Von Barella bis Thuram : Die größten Talente der U-21-EM

Wer wird zum bestimmenden Spieler der am Sonntag in Italien beginnenden U-21-Europameisterschaft? Wir stellen fünf große Talente des europäischen Fußballs vor.

Schon bei den Großen. Nicolo Barella (vorne) war bereits für Italiens A-Nationalmannschaft im Einsatz.
Schon bei den Großen. Nicolo Barella (vorne) war bereits für Italiens A-Nationalmannschaft im Einsatz.Foto: Massimo Pinca/REUTERS

An diesem Sonntag beginnt mit dem Spiel Polen gegen Belgien die U-21-Europameisterschaft in Italien und San Marino (bis 30. Juni). Titelverteidiger Deutschland startet am Montag gegen Dänemark (21 Uhr, live in der ARD) in ein Turnier, bei dem viele interessante Talente mit glänzender Perspektive zum Einsatz kommen werden. Wir stellen fünf von ihnen vor.

Luka Jovic, Serbien

Von Frankfurt nach Madrid. Luka Jovic steht mittlerweile bei Real unter Vertrag und ist einer der Stars der U-21-EM.
Von Frankfurt nach Madrid. Luka Jovic steht mittlerweile bei Real unter Vertrag und ist einer der Stars der U-21-EM.Foto: Óscar J.Barroso/dpa

Dass Real Madrid kein ganz normaler Verein ist, merkt man spätestens bei den Präsentationen neuer Spieler. Als Eden Hazard am Donnerstag offiziell vorgestellt wurde, waren mehr als 50 000 Fans im Bernabeu-Stadion. Bei Luka Jovic waren es ein paar weniger, der serbische Stürmer ist dennoch in einer neuen Dimension angekommen. Nach einer Saison mit 27 Pflichtspieltreffern für Eintracht Frankfurt, zehn davon in der Europa League, hat sich Real den bulligen Angreifer 60 Millionen Euro kosten lassen. Mit Serbiens A-Nationalmannschaft nahm er vor einem Jahr bereits an der WM in Russland teil, kam aber nur zu einem Kurzeinsatz. Bei der U 21 ist er nun der große Star und trifft im zweiten Gruppenspiel auf die deutsche Mannschaft.

Marcus Thuram, Frankreich

Marcus Thuram (links) schoss die Milliardentruppe von PSG (r. Thiago Silva) aus dem Pokal.
Marcus Thuram (links) schoss die Milliardentruppe von PSG (r. Thiago Silva) aus dem Pokal.Foto: Anthony BIBARD/Imago

Er trägt immerhin schon den Namen eines Welt- und Europameisters. Das liegt daran, dass Marcus Thuram der Sohn des französischen Welt- und Europameisters Lilian Thuram ist. Der 21 Jahre alte Stürmer von EA Guingamp hat allerdings mehr zu bieten als nur einen prominenten Namen. Obwohl sein Klub als Tabellenletzter aus der Ligue 1 abgestiegen ist, darf sich Thuram junior zumindest ein wenig als Gewinner einer verkorksten Saison fühlen. Der Stürmer ist schnell und robust, dazu torgefährlich. In 32 Ligaeinsätzen traf er neunmal. Den erhebendsten Moment aber erlebte er im Januar im Pokal. Im Viertelfinale erzielte er in der dritten Minute der Nachspielzeit den 2:1-Endstand gegen die Milliardentruppe von Paris St. Germain. Dass Thuram den bretonischen Klub trotz seines noch ein Jahr laufenden Vertrags verlassen wird, gilt als ausgemacht. Als Interessenten wurden bereits Manchester United, Arsenal, Olympique Marseille, Olympique Lyon, Borussia Dortmund und zuletzt auch Borussia Mönchengladbach genannt. Guingamps Präsident hat die Ablöseforderung vorsichtshalber schon mal auf 20 Millionen Euro erhöht.

