Vergabe der WM 2026 : Showdown um die Mega-WM

Am Mittwoch wird die WM 2026 vergeben, die erste mit 48 Teilnehmern. Davon hängt auch viel für Fifa-Präsident Gianni Infantino ab.

Entscheidende Woche. Gianni Infantino braucht dringend Erfolge.
Entscheidende Woche. Gianni Infantino braucht dringend Erfolge.Foto: dpa

Gianni Infantino kann es kaum erwarten. So überschwänglich, wie der Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa derzeit von der in einer Woche beginnende Weltmeisterschaft in Russland schwärmt, ist fraglich, ob er bei all der Aufregung überhaupt nachts ein Auge zubekommt. „Es wird großartig. Ich freue mich am meisten darauf, den Ball rollen zu sehen und die Fans feiern zu sehen. Es wird ein Spektakel“, sagt Infantino in einem Promo-Videointerview der Fifa.

Doch so sehr sich der Schweizer als größter Fan des reinen, puren Fußballs gibt. Schlaflose Nachte dürfte er auch aus einem anderen Grund haben – und das nicht aus Vorfreude. Denn bevor überhaupt das Auftaktspiel der WM zwischen Russland und Saudi-Arabien am Donnerstag stattfindet, steht eine für die Fußball-Welt – und besonders für Infantino – bedeutende Entscheidung an.

Am nächsten Mittwoch beim Kongress der 211 Fifa-Mitgliedsländer in Moskau wird der Ausrichter der WM 2026 gewählt. Es ist die erste WM mit 48 Mannschaften, ein weiter aufgeblasenes Turnier. Und ein Prestigeobjekt Infantinos. Der 48-Jährige hat die Erweiterung des Teilnehmerfeldes vorangetrieben. Schließlich gehörte das 2016 zu seinen Wahlversprechen.

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Zwei Ausrichterkandidaten konkurrieren um die WM 2026, eine gemeinsame Bewerbung der USA, Mexikos und Kanadas sowie Marokko. Das Werben der Kontrahenten ist nun in der heißen Phase – und die Ausgangslage zwischen beiden nicht so klar wie sie angesichts der großen Herausforderungen eines riesigen Turniers mit 48 Teilnehmern scheinen mag. Laut einem vor einer Woche von einer Fifa-Prüfungskommission vorgelegten Bericht, ist die Bewerbung der USA, Mexikos und Kanadas der klare Favorit. Sie bekam vier von fünf möglichen Punkten, Marokko hingegen nur 2,7. Wegen hoher Risiken bei Stadionbau, Hotels und Transport wurden diese Bereiche auf einer Skala zudem als „hochriskant“ eingestuft.

Dennoch ist Marokko nicht chancenlos. Und das liegt nicht daran, dass sich Fifa-Delegierte wenig um die technische Bewertung scheren, als bestes Beispiel dafür taugt die Vergabe der WM 2022 an Katar. Beim Kongress in Moskau stimmen erstmals außer den Bewerberländern alle anderen 207 Fifa-Mitglieder über die WM-Ausrichter ab. Marokko kann sich dabei auf einen kräftigen Stimmenblock verlassen. Fast alle der 54 afrikanischen Stimmen soll es sicher haben, sowie die zahlreicher arabischer Staaten.

Infantino verweist stets auf den Prüfbericht

Außerdem betrieb US-Präsident Donald Trump klassische Anti-Werbung für die Bewerbung seines Heimatlandes und könnte den Marokkanern so weitere Unterstützer bescheren. Trump hatte getwittert: „Es wäre eine Schande, wenn Länder, die wir immer unterstützen, sich gegen die US-Bewerbung einsetzten. Warum sollten wir diese Länder unterstützen, wenn sie uns nicht unterstützen (auch bei den Vereinten Nationen)?“ Die Kleinen haben bei der Fifa aber eine gewisse Macht, da die Stimme eines Inselstaat-Verbandes genauso viel zählt wie die der USA. Möglich also, dass die angeblich Hilfsbedürftigen nun Trump brüskieren wollen.

Eine Pleite der US-Bewerbung würde allerdings auch Infantino treffen. Denn sie gefährdet sein zweites Wahlversprechen: mehr Geld für alle Verbände von der Fifa. Da beim Weltverband die Sponsoren derzeit alles andere als Schlange stehen, hofft Infantino vor allem durch die 48er-Weltmeisterschaft im Vermarktungsparadies USA auf eine Finanzspritze. Und die Bewerber aus den USA, Kanada und Mexiko errechneten dementsprechend, die erwarteten WM-Einnahmen bei ihnen wären mit fast zwölf Milliarden Euro nahezu doppelt so hoch wie die von Marokko prognostizierten – wobei diese gigantischen und optimistischen Zahlen mit äußerster Vorsicht zu betrachten sind.

Marokkanische Funktionäre werfen Infantino daher vor, als Fifa-Chef nicht neutral zu sein. Er streitet das vehement ab, wendet sich aber auch mit den Worten an die Wahlmänner: „Entscheidet aufgrund des Prüfberichts.“ Zudem versuchte Infantino im Hintergrund bereits, die Bewerbung Marokkos erst gar nicht zur Wahl zuzulassen. Damit war er allerdings im obersten Fifa-Gremium, dem Council, bei der letzten Sitzung im März in Bogota gescheitert. Am Sonntag bei der nächsten Council-Sitzung könnte Infantino jedoch einen zweiten Vorstoß in dieser Sache wagen und nur einen Kandidaten zur Wahl beim Kongress erlauben – was dann natürlich keine Wahl mehr wäre. So verrückt Infantino nach dem puren Fußball angeblich ist, in seinem Machtstreben geht es nicht so rein zu.

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