Vettel oder Leclerc? : Ferrari-Teamchef Binotto muss sich endlich entscheiden

Der Crash zwischen Vettel und Leclerc beim Formel-1-Rennen in Brasilien zeigt, dass Ferrari jetzt eine klare Hierarchie braucht. Ein Kommentar.

Wer wird die Nummer eins? Ferrari-Teamchef Binotto (M.) muss sich zwischen Vettel und Leclerc entscheiden.
Wer wird die Nummer eins? Ferrari-Teamchef Binotto (M.) muss sich zwischen Vettel und Leclerc entscheiden.Foto: Benoit Doppagne/dpa

Äußerlich sah Mattia Binotto ruhig und gefasst aus, als er am späten Sonntagabend vor die Mikrofone im brasilianischen Interlagos trat. Doch innerlich muss der Ferrari-Teamchef ähnlich gebrodelt haben, wie seine beiden Formel-1-Piloten Sebastian Vettel und Charles Leclerc nach dem folgenschweren Crash im Rennen zuvor. Beide waren ausgeschieden und brachten Binotto in Erklärungsnot. Zurecht – denn er höchstpersönlich hätte den Vorfall verhindern können, wenn nicht müssen.

Abgesehen davon, dass seine Fahrer sich auf der Strecke in den vergangenen Wochen in direkten Duellen nicht gerade klug anstellten, hat Binotto mit seinem verbalen Zick-Zack-Kurs zur Eskalation beigetragen. Noch vor der Saison hatte der neue Scuderia-Teamchef bedeutet, Vettel in engen Situationen zu bevorzugen, Ende September in Russland dann aber Leclerc nach Teamanweisung gewinnen lassen.

Jetzt, da die WM-Entscheidung gefallen und auch Platz zwei in der Konstrukteurswertung sicher ist, hatte Binotto erklärt, dass Vettel und Leclerc frei fahren dürften. Er gab ihnen sogar die Erlaubnis „zu kämpfen“. Eine klare Hierarchie konnte so niemals aufkommen. Doch eine solche braucht es in der Formel 1, da es sonst zu Vorkommnissen wie am Sonntagabend kommt. Denn ohne Hierarchie werden Kollegen zwangsläufig zu Konkurrenten.

Natürlich steckt Binotto im Dilemma, dass er sich rein sportlich und perspektivisch für den 22-jährigen Leclerc entscheiden müsste, seinen zehn Jahre älteren Star und viermaligen Weltmeister Vettel aber nicht vergraulen darf. Nur zeigte der neuerliche Vorfall in Interlagos einmal mehr und unmissverständlich, dass die Zeit des Herumdrucksens vorbei ist.

„Es war ein kleiner Crash mit großen Folgen“, stellte Binotto am Sonntagabend abschließend selbst fest. Mit Folgen, aus denen er Konsequenzen ziehen und sich endlich entscheiden muss. Für Vettel oder Leclerc.

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