• Verbot der Konföderiertenflagge beim US-Motorsport: Die Nascar war viel zu lange viel zu weiß

Verbot der Konföderiertenflagge beim US-Motorsport : Die Nascar war viel zu lange viel zu weiß

Die Nascar verbietet die Konföderiertenflagge und fürchtet um ihre Fans. Das zeigt den rassistischen Geist der US-Motorsportserie. Ein Kommentar.

Die Nascar diskutiert nach jedem Anschlag über ein Verbot der Fahne. 
Die Nascar diskutiert nach jedem Anschlag über ein Verbot der Fahne. Foto: Jonathan Moore/AFP

Es braucht keine Beschönigungen: Die US-Motorsportserie Nascar ist eine zutiefst weiße Veranstaltung, schwarze Menschen kommen sich dort nicht sonderlich willkommen vor. Wie auch, sie sind umgeben von weißen Fans, von denen manche Konföderiertenflaggen in den Händen halten, das Symbol des Ku-Klux-Klans sowie rechter Attentäter. Die Nascar verkörpert wie vielleicht keine andere Sportart in den USA den illiberalen Teil des Landes, die strengen weißen Patrioten, die Trump-Wähler und – ja – teilweise auch die Rassisten.

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Deshalb ist es umso erstaunlicher, dass sich die Verantwortlichen der Rennserie nun gegen die eigene Basis gestellt haben, indem sie künftig die Konföderiertenflaggen verbieten wollen. Dabei erfolgte dies keiner Nascar-Eigeninitiative. Bubba Wallace, einer von insgesamt 16 (!) schwarzen Fahrern in der rund 70-jährigen Nascar-Geschichte, hatte zuvor das Verbot gefordert. Letztlich wurde im Zuge der „Black Lives Matter“-Bewegung der Druck auf die Nascar-Verantwortlichen so groß, dass sie handeln mussten.

In der Nascar wird nach jedem Anschlag über die Flagge diskutiert

Das hätten sie schon vor Jahren tun sollen. Beinahe nach jedem Anschlag aus rassistischen Gründen, bei dem auch die Konföderiertenflagge von den Tätern ins Bild gerückt wurde, fanden in der Nascar Diskussionen darüber statt. 

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Entschieden wurde aber nichts, auch weil die Nascar mit Zuschauerrückgängen zu kämpfen hatte und die Befürchtung groß war, dass sich diese mit dem Bann der Flagge verstärken könnten. Die nun darauf folgenden Proteste der eingefleischten Nascar-Gemeinde gegen die Entscheidung scheinen dies zu bestätigen. Es ist gut möglich, dass sich die so stolze, patriotische und weiße Nascar mit dem Flaggenverbot die weitere Lebensgrundlage entzogen hat. Sollte es so kommen, wäre es nun wirklich nicht schade drum.

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