• Videobeweis in der Fußball-Bundesliga: Lutz Fröhlich: „Es geht um einen behutsamen Umgang mit dem Videoassistenten"

„Das sieht schon etwas düster aus“

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Videobeweis in der Fußball-Bundesliga : Lutz Fröhlich: „Es geht um einen behutsamen Umgang mit dem Videoassistenten"
Seit der Berliner Referee Manuel Gräfe dem Tagesspiegel zu Saisonbeginn ein Interview gegeben hat, in dem er seinen ehemaligen Chefs schwere Vorwürfe machte, kommt es unter den Schiedsrichtern zu Auseinandersetzungen.
Seit der Berliner Referee Manuel Gräfe dem Tagesspiegel zu Saisonbeginn ein Interview gegeben hat, in dem er seinen ehemaligen...Foto: dpa

Wissen Sie, welche Erfahrungen andere Verbände mit dem Videobeweis gemacht haben?

Die unterscheiden sich eigentlich nicht von unseren Erfahrungen, höchstens in der öffentlichen Wirkung, weil das mediale Interesse in Deutschland doch am intensivsten ist.

Würden Sie jetzt schon eine Prognose wagen, was im März passiert, wenn das Ifab über die Testphase entscheidet?

Mit dem Videoassistenten kann ein Mehrwert für den Fußball generiert werden. Es geht aber um einen behutsamen Umgang damit und um die richtige Justierung. Das braucht Zeit. Immerhin konnten in dieser Bundesliga-Saison mehr als 75 Prozent der klaren Fehlentscheidungen korrigiert werden – ein sehr gutes Argument für den Videoassistenten.

Sie haben Ihre Sympathie für eine Challenge-Regelung wie im Tennis oder Hockey erkennen lassen. Aber dafür scheint sich das Ifab nicht erwärmen zu können.

Die Philosophie des Ifab ist: Die Spieler sollen sich möglichst auf ihr Spiel konzentrieren, die Trainer konzentrieren sich auf ihre Mannschaft, und die Schiedsrichter sind für die regeltechnischen Entscheidungen zuständig. Das kann ich absolut nachvollziehen.

Dafür könnten die strittigen Szenen auf den Videowänden im Stadion gezeigt werden, im Sinne einer größeren Transparenz. Halten Sie es für möglich, dass das schon zu Beginn der Rückrunde eingeführt wird?

Das glaube ich nicht.

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In den Stadien gibt es eine große Ablehnung gegen den Videobeweis. Ist der emotionale Aspekt bei den Fans, der den Fußball so haben will, wie er immer war, vielleicht unterschätzt worden?

Es ist schon so, dass der Fußballfan seinen Sport sehr traditionell halten möchte. Dazu zählen auch die Diskussionen über Fehlentscheidungen des Schiedsrichters. Diese Diskussionen aber bleiben dem Fußball erhalten. Und generell glaube ich nicht, dass die Fans diese Neuerung so vehement ablehnen, wie es dargestellt wird: Gerade erst habe ich die Umfrage einer Nachrichtenagentur gelesen, bei der 64 Prozent den Einsatz des Videoassistenten generell für richtig halten. Nur 17 Prozent waren dagegen.

Sind Sie glücklich mit den Bildern, die vom Videoassistenten-Raum in Köln im Fernsehen gezeigt werden?

Zugegeben, das sieht schon etwas düster aus. Ein dunkler Raum und viel Schatten. Aber generell ist es gut, dass Bilder von dort gezeigt werden. Das erhöht die Transparenz. Es gibt nichts zu verbergen. Dort wird hochprofessionell gearbeitet.

Inwiefern haben die atmosphärischen Störungen in der Schiedsrichtergilde in die Debatte um den Videobeweis hereingespielt?

Atmosphärische Störungen sind nie gut. Und bei einem so wichtigen Projekt ist es erst recht wichtig, dass das Team in eine Richtung denkt und handelt. Fakt ist, dass die atmosphärischen Störungen dem Ansehen der Schiedsrichter geschadet haben und das hat das Team insgesamt, die Assistenten eingeschlossen, nicht verdient. Aber wir arbeiten daran.

Was macht Sie zuversichtlich? Wenn man sich die Vorwürfe anschaut, die Manuel Gräfe gegen Ihre Vorgänger im Amt, aber auch gegen seinen Kollegen Felix Zwayer erhoben hat, scheint es doch sehr tiefe Verletzungen zu geben.

Erstmal wird aktuell die Sachlage detailliert geklärt, die hinter den öffentlichen Vorwürfen steckt. Ist das geschehen, kommt man vielleicht auch an die Verletzungen ran. Aber es wäre falsch, den Prozess jetzt durch weitergehende öffentliche Aussagen zu begleiten.

Sehen Sie wirklich die Chance, dass sich das Verhältnis zwischen Gräfe und Zwayer wieder normalisiert?

Natürlich ist das sehr schwierig, aber ich will das nicht ausschließen.

Der DFB hat sogar seine Ethikkommission mit Klaus Kinkel an der Spitze mit dem Fall betraut. Viele haben sich gewundert, dass er nur einen Tag gebraucht hat, um das Problem aus der Welt zu schaffen – was offensichtlich nicht passiert ist.

Die Beteiligten sind offensichtlich der Meinung, dass es für sie so nicht funktioniert hat, wie sie sich das erhofft haben. Jedenfalls nicht nachhaltig. Aber genau das ist unser Ziel, deswegen läuft auch aktuell die Aufklärung durch einen Juristen.

Anfang Januar findet das Trainingslager der Schiedsrichter auf Mallorca statt. Die „Bild“-Zeitung hat berichtet, dass zwei Psychologen zur Mediation eingeflogen werden.

Auf Mallorca stehen zwei Themen im Vordergrund: Teamentwicklung und Videoassistent. Wobei das eine schon mit dem anderen zusammenhängt. Denn wenn jeder sein eigenes Ding macht, können wir auch den Videoassistenten nicht auf Linie bringen. Das Ziel ist, dass wir nach Mallorca wieder ein Team auf einem gemeinsamen Weg haben.

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