Sport : Teurer Spaß

London kratzt das Geld für Olympia 2012 zusammen

Matthias Thibaut

London - Die Olympischen Spiele 2012 werden teuer. Das wussten die Briten schon, aber jetzt haben sie die exakte Zahl: 9,35 Milliarden Pfund kostet die Austragung und die Anlage des „größten neuen Stadtparks in Europa seit 150 Jahren“. Das entspricht 13,7 Milliarden Euro und ist mehr als drei Mal so viel, wie das Londoner Bewerbungsteam ursprünglich veranschlagt hatte, als es im Juli 2005 in Singapur den Zuschlag bekam.

Als Sportministerin Tessa Jowell am Donnerstag im Unterhaus bekannt gab, dass Schatzkanzler Gordon Brown mit einer Finanzspritze von fünf Milliarden Pfund aushelfen will, fiel den Londonern ein Stein vom Herzen. Denn sie hatten befürchtet, dass sie jetzt eine noch höhere Olympia-Abgabe zahlen müssen, als ihnen ohnehin schon zusammen mit der Gemeindesteuer abgezogen wird. Bürgermeister Livingstone muss lediglich 300 Millionen Pfund bezahlen – Peanuts, denn das Geld wird ja über fünf Jahre, vier Monate und elf Tage bis zur Eröffnungsfeier verteilt.

Die Kosten seien deshalb so enorm gestiegen, weil sich London als Gelände „eines der heruntergekommensten Gebiete in Europa“ ausgesucht hat, wie Jowell betonte. Wo ausgediente Gaswerke, stinkende Schifffahrtskanäle, Fabriken, Kläranlagen, Güterbahnhöfe und Sozialwohnungen waren, soll am Ostrand Londons eine blühende Landschaft entstehen.

5,3 Milliarden Pfund (7,8 Milliarden Euro) erhält die Baugesellschaft ODA für die eigentlichen Baukosten: 3,1 Milliarden Pfund für fünf permanente Sportstätten – die anderen werden nach den Spielen abgebaut und woanders weiter benutzt – das olympische Dorf und zusätzliche 5000 Wohnungen. 1,7 Milliarden Pfund sind für Erschließung und Sanierung angesetzt. Hinzu kommt ein Notgroschen von einer halben Milliarde. So kann man hinterher sagen, man habe die Spiele planmäßig ohne Kostenexplosion durchgeführt. Schatzkanzler Brown hält weitere 2,7 Milliarden Pfund für die restlichen Kosten bereit, darunter die völlig unvorhersehbaren Sicherheitsaufwendungen. Zurzeit sind für den Terrorschutz der Spiele 640 Millionen Pfund veranschlagt.

Gut, dass Olympiachef Sebastian Coe schon den ersten offiziellen Sponsor hat: Die britische Bank Lloyds wird 80 Millionen Pfund beisteuern. „Es ist das außerordentlichste, bedeutendste Sportereignis in diesem Land in meinem ganzen Leben“, begründete der 64-jährige Aufsichtsratsvorsitzende der Bank seine Begeisterung. Auch die Sportministerin glaubt, dass der Spaß jeden Penny wert ist. „Überall im Land wird eine ganze Generation dazu begeistert, Sport zu treiben, sich für freiwillige Dienste zu melden und stolz auf das zu sein, was das Land vermag.“

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