Unerwartetes Tennis-Comeback : Andy Murray hat die Schmerzen besiegt

Im Januar hatte er seine Karriere unter Tränen beendet. Doch nach einer Hüft-Operation kann Andy Murray wieder lachen – und Tennis spielen.

Andy Murray kann wieder lachen - inzwischen sogar wieder auf dem Tennisplatz.
Andy Murray kann wieder lachen - inzwischen sogar wieder auf dem Tennisplatz.Foto: Reuters

Andy Murray hat in den vergangenen Monaten die Leichtigkeit des Seins entdeckt. Mit den Kindern herumtollen, Golf spielen mit seinem Bruder oder an der Seite von Freunden den Fluchtplan aus einem Escape Room entwickeln – Dinge die für den britischen Tennisstar in der Vergangenheit keine Selbstverständlichkeit waren und für ihn große körperliche Anstrengungen bedeuteten. Noch vor einem halben Jahr erzählte Murray bei den Australian Open in Melbourne, dass er nicht einmal normale Alltagsherausforderungen problemlos meistern würde. „Es wäre schön, wenn ich mir ohne Schmerzen wieder die Schuhe und Socken anziehen könnte“, sagte er damals unter Tränen – und kündigte seinen Rücktritt an.

157 Tage nach seinem vermeintlich letzten Match und einem emotionalen Abschied von Fans und Gegnern ist der mittlerweile 32-Jährige zurück auf der Profi-Tour. Am Donnerstag gab er in der Doppelkonkurrenz beim Turnier im Londoner Queens Club sein Comeback. Zusammen mit dem Spanier Feliciano Lopez besiegte er das an Nummer eins gesetzte kolumbianische Duo Robert Farah und Juan Sebastian Cabal 7:6 und 6:3. „Es war genial, ich habe es wirklich genossen“, sagte Murray der BBC und fügte hinzu: „Am Anfang war ich vielleicht ein bisschen langsam, aber im Laufe des Matches bin ich besser geworden.“ Wichtiger als das Ergebnis war für Murray allerdings etwas anderes: „Ich habe keinerlei Beschwerden an der Hüfte. Nichts.“

Die Hüfte hatte ihn in den vergangenen Jahren täglich gequält. Schon seit langem war der Schotte nicht mehr beschwerdefrei, 2018 ließ er sich erstmals operieren – ohne Erfolg. Die Schmerzen blieben. Den Tennisplatz verließ Murray nach beinahe jedem Match humpelnd und mit verkniffenen Gesichtszügen. Dennoch wollte er lange Zeit nicht aufgeben. Den Kampf gegen den eigenen Körper schien er allerdings nicht gewinnen zu können. Bis er Sarah Muirhead-Allwood kennen lernte. Die Chirurgin ist eine der führenden Spezialistinnen bei der Behandlung von Hüftleiden, so operierte sie in der Vergangenheit beispielsweise schon die Mutter der Königin erfolgreich. Murray war trotzdem skeptisch, denn an den Körper eines Hochleistungssportlers werden ganz andere Anforderungen gestellt.

Was er dann erlebte, bezeichnete er selbst als „lebensverändernd“. Dabei hätte er sich der Operation nicht unterzogen, um irgendwann wieder Tennis zu spielen, wie er in einer Kolumne für die BBC schrieb. Es sei ihm darum gegangen, seine Lebensqualität zu verbessern. Dafür ließ er sich eine Metallplatte in die Hüfte einsetzen, was ein kleines Wunder bewirkte. Murray begann sich wie ein neuer Mensch zu fühlen und da er keine Schmerzen mehr verspürte, griff er irgendwann wieder zum Tennisschläger. Als er ankündigte, in Queens im Doppel anzutreten, war es das beherrschende Thema in der britischen Sportpresse. Auf dem Platz wurde er am Donnerstag nach jedem erfolgreichen Schlag gefeiert, er selbst wirkte auf dem Rasen locker und entspannt – auch wenn er später zugab: „Als wir den Court betraten, war ich schon ein bisschen nervös. Aber du willst ja diese Nervenanspannung und die Schmetterlinge im Bauch. Und das hatte ich.“

In Wimbledon will Murray im Doppel und Mixed antreten

Tatsächlich sieht es nun so aus, als würde Murray beim Wimbledon-Turnier ab dem 1. Juli antreten können – aber nicht, um sich dort endgültig zu verabschieden, wie er es sich vor fünf Monaten in Melbourne noch ohne den rechten Glauben daran gewünscht hatte. Sondern mit der Hoffnung auf einen Neustart der eigentlich schon beendeten Karriere. „Ich werde sehen, wie es läuft. Aber ich bin optimistisch, was die Zukunft angeht“, sagte er. Zunächst einmal bleibt es bei Einsätzen im Doppel, in Wimbledon wird Murray zusammen mit dem erfahrenen Pierre-Hugues Herbert spielen. Der Franzose hat in seiner Karriere bereits bei allen Grand-Slam-Turnieren den Doppeltitel gewonnen. Dazu plant Murray auch einen Start im Mixed.

Was das Einzel betrifft, könnte es noch einige Zeit brauchen, bis Murray zurückkehrt. „Keine Ahnung, wie lange es dauert, wieder ein bestimmtes Level zu erreichen, aber ich hoffe, nicht zu lange“, sagte er. Doch selbst, wenn Murray nie wieder solche Triumphe wie in Wimbledon oder bei Olympia feiert, den härtesten Gegner konnte er außerhalb des Tennisplatzes bezwingen: Andy Murray hat die Schmerzen besiegt. Alles anderes ist für ihn nur noch Zugabe.

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