Verwirrender Modus der EM-Qualifikation : Wer soll das verstehen?

Bei der Qualifikation für die Fußball-EM 2020 kann man den Überblick verlieren. Das komplizierte Format ist niemandem zu vermitteln. Ein Kommentar.

Darum geht es: Der EM-Pokal.
Darum geht es: Der EM-Pokal.Foto: picture alliance/dpa

Fußball hat auf der ganzen Welt vor allem deshalb so viele Anhänger, weil er für Jedermann und jede Frau verständlich ist. Das Spiel ist so einfach, dass es praktisch überall ohne größeren Aufwand gespielt werden und man sich mit wem auch immer darüber austauschen kann. Für den europäischen Fußballverband war das offenbar aber alles ein bisschen zu simpel.

Oder wie lässt sich der Qualifikations-Modus zur wieder auf 24 Teams aufgeblähten Europameisterschaft im nächsten Jahr sonst erklären? Ein Mathematikstudium ist zwar nicht nötig, um ihn zu verstehen, fortgeschrittene Kenntnisse in Wahrscheinlichkeitsrechnung und logischem Denken allerdings schon.

Die Nations League macht es kompliziert

Klar ist, dass die jeweils ersten beiden Mannschaften der zehn Qualifikationsgruppen an der EM 2020 teilnehmen dürfen. So weit, so trivial. Problematisch wird es bei den vier weiteren Startplätzen.

Früher, da spielten die besten Gruppendritten in den Play-offs die restlichen Teilnehmer aus. Doch in der Fußball-Neuzeit gibt es die Nations League, die alles verkompliziert. Zur Erinnerung: Die Nations League ist ein Format, in dem 55 Länder in je vier Ligen (A bis D) spielen, die sich wiederum in vier Gruppen untergliedern.

Der Plan sieht vor, dass aus jeder Liga die vier besten Teams eine zweite Chance erhalten, die sich nicht über die regulären Gruppen für die EM 2020 qualifizieren konnten. So soll auch kleineren Ländern wie etwa San Marino der Sprung zu einem großen Turnier ermöglicht werden. Weil aber beispielsweise aus der Liga A sowieso beinahe alle schon auf konventionellem Weg weitergekommen sind, gilt ein Nachrückverfahren, das seine ganz eigenen Besonderheiten hat.

Welche das sind, lassen wir der Einfachheit halber hier einmal die Uefa erklären: „Gruppensieger aber können nicht in eine Play-off-Gruppe kommen, in der sich Mannschaften aus einer höheren Liga befinden. Sollte also eine Play-off-Gruppe mit mindestens einem Gruppensieger nicht ausreichend Mannschaften aus derselben Liga enthalten, wird die Gruppe mit Teams aus niedrigeren Ligen aufgefüllt.“

Und weiter: „Das höchstplatzierte Team eines jeden Weges trifft im Halbfinale auf das viertplatzierte Team. Das andere Halbfinale bestreiten das zweitbeste und das drittbeste Team. Im Gegensatz zu bisherigen Play-off-Duellen werden die Halbfinals der Euro-Play-offs jeweils in einem Spiel entschieden. Die höher platzierten Mannschaften haben in diesen Partien Heimrecht.“

Diese Teams sind für die EM qualifiziert:

  • Gruppe A: England, Tschechien
  • Gruppe B: Ukraine, Portugal
  • Gruppe C: Deutschland, Niederlande
  • Gruppe D: Schweiz, Dänemark
  • Gruppe E: Kroatien
  • Gruppe F: Spanien, Schweden
  • Gruppe G: Polen, Österreich
  • Gruppe H: Frankreich, Türkei
  • Gruppe I: Belgien, Russland
  • Gruppe J: Italien, Finnland

Um es kurz zu halten: Es gibt im März eine Runde bestehend aus Halbfinals und Finals, in der irgendwelche Nationen aus Europa untereinander die letzten vier EM-Teilnehmer ermitteln. Alles klar? Nein. Denn die Auslosung für die Endrunden-Gruppen der EM findet bereits Ende November statt, also wenn die Play-offs noch gar nicht gelaufen sind. Wie sich die Lostöpfe dann warum aufgliedern, ersparen wir Ihnen an dieser Stelle.

Schließlich könnte das Prozedere ohnehin noch einmal wiederholt werden – sollte sich in den Play-offs noch eines der vielen Gastgeberländer der EM 2020 qualifizieren oder ein politisch heikles Duell drohen. Der Termin für die Wiederholungs-Auslosung wäre der 1. April. Mehr muss man dazu nicht wissen.

Man darf sich aber sehr wohl die Frage stellen, wieso es so kompliziert sein muss und die hohen Herren des Fußballs offenbar kein Interesse daran haben, den ganz gewöhnlichen Fußballfan mitzunehmen. Vielleicht, weil es ihnen einfach schon lange nicht mehr um das schöne und schön einfache Spiel mit dem Ball geht.

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