Volleyball : BR Volleys: Kyle Russell ist der brachiale Typ

Kyle Russell war bei den Volleys immer als Ersatzmann vorgesehen. Aber der Kalifornier will sich dieser Rolle nicht fügen.

Hat viel Energie: Volleys-Spieler Kyle Russell.
Hat viel Energie: Volleys-Spieler Kyle Russell.Foto: imago/Andreas Gora

Ein paar Teenager kreischten kurz und zeigten mit ihren Fingern auf die Auswechselbank der BR Volleys. Dort hatte Diagonalangreifer Kyle Russell soeben sein Shirt gewechselt. Zum Vorschein kam ein ausgesprochen muskulöser Oberkörper. Und seine Physis sollte Russell am Donnerstag beim 3:1-Erfolg der Volleys in der Champions League gegen den belgischen Vertreter Maaseik auch erfolgreich einsetzen. „Ich bin glücklich. Das hat richtig Spaß gemacht“, sagte er. Mit 14 Punkten war Russell der erfolgreichste Spieler der Berliner.

Russell ist eher der brachiale Typ. Der 25-Jährige kann so hart schlagen wie sonst keiner bei den Volleys. Die feine Technik, Schmetterbälle mit Schnitt und Raffinesse beherrschen andere besser. Deswegen galt er bei den Volleys schon in der vergangenen Spielzeit eher als Backup auf der Position des Diagonalangreifers, als Brecher, den man immer mal reinwerfen kann, wenn dem ersten Mann auf der Position mal die Puste ausgeht. Doch schon damals kristallisierte sich heraus: Der erste Diagonalangreifer Paul Carroll braucht schneller mal eine Pause, der vermeintliche Ersatzmann Russell aber nie. Auch unter dem neuen Trainer Cedric Enard schien die Rangordnung auf der Angreifer-Position klar: Erst der Königstransfer Benjamin Patch, dann lange nichts, und dann erst Russell. Nach wenigen Spielen in dieser Saison hat Russell die Hierarchie schon wieder ein bisschen auf den Kopf gestellt.

Patch schwächelte gegen Maaseik

Gegen Maaseik schwächelte der sprunggewaltige Patch nach dem ersten Durchgang. Enard brachte Russell und der drosch den Ball unermüdlich gewaltvoll ins Feld der Belgier. Russell ließ sich auch nicht lumpen, dem Gegner seine Freude über gewonnene Punkte direkt ins Gesicht zu brüllen. Dafür gab es Gelb und die Anerkennung des Berliner Publikums.

„Das ist ein Kampf auf hohem Niveau zwischen mit und Benjamin“, sagt. Russell. „Wir pushen uns gegenseitig. Das ist großartig für das Team.“ Volleys-Manager Kaweh Niroomand sieht das etwas anders. „Ewig kann das mit den beiden nicht weitergehen“, sagt er. „Für den Zuspieler ist es besser, wenn sich einer konstant auf der Position spielt.“

Niroomand war vor der Saison davon ausgegangen sein, dass sein Königstransfer Patch die Nummer eins sein würde. Jetzt sagt der 65-Jährige: „Patch hat alle Qualitäten. Er müsste eigentlich vorne liegen. Aber Russell macht ihm Wettbewerb. Das wird ein spannendes Duell zwischen den beiden.“

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