-Klubs nun den Solidarfonds gekippt haben, entblößt sie als äußerst unsolidarisch. Denn für einen Verein allein sind mehr als eine Million Euro eine Belastung, für die reiche Fußballfamilie allerdings nicht. Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge verteidigte die Entscheidung zwar damit, ein Fonds wäre „eine offene Tür und ein Muss für alle Länder, die Bundesliga zur Kasse zu bitten“.

Doch um ihre Existenz müssten die 36 Vereine auch in diesem Fall nicht fürchten. Selbst wenn für alle jährlichen Hochrisikospiele, etwa 50, die zusätzlichen Polizeikosten in Rechnung gestellt werden würden, beliefen sich Mehrkosten wohl auf 20 Millionen Euro pro Jahr. Peanuts im Vergleich zu dem Umsatz, den die Klubs einstreichen – insgesamt betrug dieser 4,4 Milliarden Euro im Jahr 2018.

Und so könnte dieses Votum die heile Fußballfamilie noch nachhaltig beschädigen. Werders Präsident Hubertus Hess-Grunewald sagte, die Ablehnung des Fonds könnte „Auswirkungen auf das Binnenverhältnis der Klubs“ haben. Von Solidarität tönen Fußballfunktionäre offenbar nur in Sonntagsreden.

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