Vor dem Spiel gegen RB Leipzig : Hertha BSC: Und noch ein Verletzter

Für Hertha BSC geht eine komplizierte Länderspielpause zu Ende. Nach Jordan Torunarigha kehrt auch Vladimir Darida mit einer Verletzung zurück.

Reise mit Nebenwirkung. Erst verlor Vladimir Darida (r.) 1:5 gegen England, dann verletzte er sich gegen Brasilien.
Reise mit Nebenwirkung. Erst verlor Vladimir Darida (r.) 1:5 gegen England, dann verletzte er sich gegen Brasilien.Foto: REUTERS

Am Mittwochmorgen um zwanzig vor elf näherte sich Hertha BSC ein weiteres Stück der Normalität an. In diesem Moment wechselten Peter Pekarik, Valentino Lazaro und Ondrej Duda auf dem Olympiagelände den Platz und schlossen sich dem Rest der Mannschaft an. Bis dahin hatten sie noch ein individuelles Programm mit einigen Extraläufen absolviert, um in etwa auf den gleichen Zustand zu kommen wie ihre Kollegen. Jeder macht sein eigenes Ding – das war in den vergangenen Tagen der Normalzustand bei Hertha BSC. Oder, um es in einem Wort zusammenzufassen: Länderspielpause.

Für Pal Dardai, den Trainer des Berliner Fußball-Bundesligisten, sind diese Umstände nicht neu. Die Spieler kehren tröpfchenweise von ihren Nationalteams zurück, eine konkrete Vorbereitung auf den nächsten Spieltag in der Bundesliga ist nur bedingt möglich. „Ich werde das nie als Alibi benutzen, dass wir nicht zusammen trainieren konnten“, sagt Dardai. Aber so extrem wie in dieser und der vergangenen Woche war es für ihn vermutlich noch nie. Aus seinem Kader waren insgesamt 14 A- und Juniorennationalspieler mit ihren Nationalteams unterwegs, Rune Jarstein, Vladimir Darida, Arne Maier, Maximilian Mittelstädt und Lukas Klünter sogar noch am Dienstag im Einsatz.

Als Dardai am Donnerstag vor einer Woche gefragt wurde, ob die Mannschaft tags darauf auf dem Platz trainiere, zuckte er mit den Schultern. „Ist doch eh keiner da“, antwortete er – und setzte eine Einheit im Kraftraum an. Seine Mannschaft hatte gerade im Amateurstadion das Testspiel gegen den Zweitligisten Holstein Kiel mit 1:3 verloren. Der erwünschte Effekt, den Ersatzleuten ein bisschen Spielpraxis zu verschaffen, hatte sich nur bedingt eingestellt. Dardai standen lediglich sechs Feldspieler aus dem Profikader zur Verfügung, seine Mannschaft musste er mit Reservisten aus der U 23 auffüllen. „Für uns ist es blöd“, sagt der Ungar.

Die beiden Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft hat er sich im Fernsehen angeschaut, beim überraschenden Sieg der Ungarn gegen Vizeweltmeister Kroatien war er in Budapest im Stadion, und auch ihr erstes Qualifikationsspiel, die 1:2-Niederlage gegen die Slowakei, hat Dardai am Fernseher verfolgt – mit gemischten Gefühlen. Als ehemaliger ungarischer Nationaltrainer hat ihm das Ergebnis naturgemäß nicht besonders gefallen, andererseits stellte sich das Spiel als „gut für Hertha“ heraus. Peter Pekarik habe er lange nicht so gut gesehen wie in dieser Begegnung, sagte Dardai, und Ondrej Duda habe ein schönes Tor gemacht.

So sieht es im Idealfall aus. Die Spiele mit der Nationalmannschaft „sind immer eine neue Motivation“, sagt Dardai. „Man kommt mit guter Laune zurück.“ Diesmal war es anders: „Leider haben viele Spieler von uns verloren.“ Die Negativerlebnisse überwogen: So verpasste Dennis Jastrzembski mit der deutschen U 19 die Qualifikation für die EM. Valentino Lazaro kassierte in Israel eine 2:4-Niederlage, und Darida verlor mit Tschechien 0:5 gegen England. „Wahrscheinlich wollen sie jetzt am Wochenende etwas zeigen“, sagt Dardai. „Das ist auch nicht schlecht.“

Darida hat sich gerade erst wieder herangekämpft

Vladimir Darida wird das definitiv nicht tun, wenn Hertha am Samstagabend bei Rasenballsport Leipzig spielt. Er wurde am Dienstag, im Testspiel gegen Brasilien, nach einer knappen Stunde ausgewechselt – mit Verdacht auf Muskelfaserriss im Oberschenkel. Der Mittelfeldspieler hatte sich gerade erst wieder nach einer ähnlichen Verletzung an die Mannschaft herangekämpft, „er hat im Training sehr gut mitgemacht“, sagt Dardai, der Daridas Reise zur Nationalmannschaft daher sogar ausdrücklich begrüßt hatte. Zwei Einsätze über 60, 70 Minuten wären gut gewesen für den nächsten Schritt. „Jetzt war es wahrscheinlich leider ein Tick zu viel.“

Auch Jordan Torunarigha kehrte verletzt nach Berlin zurück. Er muss wieder einmal einen sogenannten Airwalker tragen, weil er sich bei der deutschen U 21 eine Verletzung des Kapsel- und Bandapparates im linken Sprunggelenk zugezogen hat. In Leipzig hätte er wegen seiner Gelb-Rot-Sperre ohnehin nicht zur Verfügung gestanden. Dass er in der Woche darauf aber schon wieder zur Verfügung steht, ist eher unwahrscheinlich.

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