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Tour de France : Vier plus Buchmann - der Deutsche bleibt in der Spitzengruppe

Die Tour ist spannend wie lange nicht mehr - woran auch Emanuel Buchmann seinen Anteil trägt. Auf der letzten Pyrenäen-Etappe wird er starker Vierter.

Auch Emmanuel Buchmann (2.v.l.) mischt ganz vorne mit.
Auch Emmanuel Buchmann (2.v.l.) mischt ganz vorne mit.Foto: Imago

Ganz aufgeräumter Stimmung stieg Ralph Denk aus dem Teambus von Bora-hansgrohe. „Da haben sich viele in den letzten Jahren beschwert, die Tour sei langweilig. In diesem Jahr ist sie aber richtig spannend“, sagte der Bayer, und sein fröhliches Lachen wurde noch breiter. Denk hat Recht. Gleich drei Teams machten die Etappe hoch zum Tourmalet am Samstag superspannend. Erst legte Team Movistar ein Tempo vor, das das Peleton regelrecht zerbröseln ließ. Dann übernahm Jumbo Visma mit drei Mann die Spitze. Und schließlich forcierte Frankreichs Jungtalent David Gaudu für seinen Kapitän, den späteren Etappensieger Thibaut Pinot, die Pace.

Was Denk so lachen ließ, war aber die Tatsache, dass sich mittendrin im immer kleiner werdenden Kreis der Allerbesten sein Schützling hielt: Emanuel Buchmann. Mit Buchmann kam er 2015 zur Tour. Das Team hieß noch Bora Argon, eine Wildcard war nötig. „Wir waren no names“, sagt Denk rückblickend. „Wir hatten es schwer, wir wurden nicht mal richtig nach vorn gelassen“, erinnert sich Buchmann. Jetzt hindert ihn niemand mehr. Der Schreinersohn aus Ravensburg hat sich Respekt erarbeitet. Mit Leistung. In den Bergen fährt er ganz vorn mit und attackiert sogar. Es war sein Antritt, der am Ende der Favoritengruppe Geraint Thomas herausfallen ließ, den Titelverteidiger. „Es war jetzt nicht Mann gegen Mann zwischen den beiden. Aber die Szene zeigt: Emu gehört zu den Besten hier“, sagte Denk.

Das bewies Buchmann auch an diesem Sonntag. Auf der dritten und letzten Pyrenäen-Etappe wurde er starker Vierter. Nur Simon Yates, der nach 185,5 Kilometern triumphierte, Pinot und der Spanier Mikel Landa fuhren schneller nach Foix Prat d'Albis. „Es lief wieder sehr gut. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden“, sagte Buchmann in der ARD. In der Gesamtwertung liegt Buchmann derzeit auf Rang sechs, sein Rückstand auf Alaphilippe beträgt 2:14 Minuten. Am Sonntag ließen die Favoriten eine Gruppe ziehen, der neben einigen starken Bergfahrern auch der Deutsche Simon Geschke angehörte. Der 33 Jahre alte Berliner fuhr mit Tagessieger Yates bis in den Schlussanstieg, wurde dann aber abgehängt.

Im Gelben Trikot bleibt auch nach den schweren Pyrenäen-Teilstücken weiter Frankreichs Publikumsliebling  Julian Alaphilippe, der plötzlich auch im Hochgebirge zur absoluten Elite zählt - am Sonntag aber auf Buchmann und weitere Top-Fahrer fast eine Minute Zeit verlor.

Buchmann glänzte schon am Tourmalet

Buchmann, dieser schüchtern wirkende Bursche, hatte sich schon tags zuvor im Finale am Tormalet die Gegner ausgeguckt wie ein Preisboxer, der überlegt, ob er jetzt lieber einen Leberhaken setzen, die Kinnspitze anvisieren oder die Luft aus dem Brustkorb schlagen soll. „Ich habe mich noch recht frisch gefühlt, die anderen wirkten etwas müde, da habe ich es einfach probiert“, sagte er dem Tagesspiegel. Geschaut hat er vorher, wie sich die Rivalen verhalten, wie sie treten, wie sie atmen, wie sehr der Oberkörper pendelt. „Man achtet einfach darauf, wie sie sich auf dem Rad bewegen“, sagt Buchmann, und in diesem Moment tritt in seine Augen tatsächlich ein Killerblick

Buchmann ist kein Mitfahrer mehr, sondern ein Gestalter, ein Protagonist. „Er kann noch weit kommen bei dieser Tour. Ich glaube, er wird bis zum Ende vorne mit dabei sein“, sagt sein Teamkollege Gregor Mühlberger. Mühlberger hatte Buchmann über Funk angefeuert. Auch nach dem verletzungsbedingten Ausfall des Berliners Maximilian Schachmann ist die Stimmung glänzend im Team, weil der Berg-Kapitän eben nachlegt.

Buchmanns Antritt, der Thomas 30 Sekunden verlieren ließ, war allerdings nur einer der zahlreichen Akzente, die diese 14. Etappe zu einem Radsportfest machten, und die auch die Hoffnung erweckten, dass es weiter spannend bleibt. „Movistar machte am vorletzten Berg das Rennen so hart, dass alle dachten, da ist schon das Etappenziel“, meinte George Bennett. Der Neuseeländer, Edelhelfer für den Niederländer Steven Kruijswijk, überlebte nicht nur den Parforceritt von Movistar. Er legte am Tourmalet noch eine Schippe drauf. Und als alle dachten, es sei keine Steigerung mehr möglich, beschleunigte noch Gaudu für Pinot.

Alle drei, Pinot, Kruijswijk und Buchmann, waren genau wie der Gesamtführende Julian Alaphilippe am Tourmalet besser als Geraint Thomas. Und auch ihre Helfer, zumindest die von Pinot und Kruijswijk, waren stärker als der Bergzug der Briten. Die sind allerdings noch lange nicht aus dem Rennen. Ihre Co-Kapitäne Thomas und Bernal lagen nach dam Tourmalet auf den Plätzen zwei und vier, knapp vor Buchmann und dem zeitgleichen Pinot, Kruijswijk platzierte sich zwischen Thomas und Bernal. Aber sie haben echte Rivalen bekommen. Das ist das Schöne an dieser Tour. (mit dpa)

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