• Trainer Setién nach sieben Monaten entlassen: Josep Bartomeu ruiniert den FC Barcelona
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Trainer Setién nach sieben Monaten entlassen : Josep Bartomeu ruiniert den FC Barcelona

Trainer Quique Setién muss nach dem 2:8-Debakel gegen Bayern München gehen. Das größte Problem des FC Barcelona aber ist Präsident Bartomeu. Ein Kommentar.

Falscher Mann, falscher Weg. Josep Maria Bartomeu bei einem Treffen in der Klubzentrale am Montag.
Falscher Mann, falscher Weg. Josep Maria Bartomeu bei einem Treffen in der Klubzentrale am Montag.Foto: Albert Gea/Reuters

Der Mythos ist zerstört, jetzt soll ein neuer Trainer den FC Barcelona wieder aufrichten. Präsident Josep Bartomeu wirft Quique Setién nach sieben Monaten raus, das hat der Verein am Montagabend erwartungsgemäß bekannt gegeben. Als Nachfolger wird nun Ronald Koeman gehandelt, derzeit Coach der holländischen Nationalmannschaft und von 1989 bis 1995 Spieler bei Barça. Wird der katalanische Klub nun bald wieder glänzen, kehrt die genialische Aura zurück, die beim 2:8 gegen die Bayern am Freitag endgültig zerstob?

Die Antwort klingt in der Sprache der Katalanen noch endzeitiger als im Deutschen: no del tot, mitnichten. Selbst wenn Messi bleibt und nicht diesen Sommer voller Wut den Verein seines Lebens verlässt.

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Barça muss sich neu erfinden, um den alten Glamour wiederzubeleben. Nach dem Debakel in der Champions League forderte Innenverteidiger Gerard Piqué eine Veränderung der „ganzen Struktur“. Piqué, 33 Jahre alt und seit 2008 in der Mannschaft, bot sogar seinen Abgang an, „wenn wir frisches Blut brauchen“. Gemeint waren allerdings nicht nur ein neuer Trainer und jüngere Spieler, sondern ein Umbruch im Verein.

Piqué nannte keinen Namen, doch jeder weiß, auf wen er zielt. Bartomeu ist der Hauptverantwortliche für das lange Siechtum eines Teams, das einst die Fußballwelt verzückte. Mit diesem Präsidenten wird Barça nicht wieder més que un club.

Bartomeu scheint jedoch für sich einen raschen Abgang auszuschließen. Die Präsidentschaftswahl 2021 könnte, raunt es in Bartomeus Umfeld, um einige Monate vorgezogen werden. Doch Barça braucht den Wandel jetzt und gerade auch an der Spitze des Vereins. Es war Bartomeu, der im Mai 2017 den nur mäßig begabten Ernesto Valverde als Trainer holte und viel zu lange hielt. Mit dem Coach, der oft vergrübelt an der Seitenlinie hockte, verbreitete sich in einem zunehmend überalterten Team das Virus der Lethargie.

Abgang? Lionel Messi könnte DEN Klub seiner Karriere bald verlassen.
Abgang? Lionel Messi könnte DEN Klub seiner Karriere bald verlassen.Foto: Manu Fernandez/AFP

Das legendäre Tiki-Taka verkam oft zum ideenlosen Ballgeschiebe. In der Hoffnung, einer der zahllosen Kurzpässe würde von Messi doch noch zum Solo mit fulminantem Torschuss genutzt. Die magischen Momente gab es auch weiterhin, aber sie wurden immer weniger.

Gegnerische Mannschaften lauern auf einen Fehlkurzpass und überwinden mit blitzschnellem Konter Barças Mittelfeld und Verteidigung. Tun sich hingegen für Barça größere Räume auf, werden sie häufig nicht genutzt. Wie oft haben sich die Fans gewünscht, die Mannschaft würde durchstarten, auch mit einem hohen Ball, anstatt zu versuchen, sich mit den Kurzpässen durch eine vielbeinige Abwehr zu dribbeln. Doch Valverde gab da keinen Impuls.

Bartomeu wollte offenbar keinen starken Trainer

Gerade bei Auswärtsspielen hatte Barça oft nur die Power einer halbleeren Autobatterie. Und so folgten in der Champions League schmerzhafte K.O.-Niederlagen gegen energische Teams. 2018 das 0:3 gegen AS Rom, 2019 das 0:4 gegen Liverpool.

Im Januar 2020 warf Bartomeu endlich Valverde raus – und holte Quique Setién, der beim mittelmäßigen Erstligaverein Betis Sevilla gescheitert war. Bartomeu wollte offenbar keinen starken Trainer, vielleicht aus Angst vor dem Verlust präsidialer Autorität. Das Ergebnis ist bekannt: eine Saison ohne Titel und zum Abschluss ein historisches Desaster.

Womöglich erträgt Bartomeu auch keinen extrem populären Spieler wie Messi. Im Februar kochte die Barça-Gate-Affäre hoch. Der Verein hatte mit der Agentur „13 Ventures“ kooperiert, die in sozialen Medien üble Gerüchte über Messi verbreitete. Bartomeu behauptete, er habe damit nichts zu tun. Dass Messi ihm glaubt, ist zweifelhaft. Und jetzt könnte es dem Argentinier endgültig reichen.

Messis Abgang für eine Megasumme würde Bartomeu indes helfen, die nach teuren Fehlkäufen leeren Kassen zu füllen. Doch Barça hat mit Messi trotz seiner 33 Jahre immer noch mehr Chancen auf eine Renaissance als ohne ihn. Wenn einer gehen sollte, dann der Präsident.

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