• Vor dem Pokalspiel gegen Magdeburg: Zachrisson und die neue Mitte bei den Füchsen Berlin

Vor dem Pokalspiel gegen Magdeburg : Zachrisson und die neue Mitte bei den Füchsen Berlin

Im Pokalspiel gegen Magdeburg vertrauen die Handballer der Füchse Berlin am Mittwochabend ihrem umgeschulten Regisseur Mattias Zachrisson.

Zu klein und zu leicht? So lautete das Urteil des früheren Füchse-Trainers Dagur Sigurdsson über Mattias Zachrisson (im Bild vorn).
Zu klein und zu leicht? So lautete das Urteil des früheren Füchse-Trainers Dagur Sigurdsson über Mattias Zachrisson (im Bild...Foto: dpa

Im ersten Jahr fühlte sich alles noch gewöhnungsbedürftig an. Der Sommer war ein wenig wärmer als daheim in Schweden, der Winter dafür deutlich milder; keine guten Bedinungen also für einen Wintersportfreund wie Mattias Zachrisson. Dazu kam eine neue Sprache voller grammatikalischer Tücken, „aber das war alles kein Problem“, sagt der 27-Jährige heute in fließendem, ja, perfektem Deutsch. Was Zachrisson im Sommer 2013, kurz nach seinem Wechsel zu den Füchsen Berlin, wirklich beschäftigt, ist ein Satz seines Trainers, der damals noch Dagur Sigurdsson heißt. Der Satz lautet: Du bist mit 1,78 Meter und 80 Kilogramm zu klein und zu leicht, um in der Handball-Bundesliga dort zu spielen, wo du bisher gespielt hast. Und weil sich das auf die Schnelle nur schwer ändern lässt, wird der gelernte Rückraumspieler Mattias Zachrisson kurzerhand umgeschult. Seitdem ist er auf Rechtsaußen zu Hause. Oder besser gesagt: Seitdem war er es.

Es ist ein kleiner Treppenwitz, dass Zachrisson den Füchsen in diesen Tagen ausgerechnet auf einer der Planstellen helfen soll, für die er ursprünglich als zu klein befunden wurde. Wenn die Berliner am Mittwochabend gegen den SC Magdeburg um den Einzug ins Halbfinale des DHB-Pokals spielen (19 Uhr, Max-Schmeling-Halle, live bei Sky), wird ihm eine – im Wortsinn – zentrale Rolle zukommen.

Der Schwede profitiert vor allem von seiner Spielintelligenz

Nach dem Wechsel Petar Nenadics ist der 27-Jährige neben Steffen Fäth einer von zwei verbliebenen Kandidaten, die das Spiel der Füchse lenken, leiten und strukturieren, die ihm Ideen und kreative Impulse geben sollen. Zuletzt hat das schon ganz hervorragend geklappt: Beim Auswärtssieg in Lemgo vor knapp einer Woche (25:22) drohten die Berliner einen sicher geglaubten Sieg aus der Hand zu geben – dann kam Zachrisson aufs Feld und erzielte aus dem Rückraum eine Reihe wichtiger Treffer, die den sechsten Sieg in Serie sicherstellten. Nicht schlecht für eine vermeintliche Notlösung, befand auch Trainer Velimir Petkovic, der eigentlich kein Freund des Sonderlobs ist. Im konkreten Fall machte er aber eine Ausnahme: „Zacke hat das richtig gut gelöst.“

„Mir macht die neue Aufgabe Spaß, ich kann mich viel mehr einbringen als sonst“, sagt Zachrisson. Außen sind im Handball naturgemäß von den Zuspielen ihrer Teamkollegen abhängig. „Manchmal stehe ich 60 Minuten rum und habe nicht viel zu tun“, sagt Zachrisson, „im Rückraum ist das ganz anders; da bin ich der Chef, der die Entscheidungen trifft.“

Dieser Satz ist auch Ausdruck der Entwicklung, die der Schwede bei den Füchsen genommen hat. Als der junge Zachrisson in die Bundesliga kam, wusste er nicht so recht, was ihn hierzulande erwartet, ob er sich zurechtfinden und durchsetzen würde. Mittlerweile haben die Füchse den Vertrag mit dem 27-Jährigen schon drei Mal verlängert. Überhaupt ist Zachrisson neben den Torwart-Urgesteinen Petr Stochl und Silvio Heinevetter dienstältester Spieler im Kader. Viele andere Akteure sind mit den Jahren gekommen und gegangen – Zachrisson ist eine Konstante, die immer geblieben ist. „Das zeigt mir, dass sie im Verein zufrieden mit mir sind“, sagt der ehemalige Junioren-Nationalspieler im Eishockey. Auf ihn selbst trifft das offenbar auch zu: Zachrisson betont jedenfalls, „dass ich erst wieder den Verein wechseln will, wenn ich irgendwann zurück nach Schweden gehe.“ Bis dahin dürften aber noch ein paar Tage ins Land gehen; mit 27 ist Zachrisson im besten Handballer-Alter, unabhängig von seinem taktischen Einsatzgebiet.

Im Rückraum profitiert der Schwede vor allem von seiner Spielintelligenz. „Ich habe nicht den Körper, um Tore zu erzwingen“, sagt er lachend, „also muss ich es anders lösen: mit dem Kopf.“ Für seinen Trainer löst die Umstellung zugleich ein Luxusproblem: Mit Zachrisson und dem Dänen Hans Lindberg sind die Füchse auf Rechtsaußen so gut besetzt wie vielleicht kein anderer Bundesligist. Normalerweise kann nur einer der beiden trickreichen Nationalspieler auflaufen. So gesehen ist es ganz gut, dass Zachrisson sein Unwesen gerade ganz woanders treibt.

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