Tennis-Legende Ivan Lendl wird 60 : Siege, Sägespäne und eine Rasen-Allergie

Ivan Lendl tat alles für den Sieg auf dem Tennisplatz. Nur in Wimbledon wollte es für ihn nie klappen. Am Samstag wird er 60 Jahre alt. Eine Würdigung.

Ivan Lendl blickt als Trainer genauso grimmig drein wie als Spieler.
Ivan Lendl blickt als Trainer genauso grimmig drein wie als Spieler.Foto: dpa

Ivan Lendl hat seine Spielweise auf dem Tennisplatz einmal wie folgt beschrieben: „Wenn ihr Wutausbrüche oder Comedy wollt, kommt nicht, um mich zu sehen.“ Nein, lustig war der Mann aus Ostrava während eines Matches ganz sicher nicht. Er war „Ivan, der Schreckliche“, der keine Skrupel kannte und den Gegner auch schon mal mit voller Absicht am Netz abschoss. Der sich mit verkniffenem Gesichtsausdruck zum Aufschlag stellte, um dann eine Handvoll Sägespäne aus der Hosentasche zu kramen.

Lendl konnte spielen, bis andere umfielen. Zu seiner besten Zeit war kein Spieler fitter. Er folgte der Devise: „Ohne Fleiß kein Preis“ und trainierte, wenn seine Kollegen lieber ihr Geld verprassten. Er stand 270 Wochen an der Spitze der Weltrangliste, gewann acht Grand-Slam-Titel und insgesamt 94 Turniere. Und dennoch ist sein Scheitern in Wimbledon beinahe noch legendärer. „Gras ist nur was für Kühe“, hat er einmal über den heiligen Londoner Rasen gesagt. Zweimal schaffte er ins Endspiel des wichtigsten Tennisturniers der Welt, es reichte nicht einmal für einen Satzgewinn.

Seine Niederlage in Paris gegen Michael Chang ist unvergessen

Unvergessen ist auch sein denkwürdiges Match gegen Michael Chang im Achtelfinale der French Open 1989. Der 17-jährige US-Amerikaner lag mit 0:2-Sätzen zurück, wurde von Krämpfen geplagt und schlug zwischenzeitlich von unten auf. Tennis-Roboter Lendl war darauf nicht programmiert und verlor am Ende tatsächlich noch. Beim Matchball fabrizierte er einen Doppelfehler. Spätestens in diesem Moment wurde aus der Maschine Ivan Lendl auch auf dem Platz ein Mensch.

Ein Mensch, der ansonsten als äußerst humorvoll galt, der Kunstliebhaber und Familienmensch ist. Mit seinen fünf Töchtern reiste er zu zahllosen Golfturnieren, selbst hatte er zeitweise über eine zweite Karriere als Golfprofi nachgedacht. Doch Rückenschmerzen, die ihn schon zum Ende seiner Tennislaufbahn gezwungen hatten, ließen das bei aller Akribie nicht zu.

Irgendwann bekam er wieder Lust am Tennis, er spielte einige Showmatches und wurde später Trainer. Andy Murray führte er zu dessen drei Titeln bei Grand-Slam-Turnieren, zwei Olympiasiegen und machte ihn zur Nummer eins der Weltrangliste. Auf der Tribüne sah er dabei genauso grimmig aus, wie früher als Spieler mit dem Schläger in der Hand. Später hatte er das auch mit Alexander Zverev vor, aber so richtig bei der Sache war er da wohl nicht.

Becker würdigt Lendl als „ersten Hundert-Prozent-Profi“

Am Samstag wird Ivan Lendl 60 Jahre alt. Und auch wenn er zu einer aktiven Zeit vielleicht nicht unbedingt ein Publikumsliebling war, so wurde er für seine Einstellung gleichermaßen gefürchtet wie bewundert. Boris Becker würdigte seinen einstigen Rivalen vor dessen runden Geburtstag als den „ersten Hundert-Prozent-Profi“. Es ist ein Kompliment, das Ivan Lendl freuen wird. Denn er spielte Tennis nicht um eine große Show zu bieten, sondern um zu gewinnen. Und meistens ist ihm das auch gelungen.

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