Umstrittener Videobeweis in Bielefeld : Warum die neue Handspiel-Regel nicht weiterhilft

Eine Elfmetersituation beim Zweitliga-Spiel in Bielefeld zeigt, dass der Graubereich in puncto Handspiel weiterhin viel zu groß ist. Ein Kommentar.

Zu viel Spielraum. Auch Schiedsrichter Bastian Dankert tut sich mit der Handspiel-Regel schwer.
Zu viel Spielraum. Auch Schiedsrichter Bastian Dankert tut sich mit der Handspiel-Regel schwer.Foto: Friso Gentsch/dpa

Fabian Klos stand in der Mixed Zone und verstand die Welt nicht mehr. Der Stürmer des Zweitligisten Arminia Bielefeld echauffierte sich über den durch Videobeweis zurückgenommenen Handelfmeter für seine Mannschaft, der ihr womöglich zwei Punkte beim 1:1 gegen den FC St. Pauli am Montagabend klaute. Auch sein Trainer Uwe Neuhaus, bekennender Gegner der neuen Technik, schüttelte nur mit dem Kopf. Doch was war passiert?

Nach einer Bielefelder Flanke in den Strafraum schoss Pauli-Verteidiger Daniel Buballa sich den Ball in der 73. Minute vom Oberschenkel an den linken Arm. Schiedsrichter Bastian Dankert zögerte kurz und zeigte dann auf den Punkt. Bis zur vergangenen Saison wäre die Sache in der Zweiten Liga nun klar gewesen: Elfmeter Bielefeld. Doch der Videoassistent schaltete sich ein und kam mit dem Unparteiischen auf dem Platz zum Schluss, dass kein strafbares Handspiel vorlag. Womit er regeltechnisch völlig richtig lag.

In der neuen Regel, die seit dem 1. Juli im deutschen Profifußball gilt, heißt es, dass kein strafbares Vergehen vorliegt, wenn "der Ball (...) direkt vom Kopf oder Körper (einschließlich des Fußes) des Spielers an dessen Hand/Arm" springt. Somit war die Entscheidung offensichtlich. Und zeigte trotzdem, dass die neuen Regeln, gerade in Bezug auf Handspiel, zu vage gehalten sind.

Das Ziel der internationalen Regelhüter war es, den Fußball einfacher und transparenter zu machen. Der Schiedsrichter soll es einfach haben, Entscheidungen nach außen vertreten zu können. Damit das passiert, sollte der Ermessenspielraum eingeschränkt werden. Doch das ist, das bekräftigte auch DFB-Cheflehrwart Lutz Wagner im Tagesspiegel-Gespräch, nicht geschehen. Denn: Wenn trotz neuer Regelauslegung selbst nach mehrmaliger Studie der Bilder nicht alle Beteiligten zu einem ähnlichen Schluss kommen, ist der Graubereich viel zu groß. Und letztlich hätte es trotz neuer Regeln ohne Hilfe des Videobeweises Elfmeter gegeben.

Zwar ist das Thema Handspiel sicherlich das, bei dem die Diskussionen immer schon am kontroversesten waren und sicherlich am wenigsten zu vermeiden sind. Und trotzdem müssen sich die internationalen Regelhüter des Ifab die Frage stellen, ob dem Schiedsrichter und damit auch dem Videoassistenten mit der Regeländerung geholfen ist. Stand jetzt lautet die klare Antwort: Nein.

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