Umgang mit dem Coronavirus : Der Sport kann, soll, muss jetzt solidarisch sein

Die Fußballfunktionäre haben sich im Umgang mit der Coronavirus-Krise blamiert. Dabei gibt es durchaus Beispiele, für Solidarität im Sport.

Der italienische Spitzenklub Juventus Turin um Sami Khedira (r.) spendete Geld an Krankenhäuser in der Region.
Der italienische Spitzenklub Juventus Turin um Sami Khedira (r.) spendete Geld an Krankenhäuser in der Region.Foto: REUTERS

Liebe Leute, unser Blick auf die nächsten sieben Tage? Ganz ehrlich? Es gibt derzeit Wichtigeres als den Sport. Das steht ganz klar fest. Was hoffentlich trotzdem allen in Erinnerung bleiben wird, auch nach diesen Tagen, in denen das öffentliche Leben auf der ganzen Welt entschleunigt werden sollte und Menschenansammlungen vermieden, ist die unglaubliche Haltung der deutschen Fußballfunktionäre in diesen Zeiten.

Hässlicher kann eine Fratze nicht sein. Entlarvender auch nicht. Wer es bis heute noch nicht wusste: Es geht ihnen ums Geld. Und das bis ums Verrecken. Da gehen sie anscheinend über Leichen. Die Fußball-Bundesliga ist es gewesen, die sich weltweit als letzte bedeutende Institution bis zum Umfallen dagegen stemmte, ihren Spielbetrieb unverzüglich einzustellen.

Juventus Turin spendet Geld für Krankenhäuser

Die es auf die anmaßendste Art und Weise verpasste, als leuchtendes Beispiel für eine ganze Gesellschaft voranzugehen und Haltung zu zeigen. Die jegliches Verantwortungsgefühl vermissen ließ. Ihre Wortführer – Menschen, die Rolexuhren nicht verzollen und aus dem Grundgesetz zitieren – sollten hiermit mit einem sehr langen Stadionverbot belegt werden.

Der heutige Sonntag ist anders als alle anderen zuvor, in den nächsten sieben Tagen und lange darüber hinaus wird es im Sport nicht mehr um Ergebnisse gehen. Es findet auf der ganzen Erdkugel kaum ein Spiel statt, die Wettkämpfe ruhen, Spielerinnen und Athletinnen und Spieler und Athleten werden nicht länger die Helden sein. Sie sind eine kleine Gruppe der Weltbevölkerung, die ihren Teil dazu beiträgt, dass sich ein Virus verlangsamt verbreitet.

Es geht in den nächsten sieben Tagen und lange darüber hinaus auch im Sport nun vor allem um die Absicherung. Um Einnahmeverluste und Verdienstausfälle, um Arbeitsplätze von all den Menschen, die diesen Heldentaten ihren Rahmen geben. Von Kartenabreißern, Putzkräften, Serviceleuten, Ordnern, Technikern.

Es wird darum gehen, eine Solidargemeinschaft zu formen und sich gegenseitig zu unterstützen. Es wird darum gehen, sich der aktuellen Situation zu stellen und zu handeln. Es wird darum gehen, niemanden zu vergessen. Es wird auch darum gehen, diejenigen, die das bisher nicht verstanden haben, zu sensibilisieren und mitzunehmen.

Hintergründe über das Coronavirus:

Von ersten Aktionen war schon aus Nordamerika zu hören. Die Basketballer der Golden State Warriors stellen eine Million US-Dollar bereit, um das Hallen-Personal während der veranstaltungsfreien Zeit finanziell zu unterstützen. Die Fußballer von Juventus Turin riefen auf zum Zusammenhalt und spendeten Geld für Krankenhäuser in der Region Piemonte. „Junge Menschen helfen älteren, die gesunden den kranken“, sagte Sami Khedira.

Seine Kollegen von Arminia Bielefeld spendeten das Stadionessen vom ausgefallenen Freitagsspiel der Heilsarmee, der Internetstream Magentasport erstattet Abonnenten zunächst einen Monat. Die Fußball-Bundesliga sorgte sich vorrangig zunächst weiter um sich selbst.

In den nächsten sieben Tagen und lange darüber hinaus ist nicht davon auszugehen, dass die Fans das Interesse am Sport verlieren. Das Unerklärliche, die Magie, sie wird sie auch nach der überstandenen Krise wieder in die Arenen ziehen und der Begeisterungsschrei beim nächsten Anpfiff wird vermutlich nie lauter gewesen sein. In diesen Tagen wäre die Ablenkung, die der Sport in seiner schönsten Form bietet, zwar wünschenswerter denn je.

In diesen Zeiten sind unsere Helden aber auch nur ganz gewöhnliche Menschen – und „keine Affen im Zirkus“, wie der Fußballtorhüter Rafal Gikiewicz vom 1. FC Union es schrieb. Das sollten Dompteure wie Karl-Heinz Rummenigge nun bitte auch schleunigst mal verstehen.

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