Umstrittener Union-Sponsor : Die Bundesliga hat ihren Preis

Wer in der Bundesliga mitspielen will wie Union, der braucht Geld. Aber natürlich gibt es Grenzen. Ein Kommentar zur Diskussion um den neuen Hauptsponsor.

So ein Aufstieg kostet Geld. Was trägt Ritter Keule künftig auf der Brust?
So ein Aufstieg kostet Geld. Was trägt Ritter Keule künftig auf der Brust?Foto: Andreas Gora/dpa

Der Fall ist einfach. Der 1. FC Union braucht Geld für seine Zukunft in der Fußball-Bundesliga. Viel Geld, um eine konkurrenzfähige Mannschaft aufzustellen. Und Geld bekommt ein Klub im Profifußball vor allem über Sponsoren. Aber so viel Zaster haben im Lande eben nicht nur Unternehmen, die moralisch über jeden Zweifel erhaben sind. In die Kategorie umstrittener Firmen fällt wohl auch der Immobilienkonzern mit Firmensitz Luxemburg, der die Köpenicker nun als Haupt- und Brustsponsor unterstützen soll.

Die Fanseele kocht nämlich seit Bekanntwerden des Deals. Der coole Kultklub aus Köpenick mit einem Immobilienhai als Hauptsponsor auf der Brust. Das geht nach Meinung der Anhänger natürlich nicht.

Beim 1. FC Union sind die Anhänger näher dran als andernorts, das betonen Anhang und Klub auch immer wieder. Insofern darf die Reaktion auf den neuen Sponsor nicht überraschen. Aber in wie weit haben Anhänger überhaupt das Recht, sich in wirtschaftliche Belange ihres Lieblingsvereins einzumischen. Weiter gedacht: Könnte künftig bei jedem Transfer der Berliner darüber diskutiert werden, ob Spieler X nun Summe Y oder Z als Gehalt verdienen soll.

Zu viel Mitsprache und Diskussion würde ein hierarchisch strukturiertes Unternehmen – und das ist auch Union – ruinieren. Es sollte klar sein, bei aller Liebe, dass sich Union im Milliardengeschäft Profifußball bewegt. Der Klub braucht Geld, um da mitzuspielen. Das wird ihm allein mit Eintrittsgeldern, die Preise wurden ja nun trotz des Aufstieges nicht erhöht, nicht gelingen. Kein Profi kommt wegen der guten Stullen in die Vereinskneipe.

Natürlich gibt es Grenzen, in jedem Geschäft. Im Falle des Immobilienkonzerns lässt sich die Moralkeule schwingen. Ein Klub kann nicht einerseits behaupten, für Ehrlichkeit zu stehen, sich aber andererseits dafür von Unternehmen bezahlen lassen, deren Bild in der Öffentlichkeit eben dem nicht entspricht. Das passt nicht zusammen.

Union Berlin darf seine Seele nicht an jeden verkaufen

Der 1. FC Union sollte nun genau überlegen, wie er weiter vorgeht und vielleicht auch mal nach Hamburg schauen. Der FC St. Pauli macht es schon seit Jahren vor. Am Millerntor steigen sie seit Jahren nicht mehr auf, weil sie es nicht um jeden Preis machen wollen - allerdings gab es auch in Hamburg schon mächtig Ärger mit den Fans seitdem der Klub den US-Hersteller "Under Armour" als Ausrüster hat.

Wenn der 1. FC Union sich treu bleiben will, dann darf er seine Seele eben nicht an jeden verkaufen und muss in Kauf nehmen, dass er anders spielt als die 17 Konkurrenten in der Bundesliga, zur Not mit blanker Brust, aber mit viel Herz und in dem Wissen, dass die Teilnahme an der Bundesliga nur ein Ausflug von kurzer Dauer ist. Eine Meinung könnte sein: Lieber ehrenvoll absteigen als unehrenhaft den Klassenerhalt schaffen.

Wer aber in der Bundesliga mitspielen will wie der 1. FC Union, der muss einen Preis bezahlen. Das sollten die akzeptieren, die Erstligafußball im Stadion An der Alten Försterei sehen wollen.

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