Unions Ausgleichstorschütze : Marcus Ingvartsen hatte keine Wahl

Marcus Ingvartsen wollte in dieser Woche eigentlich heiraten. Stattdessen schießt er nun Tore für Union.

Mit und ohne Ball. Marcus Ingvartsen (r.) bekam im Spiel gegen Mainz einiges zu hören. Passenderweise hatte er auch eine gute Antwort parat.
Mit und ohne Ball. Marcus Ingvartsen (r.) bekam im Spiel gegen Mainz einiges zu hören. Passenderweise hatte er auch eine gute...Foto: dpa

Immer wenn der 1. FC Union in dieser Saison einen schlechten Lauf hatte, war auf Marcus Ingvartsen Verlass. Sowohl im Oktober gegen Freiburg als auch im Januar gegen Augsburg hatte der Däne mit einem Tor geholfen, eine Serie von vier Spielen ohne Sieg zu beenden. Am Mittwoch war es wieder so weit. Schon wieder hatte Union seit vier Spielen nicht gewonnen, und schon wieder traf Ingvartsen das Netz.

Mit dem 1:1 gegen den FSV Mainz 05 ging Unions sieglose Serie diesmal zwar weiter, trotzdem war Ingvartsens Freistoßtor eine Art Erlösung. Nach einem 0:2 und einem 0:4 in den vergangenen zwei Wochen konnten die Köpenicker zum ersten Mal seit dem Bundesliga-Neustart wieder punkten, und damit einen direkten Abstiegs-Konkurrenten auf Abstand halten. „Das war ein sehr wichtiger Punkt für uns, und ein Schritt in die richtige Richtung. Wir waren aggressiver und hatten ein besseres Gefühl auf dem Platz“, sagte Ingvartsen am Donnerstag.

Für Union war es auch das erste Tor seit der Coronavirus-Pause, und es brauchte ein bisschen Glück, um die Flaute zu beenden. Beim direkten Freistoß aus guter Position ließ der Mainzer-Torwart Florian Müller ein gutes Drittel seines Tores unverteidigt, und Ingvartsen nutzte das eiskalt aus. „Ich sah, dass er fünf Mann in die Mauer gestellt hat, und ich spekulierte auf das lange Eck“, sagte er.

Mit diesem Einfall ersparte er seiner Mannschaft eine bittere Niederlage, und machte auch den einen oder anderen kleinen Fehler aus der ersten Halbzeit wieder wett. In der ersten halben Stunde hatte ein genervter Trainer Urs Fischer Ingvartsen namentlich kritisiert, als die Mannschaft in der Defensive noch wackelte. Aber daran hat sich Ingvartsen längst gewöhnt. „Das erste Jahr hier war ein Lernprozess für mich,“ sagte er. Der gelernte Mittelstürmer wurde vom Trainer eher auf den Flügeln eingesetzt und zeigte neben guten Leistungen auch schwächere. Aber jetzt fühle es sich besser an als vor einem Jahr.

Am Sonntag geht es weiter bei Borussia Mönchengladbach

Trotzdem hatte der 24-Jährige für diese Woche eigentlich Schöneres vor, als von seinem Chef angeschrien zu werden. Am Samstag wollte er in Kopenhagen heiraten, aber wegen der Coronavirus-Pandemie musste die Hochzeit mit 75 Gästen auf Eis gelegt werden: „Es wurde ziemlich früh klar, dass es in diesem Sommer nicht klappen würde. Wir hatten keine andere Wahl, die Situation ist einfach so.“

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Stattdessen wird der Frühsommer für Ingvartsen und seine Mitspieler eher von harter Arbeit geprägt. Weil Fortuna Düsseldorf am Mittwoch gegen den FC Schalke gewann, ist Union nur noch vier Punkte vom Relegationsplatz entfernt und muss im Abstiegskampf weiterhin hart ackern.

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„Es gibt noch sechs Spiele. Wir dürfen nicht zu sehr auf die Tabelle schauen und uns unnötig unter Druck setzen“, sagte Ingvartsen. Schon am Sonntag geht es weiter bei Borussia Mönchengladbach.

Dann wird Sebastian Polter nicht mehr dabei sein. Der Stürmer, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft und nicht verlängert wird, wurde am Donnerstag wegen „unsolidarischen Verhaltens“ vom Klub bis zum Ende der Spielzeit aus dem Kader gestrichen.

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