• Vor dem Rennen am Sonntag: Hockenheims Oberbürgermeister: "Stadt und Ring gehören zusammen"

Vor dem Rennen am Sonntag : Hockenheims Oberbürgermeister: "Stadt und Ring gehören zusammen"

Dieter Gummer erklärt im Interview den Wert der Formel 1 für die Stadt - und, warum es keine Nachricht ist, dass der Grand Prix 2019 ausfällt.

Abgefahren. Sebastian Vettel ist der Favorit am Hockenheimring.
Abgefahren. Sebastian Vettel ist der Favorit am Hockenheimring.Foto: dpa

Für Hockenheims Oberbürgermeister ist das 1250. Stadtjubiläum im kommenden Jahr "kein Anreiz, um die Formel 1 hierher zu holen". Außerdem verrät er, wem er am Sonntag beim Heimspiel die Daumen drückt - und dass einer wohl nicht schaffen wird, was er sich insgeheim wünscht.

Herr Gummer, wo verfolgen Sie das Rennen am Sonntag?
Dieter Gummer: Vor Ort, vollkommen klar.

Haben Sie einen Stammplatz?
Nein, nein. Ich bin immer unterwegs, das kommt darauf an, welche Kontakte sich ergeben.

Nehmen Sie als Baden-Württemberger in einer Mercedes-Loge Platz – oder doch bei Lokalmatador Vettel und Ferrari?
Ach, das ergibt sich relativ spontan, ich weiß es selbst noch gar nicht.

Aber die Pokalübergabe haben Sie sicher, oder?
So ist es mal geplant, in der Tat.

2019 wird es kein Rennen in Hockenheim geben. Und darüber hinaus ist vieles ungewiss, vor allem wegen der Grand-Prix-Finanzierung. Wie wehmütig sind Sie?
2019 war auch kein Rennen geplant, das will ich deutlich betonen. Mich wurmt das manchmal – wenn ich Presseberichte lese, in denen steht, 2019 würde ausfallen. Das ist keine Nachricht, denn natürlich gibt es 2019 keines. Wir haben ja den Zwei-Jahres-Turnus besprochen und auch entsprechend durchgeführt. Der sieht vor: Ein Jahr Hockenheimring, ein Jahr Nürburgring. Daran wollen wir auch festhalten, wenn es künftig weitere Formel-1-Rennen in Hockenheim geben sollte.

Die Chancen, dass der Nürburgring nächstes Jahr ein Rennen ausrichtet, sind allerdings sehr gering. Sie könnten einspringen, Ihre Stadt feiert 2019 den 1250. Geburtstag...
Das Jubiläum steht für sich, da werden wir alle Hände voll zu tun haben – auch ohne Formel 1. Wenn hier Rennen ist, sind, auch diesmal wieder, mehrere Hundert Helfer aus Hockenheim und der Region im Einsatz, viele ehrenamtlich. Feuerwehr, DRK, Platzeinteiler, Reinigungskräfte und, und, und. Ich denke, da brauchen wir zum Stadtjubiläum nicht unbedingt auch noch die Formel 1.

Die Formel 1 könnte die große Feier vielleicht noch mehr schmücken.
Wie gesagt, das Stadtjubiläum ist kein Anreiz, um die Formel 1 hierher zu holen.

Die Stadt ist zu 94 Prozent an der Hockenheim-Ring-GmbH beteiligt. Es heißt, sie sei immer da gewesen, wenn es der Rennstrecke schlecht ging. Wie stark waren die Finanzspritzen?
Man kann keineswegs sagen, dass wir unmittelbare Verluste durch Stadtmittel ausgeglichen haben. Das ist so nicht korrekt. Wir haben allerdings unsere GmbH ausgestattet, um das Eigenkapital zu stärken.

Dennoch: Warum musste die Stadt nachbessern?
Grob gesagt hat der Umbau Anfang der 2000er Jahre erhebliche finanzielle Mittel erfordert – nur hat das Finanzierungskonzept nicht getragen. Die Gesellschafter – Stadt und Badischer Motorsportclub – hatten daran entsprechend zu knabbern.

Und das hat Hockenheim gut verkraftet?
Wir haben die Situation gemeistert. Generell will ich aber – unabhängig von der Formel 1 – nichts beschönigen: Unsere Stadt ist mit 20 Millionen Euro verschuldet; bei 22 000 Einwohnern. Und einige wichtige Themenstellungen haben wir noch vor der Brust: Hochwasserschutzmaßnahmen, Schulsanierungen, Kita-Ausbau. Mittlerweile können wir infolge der Zuwächse nicht mehr alle Kinder versorgen, obwohl bereits neue Einrichtungen entstehen. Grundsätzlich sind wir dennoch stabil – und die Luft hier ist sehr gut (lacht).

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