Vor dem EM-Achtelfinale gegen Holland : Deutsche Volleyballer haben keine Zeit für Analysen

Im EM-Achtelfinale am Samstag setzen die deutschen Volleyballer auch auf die Erfahrung von Christian Fromm. Und der wiederum auf die seiner Ehefrau.

Zurück in die Erfolgsspur. Christian Fromm (M.) ist mit den deutschen Volleyballern ins Achtelfinale gestolpert.
Zurück in die Erfolgsspur. Christian Fromm (M.) ist mit den deutschen Volleyballern ins Achtelfinale gestolpert.Foto: Bart Vandenbroucke/dpa

Bis zum späten Donnerstagabend saßen die deutschen Volleyballer zusammen. Ohne Trainer Andrea Giani, der die Leistung beim 1:3 gegen Außenseiter Spanien im letzten Gruppenspiel der Europameisterschaft vor lauter Wut nicht kommentieren wollte. So trafen sich nur die Spieler, um sich über die desolate Leistung auszutauschen. „Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir jetzt nur noch positiv nach vorne blicken“, fasste Außenangreifer Christian Fromm am Freitag den Tenor der Besprechung zusammen.

Etwas anderes bleibt ihnen auch gar nicht übrig. Denn schon am Samstag (16 Uhr/Sport1+) wartet im Achtelfinale Gastgeber Niederlande. „Das Spiel ist definitiv abgehakt. Es wäre aber auch verschwendete Energie, das Spiel noch lange zu analysieren“, erklärt Fromm. „Dafür ist viel zu wenig Zeit – die brauchen wir, um uns vorzubereiten.“

Und nun im Achtelfinale kommt zur eigenen kleinen Krise ausgerechnet erneut ein Duell mit einem Gastgeber hinzu. Wie beim 2:3 in der Vorrunde in Belgien muss man kein Prophet sein, um zu erwarten, dass die deutschen Fans in der Unterzahl sein werden. „Wir dürfen uns nicht verrückt machen lassen davon, dass die ganze Halle gegen uns sein wird. Das wird ein schönes organgenes Meer“, sagt der 29-Jährige. Deshalb wird es auch auf seine Erfahrung von 143 Länderspielen und etlichen Partien auf europäischen Top-Niveau, nicht zuletzt mit seinem aktuellen polnischen Arbeitgeber Jastrzebski Wegiel, ankommen.

„Ich werde versuchen, die Ruhe auszustrahlen, die junge Spieler vielleicht noch nicht haben bei so großen Turnieren. Ich werde mich nicht von großen Emotionen leiten lassen und versuchen, ihnen ein wenig die Nervosität zu nehmen“, erklärt Fromm. Auf der anderen Seite will er aber auch mit Kampfeslust vorweggehen, schon am Freitag beim Training vor dem Spiel.

Dabei nutzt Christian Fromm die freie Zeit an solchen freien Tage vor und nach dem Training viel lieber, um sich mit seiner Ehefrau auszutauschen. Maren Fromm war selbst jahrelang Leistungsträgerin in der Frauen-Nationalmannschaft. „Das ist ein großes Glück für mich, dass sie schon so viele Erfahrungen gemacht hat und genau versteht, was in meinem Kopf vorgeht und was mich hier beschäftigen kann“, erklärt Fromm. „Sie weiß einfach, was hier für ein Druck herrscht, wie so ein Tagesablauf aussieht. Es ist schön, diesen Rückhalt zu spüren.“ Rückhalt, den er in den Tagen vor Beginn der K.o.-Runde, gerade weil es nicht so gut läuft, gut gebrauchen kann.

Das EM-Ziel bleibt erneut eine Medaille

Nur sportlich kann sie ihm nicht weiterhelfen. Den Plan, den sein Team umsetzen soll, um gegen die Niederlande das Viertelfinale und damit die Qualifikation für die EM 2021 zu erreichen, muss er selbst umsetzen und verinnerlichen. Wie der aussehen soll, davon hat Fromm schon eine klare Vorstellung. „Wir müssen mit unserem Aufschlag genug Druck erzeugen, damit sie ihr Spielkonzept nicht aufbauen können“, sagt der gebürtige Berliner. Das ist dem DVV-Team bei dieser EM phasenweise auch schon gelungen – gerade in den Spielen, als sie Satzrückstande aufholen oder Gegner klar dominieren konnten. „Das wird ein ganz wichtiger Schlüssel, weil unsere Blockabwehr eine große Stärke ist.“

Und weil sich die Mannschaft dieser Stärke bewusst ist, will Fromm auch kein Stück von der Zielsetzung des Verbandes abrücken: Sie ist und bleibt eine Medaille, wie vor zwei Jahren, als es am Ende Silber wurde. „Wir haben das Potenzial dazu. Deshalb waren die Erwartungen auch nicht zu hoch“, sagt er, daran ändere auch die durchwachsene Vorrunde nichts, in der drei von fünf Spielen verloren gingen. „Wir sollten vermeiden, anders zu denken“, und vor allem nicht zurück an das Spanien-Spiel. „Weil jetzt kann es nur noch mit positiver Stärke vorausgehen.“

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