Uefa-Cup : Bremen und Leverkusen polieren Bundesliga-Bilanz auf

Zwei deutsche Klubs im Uefa-Cup-Viertelfinale - das hat es seit zwölf Jahren nicht mehr gegeben. Die deutschen Erfolge sichern der Bundesliga zudem den begehrten fünften Platz in der Uefa-Fünf-Jahres-Wertung.

Bremen/Leverkusen - Werder Bremen feierte A-Jugendspieler Kevin Schindler als Matchwinner, Bayer Leverkusen die Rückkehr des Spaßfußballs. Nach dem gemeinsamen Einzug ins Viertelfinale will das Bundesliga-Duo im Uefa-Pokal auch weiter für Furore sorgen. "Jetzt haben wir Blut geleckt", gab Bayers Sportdirektor Rudi Völler nach der 3:0-Gala gegen den französischen Vertreter RC Lens zu. Der 18-jährige Schindler brachte den kriselnden SV Werder als Impulsgeber beim 2:0 gegen Celta de Vigo auf den Erfolgsweg. "Wir haben auf eine Initialzündung gewartet. Mit Kevin wurde das anders, ihn haben wir heute gebraucht", lobte Per Mertesacker den Youngster im Bremer Team.

Mit ihren Siegen festigten Werder und Bayer für den deutschen Fußball nicht nur den fünften Platz in der Fünf-Jahres-Wertung der Uefa vor Portugal, sie sorgten zugleich für die beste DFB-Bilanz in diesem Wettbewerb seit zwölf Jahren. 1995 hatten mit Eintracht Frankfurt, Borussia Dortmund und Leverkusen sogar drei Bundesliga-Vereine in der Runde der letzten Acht gestanden. Für die Auslosung des Viertel- und Halbfinales an diesem Freitag im Endspielort Glasgow äußerte Werders Sportdirektor Klaus Allofs vor allem einen Wunsch: "Jetzt bloß nicht gegen Leverkusen." In Erinnerung an das 0:1 gegen die Engländer in der Gruppenphase meinte Völler zum kommenden Gegner: "Alles außer Tottenham."

Schindler beflügelt Werder

Im Weserstadion war Schindler der Star des Abends. Der Stürmer nutzte das Fehlen des verletzten WM-Torschützenkönigs Miroslav Klose eindrucksvoll, riss die Profis mit seinem Schwung mit und bereitete mit einer herrlichen Flanke das 1:0 durch Hugo Almeida (48.) vor. Danach drehte Werder für 20 Minuten auf und hätte mehr als den zweiten Treffer durch Clemens Fritz (61.) schaffen können. Schindler konnte sein Glück kaum fassen. "Bei den Topstars mitzuspielen, das ist sensationell", sprudelte es aus dem Nachwuchsmann heraus, der seit acht Jahren in der Werder-Jugend spielt.

Bezeichnend ist aber, dass Werder derzeit die Unbekümmertheit eines Jugendlichen benötigt, um nach einer erschreckend schlechten ersten Halbzeit wie verwandelt aufzutreten. Der Druck scheint enorm, die Krise auch nach zuletzt drei Siegen und einem Unentschieden noch nicht vollends verarbeitet. "Wir sind auf dem Weg zurück zur Leichtigkeit noch nicht angekommen", kommentierte Trainer Thomas Schaaf. "Wir bemühen uns, unsere Stärke zurückzufinden."

Völler schwärmt für Schneider

Was Schindler für Werder, war Bernd Schneider für Bayer. "Es wird immer über Podolski, Schweinsteiger oder Ballack geredet", monierte Völler. "In Deutschland ist aber vergessen, dass es einen Bernd Schneider gibt." Der 33 Jahre alte Nationalspieler, seit Wochen Wegbereiter der Erfolgsserie des Werksclubs, glänzte auch in seinem 65. Europacup-Spiel als genialer Vorbereiter. "Er ist ja schon in Normalform Weltklasse, aber jetzt spielt er noch eine Stufe drüber", schwärmte sein Mittelfeld-Partner Tranquillo Barnetta.

Von Schneiders Ideen profitiert vor allem Andrej Woronin, der zuletzt über zu wenige Vorlagen seines Kollegen geklagt hatte. Der Ukrainer erzielte nach einem Traumpass von Schneider das Führungstor (36.) und bereitete die weiteren Treffer durch Sergej Barbarez (55.) und Juan (70.) vor. "Wenn wir so weiter spielen und hinten gut stehen, könnte alles passieren", sagte Woronin, der am Ende der Saison zum FC Liverpool wechselt und gern im Uefa-Pokal-Finale am 16. Mai in Glasgow seinen Abschied geben würde.

Dort hatte Bayer vor fünf Jahren im Champions-League-Endspiel gegen Real Madrid (1:2) gestanden. "Vielleicht ist das ein gutes Omen", hofft Simon Rolfes. Auf die Euphorie-Bremse trat hingegen Völler, der vor allem das Erreichen eines Uefa-Cup-Platzes für 2007/08 und das Bundesliga-Heimspiel am Sonntag gegen Borussia Mönchengladbach im Visier hat. "Jetzt wollen wir erstmal gegen Gladbach gewinnen", meinte der 46-Jährige. (tso/dpa)

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