Nicolò Barella, Italien

Schon bei den Großen. Nicolo Barella (vorne) war bereits für Italiens A-Nationalmannschaft im Einsatz.
Schon bei den Großen. Nicolo Barella (vorne) war bereits für Italiens A-Nationalmannschaft im Einsatz.Foto: Massimo Pinca/REUTERS

Es sind aufregende Tage für Nicolò Barella. Für Cagliari Calcio war der 22 Jahre alte Sarde in der abgelaufenen Saison im Dauereinsatz, am Dienstag spielte er noch 90 Minuten für die A-Nationalmannschaft gegen Bosnien, und ab Sonntag soll er die italienische U 21 bei der Heim-EM zum ersten Titel seit 2004 führen. Die Azzurini sind mit großen Talenten wie Federico Chiesa, Moise Kean oder Nicolò Zaniolo so gut besetzt wie lange nicht, doch Barella ist Motor und Herz des Teams. Der vielseitige Mittelfeldspieler ist mit seiner Laufstärke überall zu finden, gehört zu den besten Ball-Eroberern der Serie A und kann bereits 100 Einsätze in der höchsten Spielklasse vorweisen. Demnächst kommen wohl auch die ersten Spiele in der Champions League dazu, denn Barella steht vor einem Wechsel zu Inter Mailand. Marktwert: mehr als 35 Millionen Euro.

Phil Foden, England

Phil Foden (rechts) muss hohe Erwartungen erfüllen. Die Fans von Manchester City nennen ihn "Iniesta aus Stockport".
Phil Foden (rechts) muss hohe Erwartungen erfüllen. Die Fans von Manchester City nennen ihn "Iniesta aus Stockport".Foto: Nick Potts/dpa

Pep Guardiola ist durchaus bekannt für euphorische Lobreden. In seiner Zeit beim FC Bayern wünschte er sich mal „1000 Dantes“, über Joshua Kimmich sagte er, er sei „fast mein Sohn“, und die übrigen Spieler waren entweder „super-super“ oder „unglaublich“. Bei Manchester City hat der Spanier diesen Stil beibehalten – wenn er Phil Foden als „special“ bezeichnet, ist das aber keine Lobhudelei. Der 19 Jahre alte Engländer scheint wie gemacht für Guardiolas Fußball. Körperlich hat der schmächtige Mittelfeldspieler zwar noch Nachteile im physischen englischen Fußball, die macht er aber mit seiner enormen Spielintelligenz wett. Foden ist kaum vom Ball zu trennen, hat einen starken linken Fuß und verfügt über ein sehr sicheres Passspiel. Damit gehört er zu den größten Hoffnungen des englischen Fußballs, auch wenn der Spitzname der City-Fans dann doch etwas zu hoch gegriffen ist: „Iniesta aus Stockport“.

Maximilian Eggestein, Deutschland

Maximilian Eggestein (Nummer 22) ist in der U 21 genauso gesetzt wie bei Werder Bremen.
Maximilian Eggestein (Nummer 22) ist in der U 21 genauso gesetzt wie bei Werder Bremen.Foto: Swen Pförtner/dpa

Kimmich, Kroos, Goretzka, Gündogan, Havertz – an hochwertigen zentralen Mittelfeldspielern besteht im deutschen Fußball wahrlich kein Mangel; und selbst die U 21 verfügt in diesem Mannschaftsteil mit Suat Serdar, Mahmoud Dahoud, dem Berliner Arne Maier und dessen künftigem Teamkollegen Eduard Löwen über reichlich Potenzial. Der informelle Chef des Mittelfelds aber ist Maximilian Eggestein, der im März sogar schon von Bundestrainer Joachim zur A-Nationalmannschaft berufen wurde, allerdings noch nicht zum Einsatz kam. Das scheint aber nur noch eine Frage der Zeit zu sein, weil Eggestein einfach unspektakulär gut ist. Dem Vernehmen nach war Borussia Dortmund ganz heiß auf den defensiven Mittelfeldspieler, Eggestein aber entschied sich dafür, beim SV Werder Bremen zu bleiben – nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil er dort das bekommt, was ein 22-Jähriger am dringendsten braucht: Spielpraxis. In der vergangenen Saison stand Eggestein in allen 34 Bundesligaspielen in der Startelf, nur einmal wurde er ausgewechselt: in der 83. Minute.

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