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Teilnahme an den Spielen in Pyeongchang : Ausgerechnet Nordkorea soll Olympia wieder Sinn geben

Die Winterspiele in Pyeongchang drohten düster zu werden. Der rettende Lichtstrahl könnte nun aus Nordkorea kommen. Ein Kommentar.

So soll es wieder werden: Nord- und Südkorea laufen gemeinsam bei der Eröffnungsfeier der Winterspiele 2006 in Turin ein.
So soll es wieder werden: Nord- und Südkorea laufen gemeinsam bei der Eröffnungsfeier der Winterspiele 2006 in Turin ein.Foto: Sergey Chirikov/dpa

Es kann im Sport manchmal sehr schnell gehen, diesmal soll es sogar eine rasante Wende von der Kriegsangst zur Friedenshoffnung geben. Die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang, Südkorea, waren bis vor wenigen Tagen noch überschattet von der Furcht vor einer möglichen nordkoreanischen Aggression. Nun sollen sie friedlich-fröhlich strahlen.

Wie so oft im Sport stellt sich die Frage, was davon nur ein Spiel ist. Was also in diesem Fall gewonnen werden kann, wenn eine Delegation aus Nordkorea zu den Winterspielen reist und teilnimmt an dem, was früher einmal als besonders völkerverbindendes Ereignis gedacht war.

Vor allem dem Internationalen Olympischen Komitee kommen die Nordkoreaner wie gerufen. Denn diese Winterspiele drohten schon zu einer ziemlich düsteren Veranstaltung zu werden. Mal wieder wurden jede Menge Sportanlagen in die Natur gerammt, von denen keiner weiß, wer sie danach noch braucht. Dann gab es das russische Staatsdoping. Und über allem schwebte das Unbehagen, ob Nordkoreas Diktator Kim während der Spiele wieder mit Bomben und Raketen zündeln würde.

Was kann dem IOC und diesen Spielen da Besseres passieren als eine wunderbare Erzählung vom Frieden? Vom Aufeinandertreffen der Feinde unter den olympischen Ringen zum gemeinsamen Wettbewerb nach universellen Regeln? Südkoreas Vereinigungsminister hat jedenfalls schon das große Wort der „Friedensspiele“ gefunden mit „sehr kostbaren Gästen aus dem Norden“.

Vorbild Pingpong-Diplomatie

Der olympische und politische Zweckoptimismus ist leicht nachzuvollziehen. Dass man es mit den Hoffnungen nicht übertreiben sollte, haben die letzten Winterspiele gezeigt. Am Tag der Schlussfeier der Spiele von Sotschi 2014 gab Russlands Präsident Wladimir Putin den Befehl zur Annexion der Krim. Was nun der Besuch der nordkoreanischen Delegation mit Athletinnen und Athleten, Regierungsvertretern, Künstlern, Journalisten und einer Taekwondo-Showgruppe wirklich bringt, lässt sich erst viel später sagen. Zumal auch gleich die Befürchtung geäußert wurde, dass der Annäherungsversuch des Nordens vor allem als Manöver gegen die USA gedacht sein könnte.

Dennoch ist der Besuch die Mühe allemal wert. Nicht zuletzt, weil in seinem Rahmen auch über Familienzusammenführungen zwischen Nord und Süd und andere verbindende Formen gesprochen wird.

Das Spielerische des Sports kann dabei auf jeden Fall ein großer Vorzug sein. In den Ernst der Lage kann er etwas Ungezwungenheit bringen. Im Idealfall bietet er eine Rahmenhandlung für eine politische Geschichte. Prominentestes Beispiel dafür ist die Pingpong-Diplomatie, bei der Anfang der 70er Jahre Tischtennisspieler als erste US-Delegation nach dem Zweiten Weltkrieg nach China reisten und die Vorhut bildeten für den Besuch von US-Präsident Richard Nixon in Peking.

Ein Team, eine Flagge - die geteilte Halbinsel

Im Sport sind Nord- und Südkorea auch schon eingespielt, selbst wenn das etwas zurückliegt. Gemeinsam liefen sie bei Eröffnungsfeiern der Olympischen Spiele ein, hinter einer Flagge, die die gesamte koreanische Halbinsel zeigte, zuletzt bei den Winterspielen 2006 in Turin. So soll es auch diesmal wieder sein. Bei Tischtennis-Weltmeisterschaften haben sie schon ein vereintes Team gebildet und damit bei den Frauen 1991 sogar den Mannschaftstitel gewonnen. Seitdem konnte kein Land mehr bei den Frauen die Tischtennis-Weltmacht China bei einer WM besiegen.

Immer wieder suchen beide Seiten die Nähe im Sport. Ihr Verhältnis ist jedenfalls ein völlig anderes als das zwischen der Bundesrepublik und der DDR, wo die sportliche Rivalität immer wieder gepflegt wurde, vor allem bei den Olympischen Spielen 1972 in München.

Nordkoreas Sportlerinnen und Sportler sind – man könnte sagen zum Glück – nicht stark genug, um mit großen Erfolgen vom Symbolcharakter ihres Starts ablenken zu können. Nur zwei Eiskunstläufer haben sich bislang überhaupt für Pyeongchang qualifiziert – sie sind aber nicht rechtzeitig angemeldet worden.

Für die Teilnahme Nordkoreas müssten also noch einige formale Hürden beseitigt werden, auch die, dass ein Flug nach Südkorea angesichts der Sanktionen nicht möglich wäre. Doch alles, was diese Delegation schaffen kann, könnte zur Blaupause für mehr werden. Mit Nordkoreanern und Südkoreanern könnten die Olympischen Spiele wieder das tun, was sie noch am besten können: der Welt bewegende Bilder zeigen.

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