Tour de France : Froomes Wachablösung mit Ansage

Der vierfache Toursieger scheint endgültig entthront von seinem Sky-Teamkollegen Geraint Thomas. Und will diesem nun im Tour-Endspurt helfen.

Getrieben vom Kollegen. Chris Froome (vorne) will nun Geraint Thomas (hinten) zum Tour-Sieg verhelfen.
Getrieben vom Kollegen. Chris Froome (vorne) will nun Geraint Thomas (hinten) zum Tour-Sieg verhelfen.Foto: Christophe Ena/dpa

Radprofi Geraint Thomas hat sich bei der experimentellen Bergsprintetappe der Tour de France von Bagneres-du-Luchon zum Col du Portet endgültig auch als die Nummer eins im Team Sky durchgesetzt. Der Waliser hielt allen Attacken stand, ließ aus dem Favoritenkreis nur Etappensieger Nairo Quintana enteilen und fuhr seinem schwächelnden Teamkollegen davon. Froome rutschte gar auf Rang drei ab und muss um seinen Podiumsplatz fürchten.

Aber nicht nur das: Nach dieser 17. Etappe stürzte Froome auf der Abfahrt vom Ziel auf dem Col du Portet. Der mit einer schwarzen Regenjacke bekleidete 33-Jährige war von einem Polizisten für einen Fan gehalten und aufgehalten worden. Dabei fiel Froome vom Rad, blieb aber unverletzt. Dabei hatte es wenige Stunden zuvor während des Rennens zunächst so ausgesehen, als würde Chris Froome mit der Konkurrenz spielen. Auf dem Anstieg zum Col du Portet hielt er sich hinten in der Favoritengruppe auf. Er machte den Eindruck, als sei das Tempo zu hoch für ihn.

Froomes Katz und Maus-Spiel

Plötzlich scherte er zur Seite aus und beschleunigte. An seinem Hinterrad aber war Tom Dumoulin. Froome blickte sich um und nahm Tempo heraus. Er hatte die Rivalen testen wollen. Sunweb-Kapitän Dumoulin hatte den Test bestanden. Froome schien der Alte, ein Katz und Maus-Spieler mit den Rivalen. Wenige Kilometer zuvor parierte er noch eine Attacke des Slowenen Primoz Roglic. Er stiefelte allein hinter ihm her, in seinem gewohnt unruhigen Tritt. Thomas, der Kollege im Gelben Trikot, blieb hinten. Thomas schien geschlagen, von Froome, seinem Kumpel, der den Moment genutzt hatte.

Fast schon harmlos. Am Dienstag versperrten kurz Strohballen die Straße für die Profis. Die Polizei machte den Weg frei.
Fast schon harmlos. Am Dienstag versperrten kurz Strohballen die Straße für die Profis. Die Polizei machte den Weg frei.Foto: Mahe/Reuters

Auch dieses Mal aber passte Dumoulin auf. Der Niederländer fürchtete Roglic, fürchtete um seinen dritten Gesamtrang. Er kurbelte Thomas an Froome heran, und sich selbst an Roglic. Der Aufstieg war wie ein Boxkampf. Allerdings einer, bei dem aus jeder Ecke ein Boxer hervorschoss und die anderen mit Geraden und Haken auf den Boden zu schicken versuchte. Thomas setzte sich durch. Er hatte die Kraft, die letzten Attacke von Dumoulin noch mit einem Konter zu beantworten. Dieser Konter setzte dann Froome K.o. Abgeschlagen trudelte er hinter seinen Rivalen her, verlor auf dem letzten Kilometer noch 43 Sekunden.

Skys Vize ist zu souverän für den Meister

„Das ist eine Enttäuschung für mich. Es ist schwer zu verkraften“, sagte der Brite, als er sich das Laktat aus den Beinen und den Ärger aus dem Gemüt fuhr. „Ich hatte nicht die Beine, aber ich werde bis Paris kämpfen“, versprach er. Sein Kampfziel ist allerdings nicht mehr die Titelverteidigung. Zu souverän ist Thomas vorn. „Geraint ist verdient vorn. Ich werde ihm helfen, damit das auch bis Paris so bleibt“, sagte er. Das ist ein Eingeständnis.

Jetzt muss er nach hinten gucken. Dumoulin überholte ihn bereits. Der Slowene Roglic drängt nach. „Für Primoz ist der Podiumsplatz in Reichweite. Jetzt ist für ihn viel möglich, zumal er ein sehr guter Zeitfahrer ist“, erzählte Jan Boven, sportlicher Leiter von LottoNL Jumbo. Thomas noch den Sieg in den kommenden Tagen zu entreißen, wird schwer. Dumoulin, meinte ernüchtert: „Über die letzten zweieinhalb Wochen war Thomas eindeutig der Stärkste. Ich habe in keinem Moment Zeit auf ihn gewinnen können." Nicht einmal Chris Froome kann das gegenwärtig.

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