Sport : Tanzen und treffen

Seit drei Wochen spielt Kirk Penney für Alba: Er überzeugt als Topscorer und Haka-Lehrer

Helen Ruwald

Berlin - Kirk Penney wusste nicht so recht, auf was er sich da eingelassen hatte. „Ich hoffe, sie verstehen den kulturellen Hintergrund“, sagte Alba Berlins neuseeländischer Basketballprofi, ehe er sich am Donnerstag nach dem Training als Vortänzer betätigte. Der Haka, der Kriegstanz der Maori, müsse mit dem nötigen Respekt dargeboten werden, erklärte Penney. Zusammen mit Neuseelands Nationalmannschaft führt er den Tanz, der den Gegner einschüchtern soll, vor jedem Spiel auf. Am Donnerstag nun ließen sich vier Alba-Fans von Penney in die Geheimnisse des Haka einweisen, um ihrerseits die übrigen Anhänger unterrichten zu können. Irgendwann wollen sie dann vor einem Heimspiel in der Max-Schmeling-Halle auftreten. Penney stampfte mit den Füßen auf, ballte die Faust, schlug sich auf die Brust und stieß unverständliche Schreie aus. Die vier jungen Männer versuchten es ihm gleichzutun, wenig würdevoll zunächst, eher unbeholfen und unsicher.

Sie kämpfen noch mit dem Neuen, im Gegensatz zu Kirk Penney. Vor drei Wochen wechselte der 26-Jährige von Zalgiris Kaunas in die Bundesliga – und ist schon Leistungsträger. Bei seinem ersten Auftritt bei der Niederlage in Oldenburg war er mit elf Punkten Albas Topscorer – was er vor allem der mangelnden Treffsicherheit seiner Nebenleute zu verdanken hatte. Nach dem 81:70 im Spitzenspiel am vergangenen Sonntag in Köln verließ Penney die Halle als bester Werfer des Nachmittags, doch diesmal profitierte er nicht von Fehlwürfen der Kollegen. Penney war einfach gut. Er machte in 22 Minuten 20 Punkte, darunter vier Dreipunktewürfe. Mit drei Dreiern in Folge im letzten Viertel war er Matchwinner.

Völlig unspektakulär und erstaunlich schnell geht seine Integration ins Team vonstatten, in kürzester Zeit hat er erfasst, wie die Kollegen laufen und passen. „Das war die richtige Verpflichtung zur richtigen Zeit“, sagt Albas Trainer Henrik Rödl vor dem Bundesligaspiel heute gegen die Gießen 46ers (18.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle). „Wir müssen sehr froh sein, dass er hier ist. Er ist der erwartet gute Schütze.“ Geplant war es nicht, dass Penney, der 2006 mit Maccabi Tel Aviv im Final Four der Europaliga stand, von Beginn an so viel Spielzeit bekommt. Ein bisschen mehr Anpassungszeit wollte Rödl ihm schon zugestehen. „Die Entwicklung musste wegen der vielen Ausfälle forciert werden“, sagt Albas Trainer. Spielmacher William Avery fiel und fällt wegen Kniebeschwerden aus, Nicolai Simon hatte Rückenprobleme, Center Jovo Stanojevic fehlt heute wegen einer Grippe, Johannes Herber lag zu Wochenbeginn ebenfalls grippegeschwächt im Bett. Und die Langzeitverletzten Demond Greene und Philip Zwiener sind ohnehin nur Zuschauer.

Penney ist schnell in eine Hauptrolle geschlüpft. Er wundert sich nicht, wie glatt bislang alles lief. „Das war das Ziel“, sagt er lapidar. Er macht kein Aufsehen um seine Person. Das tun allenfalls die Fans – wenn sie ihn zum Haka-Lehrer ernennen.

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