Volleyball-EM der Frauen : Deutschland besiegt die vermeintlich Übermächtigen

Die deutschen Volleyballerinnen streben bei der EM den Gruppensieg an. Nach dem Sieg über Russland wurde auch der Gastgeber bezwungen.

Spielte groß auf gegen Russland: Diagonalangreiferin Louisa Lippmann.
Spielte groß auf gegen Russland: Diagonalangreiferin Louisa Lippmann.Foto: dpa

Die Reise ist noch nicht vorbei. Sie geht vermutlich erst richtig los. Am Dienstag haben die deutschen Volleyballerinnen bei der Europameisterschaft auch noch Gastgeber Slowakei mit 3:1 bezwungen. Am Mittwoch steht das letzte Gruppenspiel gegen Weißrussland an (20 Uhr/Sport1). Die Chancen stehen gut, dass die Deutschen als Gruppensieger ins Achtelfinale einziehen.

Dabei war schon am Montag klar, dass diese Europameisterschaft ein Erfolg sein würde – egal, was nun noch folgt. Am späten Abend bildeten die deutschen Spielerinnen einen Kreis und wollten nicht aufhören zu hüpfen. Der ausgelassene Jubel mutete an, als hätten sie bereits den Titel geholt. Nun war es nur ein Gruppenspiel, das sie am Montagabend in Bratislava für sich entschieden. Aber was heißt nur. Der Gegner war Russland, die Volleyballnation schlechthin. Bundestrainer Felix Koslowski hatte zuvor die Rechnung aufgestellt, dass Russland neuneinhalb Mal in zehn Spielen gegen Deutschland als Sieger vom Platz ginge. Insofern hatte sein Team offenbar einen besonders glücklichen Abend erwischt. Am Ende stand ein 3:2 (18:25, 25:21, 25:23, 14:25, 15:11) auf der Anzeigetafel. Deutschlands Nationalmannschaft hatte die vermeintlich übermächtigen Russinnen besiegt.

„Das war ein riesiger Erfolg. Sie haben am absoluten Maximum gespielt“, sagte Christian Dünnes dem Tagesspiegel. Der Sportdirektor des Deutschen Volleyball-Verbandes erlebte ein hochspannendes Spiel, das erst im Tie-Break entschieden wurde. Den Matchball verwandelte Camilla Weitzel mit einem krachenden Angriffsschlag durch die Mitte. Dieser letzte Punkt war stellvertretend für das Spiel der Deutschen. Die Russinnen hatten fest damit gerechnet, dass Koslowskis Mannschaft über ihre Außenangreiferin Louisa Lippmann gehen würde. Die 24-Jährige hatte ein überragendes Spiel gemacht. Doch der letzte Ball wurde nicht ihr, sondern eben Weitzel zugestellt.

Die Gegnerinnen waren überrascht, und das nicht zum ersten Mal in diesem Spiel. „Das Team zeichnet eine große Ausgeglichenheit aus. Es ist sehr variabel und schwer ausrechenbar“, sagte Dünnes. Tatsächlich schafften fünf Spielerinnen der deutschen Mannschaft zehn Punkte oder mehr. Ein sehr guter Wert im Volleyball.

Sollten die Deutschen weiter ähnlich stark aufspielen wie bisher, dürfte die Reise für Koslowskis Mannschaft noch ein bisschen andauern bei diesem Turnier. Das Team hat eine erstaunliche Entwicklung in den vergangenen Wochen und Monaten durchgemacht. An Talent mangelte es der Mannschaft nie, aber die ganz großen Erfolge blieben aus. Der Sieg gegen Russland war ein solcher. „Wir hatten es in der Vergangenheit oft verpasst, den Sack zuzumachen gegen Top-Teams“, sagte Dünnes. „Hut ab, dass unser Team das gegen Russland jetzt geschafft hat.“ Der ehemalige Nationalspieler glaubt fest daran, dass die Mannschaft die Spannung weiter hochhalten kann. „Ich merke einfach, dass sie brennen.“

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