Traber-Derby in Mariendorf : Die Dominanz des Paul Hagoort

Kaum jemand besitzt so viele Kenntnisse über den Trabrennsport wie der Holländer Paul Hagoort. Davon will er jetzt in Mariendorf profitieren.

Heiko Lingk
Trainer Paul Hagoort in Mariendorf.
Trainer Paul Hagoort in Mariendorf.Foto: imago/Marius Schwarz

Wenn man Paul Hagoort zum ersten Mal auf seiner Traber-Ranch im Norden der Niederlande besucht, dann fällt es einem gar nicht so leicht, die korrekte Route dorthin zu finden. Denn auf Leute, die man nach dem genauen Weg fragen könnte, trifft man in dem dünn besiedelten Landstrich kaum, und nur ganz vereinzelt tauchen die Silhouetten von Wohnhäusern zwischen den langgestreckten Feldern und Wiesen auf. Statt Menschen sind in dieser Gegend jede Menge Vierbeiner zu sehen – Kühe, Schafe, Ziegen. Aber spätestens wenn man Pferdekoppeln entdeckt, ist klar, dass die Richtung stimmt. Und falls man dann auch noch das Glück hat, Hagoort, der ständig Trainingsrunden mit den Trabern dreht und die Hälfte seines Lebens im Sulky verbringt, in seiner eher kärglichen Stallstube anzutreffen, gibt es viel Wissenswertes zu erfahren.

Kaum jemand besitzt so viele Kenntnisse über den Trabrennsport wie der 40-jährige Holländer, der körperlich von riesiger Gestalt ist. Außerdem ist nahezu niemand so erfolgreich wie er. Und das nicht nur in seiner Heimat, sondern in ganz Europa. Mit seinen Pferden, die er im Rennen fast immer seinem Landsmann Robin Bakker anvertraut, gewann Hagoort nicht nur viele hoch dotierte Prüfungen in Paris-Vincennes, dem berühmtesten Hippodrom des Kontinents. Sondern auch die Mariendorfer Trabrennbahn ist für ihn ein zweites Zuhause geworden. Hier triumphierte Hagoort mit seinen Schützlingen zwischen 2009 und 2017 fünf Mal im Derby und zuletzt drei Jahre in Folge.

Die Qual der Wahl

Wie groß die Dominanz ist, zeigte sich am vergangenen Wochenende beim Auftakt des Mariendorfer Meetings. Drei Pferde hatte Hagoort mit Bakker in die Derby-Vorläufe geschickt. Zwei Siege und ein zweiter Platz waren das Resultat. Für das am Sonntag um 18 Uhr stattfindende und mit 216.000 Euro dotierte Finale stand das Team vor der Qual der Wahl. Bakker hat sich nun für den Hengst Mister F Daag entschieden, während Boxennachbar Ids Boko von dem ebenfalls sehr erfolgreichen Holländer Rick Ebbinge gesteuert wird.

Hinsichtlich des dritten Pferdes, des Hengstes Charmeur Royal, zeigten die Oranjes eine noble Geste. „Er wird vom Weltmeister gefahren“, verkündete Robin Bakker vor versammeltem Publikum lautstark. Und mit dieser Bezeichnung meinte der Niederländer niemand anderen als den Deutschen Heinz Wewering, der nach wie vor als Legende gilt, obwohl er in diesem Jahr keinen eigenen Starter besaß und auf die fremde Hilfe angewiesen war.

Nicht nur in dem schon seit 1895 ausgetragenen Derby, sondern auch in dem mit 92 000 Euro dotierten Stuten-Lauf, der bereits am Samstag in Mariendorf stattfindet, ist das Gespann Hagoort/Bakker favorisiert. Doch welchen Hintergrund hat die sensationelle Erfolgsserie? Sind es nur die fantastischen äußeren Gegebenheiten, die auf Hagoorts Ranch herrschen? Oder spielt seine Strategie eine Rolle, in Ländern wie Frankreich Unterbringungsmöglichkeiten für seine Pferde zu finden, während die deutschen Trainer zumeist weite Transportwege in Kauf nehmen – ein Handicap, das für Traber überaus strapaziös ist. Paul Hagoort sagt: „Die holländischen Besitzer sind unglaublich leidenschaftlich – sie lieben ihre Pferde und ihr Hobby über alles. Obwohl die Rennen in meiner Heimat nur gering dotiert sind, investieren sie stets in beste Abstammungen. Und das zahlt sich aus.“

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