Gesundheitliche Probleme vom Tor bis zur Sturmspitze

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Update
Trainingslager in Südtirol : Ein WM-Kader aus verletzten Stammspielern

Sami Khedira ist die mit Abstand sensibelste Personalie. Von seiner Einsatzfähigkeit und Turniertauglichkeit hängen im hohen Maße weiterführende personelle Überlegungen ab. Etwa die, ob Lahm doch eher im zentralen Mittelfeld spielen muss. Dann würde der Platz rechts in der Abwehrkette vakant werden, was wiederum Einfluss auf die Besetzung der Innenverteidigung hätte. Selbst wenn Khedira seine Position beziehen könnte, bliebe die Frage nach seinem Nebenmann. Hier wird mit Bastian Schweinsteiger geplant, doch der Münchner plagt sich mit einer Entzündung im Knie herum. Gestern konnte der 29-Jährige nicht am Mannschaftstraining teilnehmen, er absolvierte eine individuelle Laufeinheit.

Nimmt man den ewigen Miroslav Klose (fast 36 Jahre alt, 131 Länderspiele) hinzu, der im zurückliegenden halben Jahr wegen zahlreicher Verletzungen nur selten zu Einsätzen für Lazio Rom kam, dann sind alle Mannschaftsteile betroffen von der allgemeinen Unwucht. Sie zieht sich zentral durch die Mannschaft vom Tor bis zur Sturmspitze, weshalb auch schon das Bild vom Achsenbruch die Runde macht.

Am Freitag wurde außerdem bekannt, dass Lars Bender nicht an der Fußball-WM teilnehmen kann. Der Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen muss wegen einer Oberschenkelverletzung auf das Turnier in Brasilien verzichten, und hatte wegen der Blessur bereits das Länderspiel gegen Polen (0:0) am 13. Mai verpasst. Bender wäre im Defensivbereich auf mehreren Positionen einsetzbar gewesen. Bei der EM 2012 war er auch als rechter Verteidiger zum Einsatz gekommen.

Die Realität schlägt die Theorie

Ohne Frage, die momentane Situation ist lästig, mindestens. Zwar gab es vor jedem Turnier, das Löw als Bundestrainer seit 2008 zu verantwortet hat, gesundheitliche Probleme bei einigen Spielern, doch noch nie waren so viele Erste-Elf-Spieler betroffen. „Wir brauchen bei der WM die besten verfügbaren Spieler, nicht die theoretisch besten“, hatte Löw Anfang März gesagt und er schloss seinen kleinen Vortrag mit der Bemerkung: „Bei der Weltmeisterschaft gilt: Die Realität schlägt die Theorie.“

Noch ist nicht WM, aber sie wird sehr bald Realität sein. Theoretisch kann sich bis dahin noch vieles zum Guten wenden. zur Not muss Löw rigoros seine März-Vorgabe umsetzen. Der Bundestrainer ist bei all seinem Grundvertrauen in die Genesung seiner angeschlagenen Spieler auf Nummer sicher gegangen. So hat er Marc-André ter Stegen schon mal in Alarmbereitschaft versetzt. Der Torwart möge sich bereithalten und seinen geplanten Urlaub stornieren. Auch das könnte sich als glänzende Idee erweisen.

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