• Timo Boll beim Tagesspiegel: "Die Chinesen imitieren mich mit rausgestrecktem Hintern"

"Tischtennis ist ein bisschen wie Schachspielen"

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Timo Boll beim Tagesspiegel : "Die Chinesen imitieren mich mit rausgestrecktem Hintern"

Im Alter von acht Jahren wurde Linkshänder Timo Boll vom hessischen Landestrainer Helmut Hampl entdeckt, obwohl er damals etwas pummelig war –seine Mutter machte ihm für jedes Trainingslager allzu leckere Pakete mit Kuchen und Süßigkeiten. Trainer Hampl sah aber, dass Timo etwas hatte, was für Jungs in dem Alter nicht selbstverständlich ist: absolutes Konzentrationsvermögen. Und was mal ein Nachteil war, ist heute Bolls Trumpf: Da er früher nicht schnell genug war, jeden Ball mit der Vorhand zu spielen, trainierte er seine Rückhand. Die ist heute stärker als bei vielen Gegnern.

Neben täglichem Training und ausgefeilter Taktik braucht ein Profispieler vor allem eines: einen klaren Kopf. „Tischtennis ist ein bisschen wie Schachspielen“, erklärte Timo Boll den Besuchern. „Ich versetze mich in meinen Gegner hinein und versuche auf ihn zu reagieren.“ Die Taktik überlegt er sich nicht für einen ganzen Satz, sondern immer nur für den nächsten Ballwechsel. Was ebenfalls von großem Vorteil ist: Seine dynamische Sehstärke, also die Fähigkeit, schnelle Bewegungen zu verfolgen, liegt weit über dem Durchschnitt und auch höher als die seiner Nationalmannschaftskollegen.

Die Chinesen analysieren jede seiner Bewegungen, es ist sogar die Rede von „Boll-Doubles“, die versuchen, seinen Stil zu imitieren. „Das sieht ziemlich komisch aus: mit Links und rausgestrecktem Hintern“, erzählt Boll lachend. Ob ihn manchmal ein Gegner mit einem neuen Schlag überrasche, wollte ein Zuhörer wissen. „Ein einziger hat mich überrascht – mit einem Schlag, den ich selbst vorher mal gemacht habe. Das passiert mir nicht nochmal!“ Nun muss der Tischtennisprofi erst einmal fit werden für die Mannschafts-Weltmeisterschaft Ende März in Dortmund und für die Olympischen Spiele in London.

Am Ende des Abends, nachdem er sämtliche Bücher signiert hatte, stellte sich Boll selbst an die Platte: Das Match mit Buchautor Teuffel gegen zwei Fans spielte er wegen der Schulterverletzung mit Rechts: So mancher Ball ging daneben, aber der Spaß war Timo Boll, der mit dem Schläger in der Hand seine Zurückhaltung verliert, anzusehen.

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