Trainer der Eisbären Berlin : Serge Aubin nimmt seine Spieler in die Pflicht

Bei den Eisbären Berlin häuften sich zuletzt die Unkonzentriertheiten. Trainer Serge Aubin will das nicht länger dulden und wählt deutliche Worte.

Die Eisbären James Sheppard (l.) und Torwart Maximilian Franzreb sind am Boden zerstört, während die Kölner den Siegtreffer von Lucas Dumont feiern.
Die Eisbären James Sheppard (l.) und Torwart Maximilian Franzreb sind am Boden zerstört, während die Kölner den Siegtreffer von...Foto: dpa

Serge Aubin war sauer, richtig sauer. „Du gewinnst kein Spiel in der Deutschen Eishockey-Liga, wenn du nur 25 oder 32 Minuten spielst. Das funktioniert einfach nicht“, sagte der Trainer der Eisbären nach dem 4:5 nach Verlängerung am Freitag in der heimischen Arena am Ostbahnhof gegen die Kölner Haie. Dazu setzte er ein ernstes Gesicht auf und weil er gerade so schön in Fahrt war, legte er noch nach: „Es ist Zeit, daraus zu lernen. Genug ist genug. Wir müssen 60 Minuten spielen, und jeder muss mit an Bord sein – denn diesmal waren nicht alle an Bord.“

Dass die Eisbären nach einer über weite Strecken fahrigen Leistung sogar noch einen Punkt holten, lag an einer Energieleistung in den letzten zehn Minuten der regulären Spielzeit. Plötzlich schnürten sie den zuvor ziemlich abgezockten Gegner in dessen Drittel ein und spielten sich Chance um Chance heraus. Und so machten die Berliner aus einem 1:4-Rückstand zwischen der 53. und 57. Minute tatsächlich noch ein 4:4. „Da haben sich die Jungs auf einmal entschieden, an die Arbeit zu gehen und schnell zu spielen“, sagte Aubin. Sogar der Sieg war möglich, die Eisbären hatten sich in einen Rausch gespielt und Köln in den Seilen. Dass die Haie ihre einzige wirkliche Gelegenheit in der Verlängerung zum 5:4-Erfolg verwerteten, war dann fast schon tragisch für die Berliner.

Am Sonntag treten die Eisbären in Schwenningen an

Andererseits hätte eine letztlich gewinnbringende Aufholjagd möglicherweise den Blick auf das Wesentliche verstellt. Denn in den jüngsten Spielen hatten die Eisbären wiederholt erstaunliche Konzentrationsmängel an den Tag gelegt. Beim 3:7 in Mannheim vor zwei Wochen ließen sie sich im zweiten Drittel an die Wand spielen, zuhause gegen Wolfsburg am vergangenen Sonntag (5:6 nach Penaltyschießen) wurde sehr lässig verteidigt und nun folgte ein insbesondere zwischen der 10. und 50. Minute ziemlich fehlerträchtiger Auftritt gegen Köln.

Die eklatanten Leistungsschwankungen waren in der Ära vor Serge Aubin häufig ein großes Problem. Viele Spieler ruhten sich zu oft auf ihren Erfolgen aus und waren nur bedingt dazu bereit, stets und ständig alles abzurufen. Unter Aubin wirken die Berliner bislang stabiler – und vor allem engagierter. Doch mit dem Sprung auf Tabellenplatz vier ist offenbar der alte Schlendrian zumindest zeitweise in die Köpfe zurückgekehrt.

Aubin macht bisher allerdings nicht den Fehler, die Dinge schön zu reden. Deshalb sollte seine Mannschaft im Spiel am Sonntagabend bei den Schwenninger Wild Wings (19 Uhr/Magentasport) wieder ein anderes Gesicht zeigen, zumal die Eisbären in dieser Saison nach durchwachsenen Leistungen oft schnell wieder die Kurve gekriegt haben. „Wir werden sicher bereit sein“, versprach dann auch Stürmer James Sheppard.

Und bisher haben die Berliner auswärts nur am zweiten Spieltag gegen einen Gegner verloren, der in der Tabelle hinter ihnen stand. Insgesamt ist ihnen das überhaupt nur dreimal in dieser Saison passiert – zuletzt allerdings hintereinander zuhause gegen Wolfsburg und Köln. Auch damit die Ausnahme nicht zur Regel wird, ist Serge Aubin am Freitag wohl etwas deutlicher geworden. Jetzt müssen seine Spieler die richtige Reaktion zeigen.

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