Thomas Bach und das IOC : Zu blöd für Olympia

Die Hinhaltetaktik des IOC irritiert. Alle Beteiligten wissen, dass die Olympischen Spiele in Tokio in diesem Sommer nicht stattfinden können. Ein Kommentar.

Traum von 2020. Doch die Wirklichkeit pocht auf 2021, das weiß Japans Premier Abe (l.), IOC-Präsident Bach (r.) noch nicht.
Traum von 2020. Doch die Wirklichkeit pocht auf 2021, das weiß Japans Premier Abe (l.), IOC-Präsident Bach (r.) noch nicht.Foto: Behrouz Mehri/AFP

Olympische Spiele sind eine großartige Sache. Großartiger als alles andere. Sie sind beispiellos in der Welt. Keine andere Veranstaltung, ganz gleich in welchem Bereich, bringt so viele Menschen unterschiedlicher Herkunft, Hautfarbe, unterschiedlichen Glaubens und Gesinnung zusammen. Nichts zieht so viel Aufmerksamkeit auf sich. Mit Ausnahme von Katastrophen. Und in einer solchen leben wir gerade. Lebt die Welt.

In 122 Tagen, am 24. Juli, sollen in Tokio die Sommerspiele eröffnet werden. Wen interessiert es aber heute, wie schnell ein Mann die 100 Meter rennt, wie hoch eine Frau springt oder wen der Deutschland-Achter wohl hinter sich lässt? Wer von uns kann, wer will sich das heute, inmitten einer weltumspannenden Coronavirus-Pandemie, vorstellen?

Bach scheint der Lebenswirklichkeit weit entrückt

Nicht einmal mehr die Japaner, die Gastgeber. Deren Premierminister Shinzo Abe bringt endlich eine Verschiebung ins Spiel. Und der Chef des Organisationskomitees von Tokio, Yoshiro Mori, sagt: „Wir sind nicht so blöd, die Olympischen Spiele wie geplant auszutragen.“ Doch wie Abe betont er, die endgültige Entscheidung liege beim IOC.

Womit wir bei Thomas Bach wären. Der Deutsche ist seit 2013 Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Und er ist ganz offensichtlich noch so blöd, dass er sich mit der Verschiebung der Spiele weiter Zeit lässt. Aufgrund der derzeitigen Informationsgrundlage sei eine endgültige Entscheidung über den Olympia-Termin „jetzt noch verfrüht“, schrieb Bach nun in einer E-Mail an die Athleten. Er wolle sich dafür vier Wochen Zeit nehmen.

Ist Bach, wie so viele Sportführer, der Lebenswirklichkeit derart entrückt? Geht es ihm nicht mehr um die Sache, sondern nur noch um milliardenschwere Verträge, die daran hängen? Den Sportlern, die sich vier Jahre mit Hingabe und Opferbereitschaft auf diesen Höhepunkt vorbereitet haben, ist es gegenüber respektlos, vermutlich sogar verantwortungslos.

Die Athleten der Welt sind da schon weiter. Die große Mehrheit plädiert für eine Verlegung der Spiele ins nächste Jahr. Und so wird es auch kommen. Wenn Bach und sein IOC nicht handeln, tun es andere. Niemand wird in diesem Sommer in Tokio um die Wette rennen, schwimmen, springen. Sondern dann, wenn sich der Fokus wieder wirklich auf den Sport richten kann.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!