Unterstützung für Hertha BSC : Wen Kevin-Prince Boateng noch hätte anrufen müssen

Mit einem Griff zum Telefon wollte Kevin-Prince Boateng Hertha BSC groß rausbringen. Daraus wurde nichts. Dabei wäre noch einiges möglich gewesen. Eine Glosse.

Leonard Brandbeck
Anschluss unter dieser Nummer: Kevin-Prince Boateng ist ein Mann der Technik.
Anschluss unter dieser Nummer: Kevin-Prince Boateng ist ein Mann der Technik.Foto: Norbert Schmidt/Imago

Vielleicht hat dieser eine Samstagmorgen im Leben des Kevin-Prince Boateng alles verändert. Der Morgen, an dem er im zarten Kindesalter auf einmal einen Anruf des ARD-Fernsehens erhielt, live auf Sendung zweimal laut „Muuuuuh!!!“ in den Telefonhörer brüllte und somit bei der Schlussverlosung des Kinderprogramms für seine Künste als Schreihals einen Pezzi-Bären gewann. 1998 so geschehen, der Videoschnipsel findet sich noch im Netz.

Vielleicht war dies der Tag, an dem Kevin-Prince Boateng den Eindruck gewann, dass mit dem Telefon alles möglich ist. Diese Vorstellung kann man zumindest bekommen, wenn man die Aussagen aus seinem aktuellen Interview im „Spiegel“ liest. Im Winter habe er etwa Jürgen Klinsmann, damals Trainer bei Hertha BSC, eine Nachricht geschickt und ihm angeboten, zu seinem Berliner Jugendklub zurückzukehren. Eine Antwort erhielt er jedoch nicht.

Vielleicht eine verpasste Chance für Hertha, denn dann wäre es erst richtig losgegangen mit seinem telefonischem Tatendrang: Mario Götze und Julian Draxler hätte er dann noch angerufen und nach Berlin gelotst, erklärt Boateng, außerdem noch ein paar Berliner Rapper, mit denen er Frank Zanders wenig Spotify-taugliche Stadionhymne geremixt hätte. „Das war so mein Plan, dass ich Hertha wieder attraktiv machen könnte“, sagt Boateng.

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Vielleicht wäre seine Telefonitis danach erst so richtig in Fahrt gekommen. Wer weiß, wessen Namen sich zwischen Klinsmann, Götze, Draxler und MC Pezzi noch alles in diesem illustren Telefonbuch befinden? Amazon-Chef Jeff Bezos (für den Even Bigger City Club)? BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup (für ein neues Stadion)? Trainer-Chef Peter Neururer (einfach, weil der schon seit Jahren auf einen Anruf wartet)?

Vielleicht hätte er am Ende aber auch doch wieder im Fernsehen angerufen. Michael Preetz hat ja bei Hertha nicht den leichtesten Stand. Da hätte Boateng sich beim nächsten Anlass bestimmt im „Doppelpass“ zu Wort gemeldet. Muuuuuh!!!

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