Sport : Traum von Moskau

Friedrichshafens Volleyballer begeistern in Europa

Karsten Doneck

Berlin - Stefan Mau ging der Aufforderung recht lustlos nach. Da hatte der europäische Volleyball-Verband vor über einer Woche den VfB Friedrichshafen gebeten, so langsam mal die Visa zu beantragen für das Final Four der Champions League in Moskau. Mau, der Manager des Deutschen Meisters, blockte ab. „Wisst Ihr denn nicht, gegen wen wir jetzt im Viertelfinale spielen müssen?“, fragte er rein rhetorisch zurück. Sisley Treviso heißt dieser Kontrahent – und die Chancen auf den Einzug ins Vierer-Endturnier tendierten gegen diese italienische Ausnahmemannschaft gegen null.

Seit Donnerstagmorgen aber kümmert sich Mau intensiv um die Visabeschaffung. Mit dem sensationellen 3:0 (25:20, 25:21, 25:21) gegen Titelverteidiger Sisley Treviso am Abend zuvor in eigener Halle rückten die Friedrichshafener dem Endturnier in Moskau einen Riesenschritt näher. Noch zehn Minuten nach dem Matchball stand Stelian Moculescu, der VfB-Trainer, fassungslos am Spielfeldrand. Und mahnte Hilfe an. „Kann mir mal einer erklären, was hier eben passiert ist?“, stammelte Moculescu. Stefan Mau fand nach einem denkwürdigen Volleyballspiel als Erster zu einer klaren Analyse: „Wir haben gut und risikoreich aufgeschlagen, außerdem hat sich auch unser Zuspieler Simon Tischer wieder berappelt. Der war ja nach der WM in Japan in ein kleines Leistungsloch gefallen.“

Am kommenden Dienstag findet in Treviso das Rückspiel statt. Allzu sicher fühlt sich der VfB trotz des klaren Vorsprungs nicht. „In Treviso auch nur einen einzigen Satz zu gewinnen, wird verdammt schwer“, sagt Nationalspieler Jochen Schöps. Wobei auch ein 0:3 mit mehr als 62 eigenen Punkten zum Weiterkommen reicht. Dann würde Friedrichshafen zum dritten Mal nach 1999 und 2002 ins Final Four der Champions League einziehen. Platz zwei war bis jetzt dort das Maximum, an ein Mehr wagt aktuell noch keiner zu denken. Was nichts heißt. Denn ein 3:0 gegen Sisley Treviso lag bei Friedrichshafen bisher ja auch außerhalb aller Vorstellungskraft.

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