Volleyball-Supercup : Die BR Volleys treffen auf Weltmeister-Trainer Vital Heynen

Die BR Volleys treffen heute im Supercup beim Finale gegen Friedrichshafen auf den neuen Weltmeister-Trainer. Der hält viel von den Berlinern.

An diesem Sonntag kann Vital Heynen mit dem VfB bereits den ersten Titel gewinnen
An diesem Sonntag kann Vital Heynen mit dem VfB bereits den ersten Titel gewinnenFoto: dpa

Seine Gefühle verhehlt Vital Heynen eigentlich nie. Denn seine rhetorischen Fähigkeiten sind mindestens genauso gut wie seine Qualitäten als Volleyballtrainer. Doch wenn er über den 30. September dieses Jahres spricht, fehlen selbst Heynen zwischenzeitlich die Worte. „Diese einmaligen Gefühle sind wirklich schwer zu beschreiben“, sagt er. An jenem Sonntag vor vier Wochen feierte Heynen beim WM-Finale in Turin den größten Erfolg seiner Karriere. Mit einem Triumph gegen Olympiasieger Brasilien führte er die polnische Nationalmannschaft zum Weltmeister-Titel. „Das ist wirklich eine große Geschichte. Das hatte ich nicht erwartet“, sagt der Belgier.

Polen war zwar als Titelverteidiger angetreten, die Favoriten bei der WM in Italien und Bulgarien waren aber andere: Russland, Frankreich, Brasilien, Italien oder die USA. Doch dann gewannen die Polen ein Spiel nach dem anderen, bei Heynen wuchs die Ahnung, dass wirklich etwas drin sein könnte. Und nun kann er sich Weltmeister-Trainer nennen. „Es ist ein einmaliges Ding: Bester der Welt, da ist nach oben ja nichts mehr.“

Heynen sieht sich mit dem VfB als Außenseiter

Lange genießen konnte der 49-Jährige dieses Hochgefühl nicht. Nach einem Besuch beim polnischen Präsidenten mit der Nationalmannschaft und einem freien Tag zu Hause in Belgien machte er sich wieder an die Arbeit beim VfB Friedrichshafen. Dort ist er im Hauptjob Trainer. „Wenn ich in Friedrichshafen über die Straße gehe, ist es für mich auch deutlich ruhiger als in Polen“, sagt Heynen. Doch nicht deshalb verzichtete er auf eine Pause. Schließlich läuft schon seit zwei Wochen die neue Bundesliga-Saison. Und an diesem Sonntag kann Heynen bereits den ersten Titel gewinnen. Mit Friedrichshafen trifft er im Supercup in Hannover auf die BR Volleys (16.30 Uhr/live auf Sport1).

Das Duell zwischen dem Pokalsieger vom Bodensee und dem Deutschen Meister aus Berlin ist für Heynen der erste Härtetest: „Wir wollen sehen, wo wir stehen. Und Berlin natürlich auch.“ Wie die Volleys, bei denen vier WM-Teilnehmer erst spät zum Team stießen, sieht Heynen seine Friedrichshafener Mannschaft nach der kurzen gemeinsamen Vorbereitung noch lange nicht bei 100 Prozent. „Um ein Team in die richtige Richtung zu bringen, brauche ich sechs Wochen“, sagt er. „Und davon hatte ich bisher ja erst die Hälfte.“ Berlins Trainer Cedric Enard unterschätzt den Gegner dennoch auf keinen Fall. „Vital ist immer in der Lage, seine Mannschaft zu verbessern“, sagt der Franzose. Wobei es im VfB-Kader auf der wichtigen Zuspielerposition große Veränderungen gegeben hat.

Überraschende Niederlage gegen Düren

Simon Tischer beendete seine Karriere, und sein Vertreter Tomas Kocian wechselte nach Düren. Dafür kamen der tschechische Nationalspieler Jakub Janouch und Martin Krüger aus Herrsching. „Die beiden haben es schwer mit mir“, betont Heynen. „Ich habe klare Vorstellungen, was ich von ihnen erwarte. Und wenn ich dann einem 28-Jährigen wie Jakub Janouch sage, du musst etwas ändern, dann ist das natürlich schwierig für ihn.“

Solche Probleme seien am Anfang aber logisch, sagt Heynen. Ähnliches hat er ja auch bei den Berlinern in den ersten beiden Saisonspielen gesehen. Wobei ihn die Heimniederlage der Volleys gegen Düren dann doch überraschte. „Beim Vorbereitungsturnier in Polen waren die Berliner extrem stark und ich dachte: Die sind schon zwei Schritte weiter als wir.“ Angesichts des großen Umbruchs bei den Volleys schätzt Heynen sein Team im Moment als besser eingespielt ein. Allerdings hätten die Berliner beeindruckende Spieler verpflichtet: „Kaweh Niroomand hat eingekauft, um die Liga zu dominieren.“ Und so manövriert sich Vital Heynen wieder in die Rolle des Außenseiters, die mag er am liebsten – auch als Weltmeister-Trainer.

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