Vor dem Heimspiel gegen Hoffenheim : Vladimir Darida und die Zeichen der Zeit

Vladimir Darida steht vor der Rückkehr in Herthas Startelf – der erhöhte Konkurrenzkampf gilt auch für ihn.

Läuft und läuft und läuft. Vladimir Darida ist einer der fleißigsten Kilometerfresser in der Fußball-Bundesliga. Am Samstag empfängt er mit Hertha Hoffenheim. Foto: Odd Andersen/AFP
Läuft und läuft und läuft. Vladimir Darida ist einer der fleißigsten Kilometerfresser in der Fußball-Bundesliga. Am Samstag...Foto: AFP

Der Regen fiel fast lotrecht, nur leicht zur Seite geneigt; über den Schenckendorffplatz fegte ein eisiger Wind, ohne Mütze, Handschuhe und Schal ging mal gar nichts. Es waren Bedingungen, bei denen man normalerweise keinen Hund vor die Tür jagt. „Heute müssten alle zu ihrem Chef gehen und nach 20 Prozent mehr Gehalt fragen“, flachste Pal Dardai nach der letzten öffentlichen Trainingseinheit der Profis von Hertha BSC in dieser Woche im Dialog mit den anwesenden Reportern. „Da habt ihr gute Chancen bei so einem Sauwetter.“

Allen äußeren Einflüssen zum Trotz war es augenscheinlich, dass einer aus dem Berliner Kader eben jene Einflüsse geflissentlich ignorierte. Vladimir Darida schien es sogar Spaß zu machen auf dem durchtränkten, teils schlammigen Geläuf. Wie er über das Feld rannte, grätschte und pflügte, wie er kommandierte und reagierte, hinterließ nicht nur bei seinem Vorgesetzten nachhaltigen Eindruck. „Seine Körpersprache zeigt mir, dass Vladi wieder etwas will vom Trainer“, sagte Dardai. „Das ist schön, das habe ich lange nicht mehr gespürt und auch ein bisschen vermisst.“ Nach einer schweren Knieverletzung, die zunächst konservativ behandelt wurde, dann aber doch eine Operation erforderte, steht Darida zwar seit dem Beginn der Vorbereitungsphase wieder auf dem Trainingsplatz. Allerdings vermittelte er bis vor Kurzem noch den Eindruck, dass da eher eine schlechte Kopie als das Original in seiner Arbeitskleidung steckt – nach monatelanger Abstinenz und Reha-Phase absolut verständlich. „Aber jetzt“, sagte Dardai, „haben wir endlich wieder den echten Vladi, den wir alle sehen wollen.“

Die Chancen, dass Darida am Samstag im Heimspiel der Berliner gegen Hoffenheim (15.30 Uhr) erstmals seit Monaten wieder in der Startelf stehen wird, sind also durchaus gegeben. Zuletzt gab es das am 14. Oktober. In den drei Januarspielen gegen Dortmund, Stuttgart und Bremen brachte es der tschechische Nationalspieler dagegen auf ganze sechs Minuten Einsatzzeit. Nach Ondrej Dudas jüngster Verletzung (Wade) steht die Tür nun wieder ein Stückchen weiter für ihn offen.

Im Grunde ist der 27-Jährige ohnehin über jeden sportlichen Verdacht erhaben; Duda gilt als Vorzeigeprofi, leicht im Umgang, als fleißig, zurückhaltend und leise. „Ich kann total verstehen, dass man nach einer langen Pause nicht gleich wieder über 90 Minuten spielen kann“, sagt er – und im Gegensatz zu manch anderen Bundesliga-Profis, die gern geschliffene und auswendig gelernte PR-Sätze von sich geben, kauft man ihm das sofort ab.

Allerdings hat auch Vladimir Darida die Zeichen der Zeit erkannt; er hat registriert, dass sich niemand im Hertha-Kader zu sicher sein sollte, was die eigene Zukunft und die Halbwertzeit des Vertrags angeht. Verdienste von gestern zählen im Hier und heute nicht mehr viel. Das war eine zentrale Botschaft, die Berlins Fußball-Bundesligist mit seiner Strategie während der Wintertransferperiode hinaus in die Welt schickte; nach den Abgängen von Genki Haraguchi und Valentin Stocker, die sich lange abgezeichnet hatten, gab Hertha am Mittwochabend recht überraschend die Trennung von Innenverteidiger Sebastian Langkamp bekannt, den es zum SV Werder Bremen zieht.

„Das war so natürlich nicht geplant, sondern hat sich kurzfristig ergeben, weil der Spieler mit diesem Wunsch an uns herangetreten ist“, erklärte Manager Michael Preetz am Freitag. Der Transfer bestätigte aber auch den grundsätzlichen Kurs, den sie bei Hertha eingeschlagen haben: Stocker, Haraguchi und Langkamp waren vor zwei, drei Jahren noch Spieler, die sich mit ihrer fußballerischen Qualität deutlich von anderen Mitstreitern abhoben. Im Winter 2018 ist der Kader von Coach Dardai so breit und gut besetzt wie noch nie unter der Verantwortung des Ungarn – nicht zuletzt dank der Eigengewächse.

„Wir haben eine konkurrenzfähige Mannschaft. Auf fast jeder Position sind junge Spieler hintendran, von denen wir erwarten, dass sie nach und nach in ihre Rolle hineinwachsen“, sagt Manager Preetz. Deshalb könne man die Transfers des Winters durchaus als „Botschaft an die Jungs verstehen, dass wir ihnen Vertrauen schenken“, ergänzt Preetz.

Zudem hat sich der Verein mit den jüngsten Personalentscheidungen des Problems entledigt, dass zuletzt im Training beinahe Platznot auf dem Feld herrschte, teilweise musste Dardai um die 30 Spieler anweisen. „Der große Kader war immer eine große Sorge“, räumt auch Dardai ein. „Jetzt haben wir einen kleineren Kader und kleine Sorgen.“

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