• Überraschende Niederlage: Argentinien-Niederlage: Das System Messi ist gescheitert

Überraschende Niederlage : Argentinien-Niederlage: Das System Messi ist gescheitert

Ein Messi alleine reicht nicht: Warum der Sieggarant der argentinischen Nationalmannschaft zum Verhängnis wurde. Ein Kommentar.

Zeit zu gehen?
Zeit zu gehen?Foto: AFP PHOTO / Kirill KUDRYAVTSEV

Ach, Argentinien... Gesegnet mit den besten Fußballspielern der Welt, mit dem Jahrhunderttalent Lionel Messi, mit Sergio Aguero, Paulo Dybala, Gonzalo Higuain und wie sie alle heißen. Dazu wähnt sich die Nation seit dem Pontifikat des aus Buenos Aires stammenden Papstes Franziskus auch noch unter göttlichem Schutz, aber was hilft es? Bei der Weltmeisterschaft in Russland steht die Seleccion vor einem Debakel. Nach dem 0:3 am Donnerstag gegen Kroatien spricht einiges dafür, dass für den zweimaligen Weltmeister schon nach der Vorrunde Schluss ist.

Der Sieg der Kroaten mag in der Höhe überraschen, aber er fiel ihnen gar nicht so schwer. Sie mussten sich nur darauf konzentrieren, Lionel Messi aus dem Spiel zu nehmen. Ihn immer zwei oder drei Spielern zu umzingeln, wenn der Ball in seine Nähe kam. Das kostet Kraft und zeitigt doch zuverlässig Erfolg, die Isländer hatten es beim 1:1 im ersten Spiel vorgemacht.  

Das System Messi ist gescheitert. Der Versuch, auf dem Rasen alles auf einen auszurichten und all die anderen Hochbegabten zu Dienern zu degradieren. So hat das 1986 in Mexiko funktioniert, als Diego Maradona sein Land ganz allein zum Gewinn der Weltmeisterschaft führte, mit seinem begnadeten linken Fuß und einmal auch mit der Hand. Wie Maradona ist auch Messi eine Ausnahmeerscheinung, im Alltag beim FC Barcelona der vielleicht beste Spieler der Welt. Doch in der Nationalmannschaft fehlt ihm das Korrektiv, das er in Barcelona hat. Selbstbewusste Persönlichkeiten wie Gerard Piqué, Andres Iniesta oder Luis Suarez, die Messis Führungsanspruch akzeptieren, sich aber nicht bedingungslos unterordnen du sich im Spiel so weit einbringen. Kein Gegner des FC Barcelona kann es sich erlauben, alle Aufmerksamkeit für Messi zu reservieren.  

Aus eigener Kraft dürfte es Argentinien nicht mehr ins Achtelfinale schaffen. Es ist Zeit für eine Zäsur. Messi selbst wird sie einleiten mit seinem allgemein erwarteten Rücktritt aus der Nationalmannschaft, den er ja schon mal verkündet und dann auf Flehen der Nation wieder zurückgenommen hatte. Argentinien wird ihn vermissen und mittelfristig doch profitieren. Auf dass all das zurzeit nutzlos um ihn versammelte Talent sich endlich entfalten kann.

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