In himmelblauen Seidenhemden wollte Union den Favoriten bezwingen

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Union gegen St. Pauli : Mit dem Bollerwagen zum Spiel
Jutta Braun René Wiese

Im Sommer 1948 verschärften sich jedoch die Spannungen zwischen der Sowjetischen Militäradministration und den West-Alliierten. Die drei Westmächte bauten ihre Besatzungszonen ohne Rücksicht auf die sowjetische Zone wirtschaftlich auf. Außerdem bereiteten die Westmächte die Währungsreform vor. Am 24. Juni 1948 verfügten die Sowjets eine Blockade aller Land- und Wasserwege zu den Westsektoren Berlins. Amerikaner und Briten versorgten West-Berlin über eine Luftbrücke. Die geplante Begegnung zwischen Oberschöneweide und dem FC St. Pauli im Olympiastadion drohte zu platzen. Als erste Reaktion auf die Währungsreform wetterte das ostdeutsche „Sport- Echo“: „Deutsche Fußballmeisterschaft nicht möglich. Wir sind füreinander Ausland geworden. Es sind Devisen notwendig geworden, wenn ein Deutscher zum anderen fahren will.“

An der Zonengrenze mussten die Spieler ihre Koffer auf Bollerwagen verladen

Der ehemalige DFB-Funktionär Carl Koppehel, der Berlin bei den Verhandlungen um den Modus für diese deutsche Meisterschaft vertrat, griff in dieser verzwickten Lage zum Telefonhörer, um den Kontakt zum FC St. Pauli direkt herzustellen und Lösungen für eine Anreise des Hamburger Vereins nach Berlin zu suchen. Der Kontakt blieb nicht erfolglos.

Trotz bestehender Blockade genehmigte die Sowjetische Militäradministration überraschend kurzfristig die Einreise nach Berlin. Sie wurde allerdings ziemlich mühselig. Die sowjetische Kommandantur hatte die Erlaubnis zu einem Kraftwagentransport gegeben, mit dem die Hamburger von der Zonengrenze nach Berlin gebracht wurden. An der Zonengrenze mussten die Spieler ihre Koffer auf Bollerwagen verladen, um einige Meter zu Fuß durch das Niemandsland zu gelangen.

Nie wieder kamen Union und St. Pauli dem Gewinn der Meisterschaft so nahe

Die früheren Unioner hatten sich für das Spiel herausgeputzt. In neuen himmelblauen Seidenhemden wollten sie die Favoriten aus Hamburg bezwingen. Doch daraus wurde nichts. Vor 70 000 Zuschauern siegte der Gast 7:0. Das „Sport-Echo“ titelte: „Das Lehrstück des FC St. Pauli“. Die Hamburger waren technisch und konditionell überlegen. Als ebenbürtig erwies sich bei den Berlinern allein Union-Urgestein Herbert Raddatz.

Der FC St. Pauli stieg mit diesem Sieg in den Kreis der Titelanwärter auf. Im Halbfinale unterlag er jedoch dem späteren Deutschen Meister 1. FC Nürnberg. Nie wieder sollten St. Pauli und Union Oberschöneweide der Meisterschaft so nahe kommen wie in jenem Sommer 1948.

Die Autoren leiten das Zentrum deutsche Sportgeschichte.

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