• Tennis: Interview mit Rudi Molleker: „Ich habe oft gehört, dass ich der nächste Boris Becker werde“

Rudi Molleker über seinen größten Tennis-Traum

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Tennis: Interview mit Rudi Molleker : „Ich habe oft gehört, dass ich der nächste Boris Becker werde“
Nicht zu fassen. Rudi Molleker ist für sein Alter schon sehr weit.
Nicht zu fassen. Rudi Molleker ist für sein Alter schon sehr weit.Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Sind Sie denn grundsätzlich interessiert an der Tennis-Historie? Schauen Sie sich zum Beispiel legendäre Matches bei Youtube an? So etwas wie Borg gegen McEnroe 1980?
Ich habe den Film über die beiden gesehen. Aus meiner Sicht ein Pflichtprogramm für Tennis-Fans. Das hat mich auch sehr inspiriert, gerade die coolen Routinen, die es so gibt. Da sieht man dann, dass man nicht der einzige ist, der irgendwelche Macken hat.

Jetzt sind wir neugierig. Welche Macken haben Sie denn?
Es gibt eine bestimmte italienische Restaurantkette. Und überall wo es die gibt, habe ich gut gespielt. Da war ich dann jeden Abend essen und habe natürlich auch immer dasselbe bestellt. Sowohl das Essen als auch die Getränke. Das sind dann einfach so komische Dinge, die in einem passieren und wo man denkt, wenn du ja jetzt etwas anders macht, könnte sich was ändern. Das kennt man aber auch von anderen Tennisspielern.

Aber Sie fahren jetzt nicht zu einem Turnier und gucken vorher, ob es da dieses italienische Restaurant auch gibt?
Nein, so ist es natürlich nicht (lacht).

Sie gelten als riesiges Talent. Ist das mehr Ansporn oder mehr Belastung für Sie?
Ich habe das wirklich oft gehört, dass ich jetzt der nächste Boris Becker oder Alexander Zverev werden könnte. Aber wenn man das so oft hört, dann spielt das irgendwann keine Rolle mehr. Natürlich hat man das auch mal ganz gern. Aber ich versuche, mir keinen Druck zu machen und nehme so was als Kompliment.

Sie haben Alexander „Sascha“ Zverev angesprochen. Haben Sie Kontakt zu ihm, gibt es einen Austausch?
Wir haben schon miteinander trainiert. Das ist cool, weil ich super viel lernen kann von Sascha. Er ist auch ein netter Typ, sehr offen und direkt.

Was halten Sie vom Vergleich mit Alexander Zverev?
Es gibt viele Leute, die Sascha und mich vergleichen. Aus meiner Sicht ist das aber relativ schwierig. Er kommt aus einer absoluten Tennisfamilie, mit einem älteren Bruder, der schon professionell Tennis gespielt hat. Bei ihm war sozusagen alles in die Wege geleitet. Ich musste mir sehr viel selber erarbeiten, habe mit meinem Vater eine Menge erlebt und wir haben sicher auch Fehler gemacht. Das passiert eben, wenn man nicht aus dieser Szene kommt. Sascha hatte es da vielleicht etwas einfacher. Trotzdem kann man den Weg natürlich vergleichen, weil jeder junge Sportler irgendwo das Gleiche durchmachen muss. Da fließen viel Schweiß und Tränen. Aber wenn ich am Ende mal dastehe, wo er jetzt ist, wäre das natürlich super.

Es gab auch viel Kritik an Alexander Zverev. Wie nehmen Sie das wahr?
Sascha macht Fehler, genauso wie ich auch. Klar, gibt es ab und zu Entscheidungen von Sportlern, die falsch sind. Aber trotzdem sollte das jeder für sich entscheiden. Und dann seinen eigenen Weg gehen.

Sie haben Roger Federer mal als eine Art Idol bezeichnet. Haben Sie je überlegt, auch so wie er Tennis zu spielen?
Ja, na klar (lacht). Das war immer das Ziel. Aber je älter ich wurde, desto mehr wurde mir klar, dass das nicht möglich ist. So wie Roger zu spielen, ist eine einmalige Geschichte.

Wie würden Sie ihr eigenes Spiel charakterisieren?
Ich sehe mich als Allrounder. Ich kann defensiv gut spielen, fühle mich aber auch in der Offensive ganz wohl. Klar, den Weg zum Netz muss ich noch ein paar Mal öfter suchen. Das wird auch langsam besser. Ziel ist es, irgendwann alles zu können.

Was ist ihr Tennis-Traum?
Mein größtes Ziel wäre, irgendwann mal die Nummer eins zu werden. Vielleicht reicht es eines Tages auch für einen Grand-Slam-Titel. Das ist natürlich die ferne Zukunft. Klar sind das Träume, aber die kann man ja vielleicht eines Tages realisieren. Bis dahin muss ich noch hart arbeiten.

Und wenn Sie dann irgendwann in der Nähe dieses Ziels sind, wo wird Rudi Molleker dann leben? Zieht es Sie von Oranienburg vielleicht doch wie viele andere nach Monaco?
Ich muss ehrlich sagen, dass ich vielleicht sogar in Oranienburg bleiben würde. Ich finde es cool. Es ist eine ruhige Stadt im Grünen, gerade der Ortsteil Lehnitz, wo wir wohnen. Es ist nicht zu hektisch, wir brauchen auch nicht so lange nach Berlin. Klar, wenn ich jetzt super viel Geld habe, würde ich mir vielleicht sogar im Grunewald was leisten können (lacht). Und im Winter ein Häuschen in Florida – schon wegen der Trainingsmöglichkeiten.

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