Vor dem Spiel gegen Melsungen : Bei den Füchsen hilft nur noch gute Stimmung

Füchse-Trainer Petkovic ist als Motivator gefragt, weil neun Spieler auf der Krankenliste stehen. Der Nachwuchs muss ran.

Wie viele Spieler hab ich noch? Füchse-Trainer Velimir Petkovic hat es derzeit nicht leicht.
Wie viele Spieler hab ich noch? Füchse-Trainer Velimir Petkovic hat es derzeit nicht leicht.Foto: Paul Zinken/dpa

Nein, nein, nein. Bitte nicht. Wenn das Telefon von Velimir Petkovic brummt, dann bekommt es der Trainer von den Füchsen Berlin mittlerweile schon mit der Angst und zuckt zusammen. Eine weitere Schreckensnachricht vom Vereinsarzt? Puh. Nur seine Frau, die ihn grüßt.

Velimir Petkovic ist eigentlich kein Mann, von dem man annehmen würde, er habe Angst vor einer SMS. Der 67-Jährige, geboren in Bosnien-Herzegowina, ist groß gewachsen, seine Augenbrauen tanzen beim Reden, die Stimme so dunkel wie die von Tom Waits. Aber die Nachrichten von der medizinischen Abteilung häuften sich in letzter Zeit eben, auch vor dem nächsten Heimspiel an diesem Donnerstag gegen Melsungen (Beginn 19 Uhr, Max-Schmeling-Halle und live bei Sky) wurde die Verletztenliste bei Berlins Profihandballern nicht kürzer.

Die positive Grundstimmung hat Petkovic trotzdem noch nicht verloren. Er hat ja auch kaum eine andere Wahl. „Wenn ich jetzt mit hängenden Mundwinkeln rumlaufen würde, hilft das auch niemanden“, sagt er. Neun seiner Spieler stehen dem Trainer aktuell nicht zur Verfügung, darunter Säulen der Mannschaft wie etwa die deutschen Nationalspieler Fabian Wiede und Paul Drux. „Es ist wirklich an der Zeit, dass einige von ihnen mal zurückkommen“, sagt Petkovic.

Der Trainer denkt schon lange nur noch von Spiel zu Spiel. Und von Schreckensnachricht zu Schreckensnachricht. Wenn sein Telefon mal wieder brummt, bedeutet das für ihn aber kein Grund zum Klagen. Petkovic begegnet dem aktuellen Verletzungspech möglichst kreativ. „Ich versuche mich den Umständen sofort anzupassen“, sagt er: „Ich blicke dann eigentlich ganz automatisch nach vorn und überlege, was ich jetzt machen kann, ohne den und den und den.“ Zuletzt entwickelte er daraus den richtigen Plan. Die schwere Aufgabe in Wetzlar löste seine Mannschaft vergangene Woche mit Bravour, sie setzte sich auswärts überraschend souverän durch. Gegen selbstbewusste Melsunger, die mit vier Siegen in Folge nach Berlin reisen, erwartet Petkovic nun die gleiche Leistung von seinen Spielern.

Für den Trainer geht es schon lange nicht mehr nur um die Entwicklung der richtigen Taktik. Er ist jetzt als Moderator dieser schwierigen Situation gefragt, als Motivator. Die Füchse wurden vor dieser Saison zu den Mannschaften gezählt, die mancher Experte vielleicht sogar mal ganz oben in der Tabelle gesehen hätte. Nun spielen Weltstars wie Jakov Gojun, Hans Lindberg oder Silvio Heinevetter in Berlin aber an der Seite von Nachwuchsspielern. Auf seine erfahrenen (und derzeit gesunden) Kräfte kann sich Velimir Petkovic aber trotzdem voll verlassen. „Gott sei dank habe ich solche Leute in der Kabine sitzen, solche Charaktere mit einem großen Willen“, sagt der Trainer.

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Er weiß: „Wir müssen da jetzt zusammen durch.“ Und wenn nach Spielschluss das Telefon brummt, dann sind es hoffentlich nur die Glückwünsche seiner Frau.

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