Was Joachim Löw von Spaniens Fußball lernen kann : Offensiv ist schöner

6:0 gegen den Vizeweltmeister? Kann man so machen. Die Spanier halten nach ihrem WM-Debakel an ihrem Offensivkonzept fest.

Marco Aensio (l.) und Dani Ceballos bejubeln eins von vielen Toren der Spanier gegen Kroatien.
Marco Aensio (l.) und Dani Ceballos bejubeln eins von vielen Toren der Spanier gegen Kroatien.Foto: AFP

Die Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Sommer hat uns einige wertvolle Erkenntnisse beschert: dass man in Watutinki zum Beispiel eher ungern seinen Sommerurlaub verbringen möchte; dass Kylian Mbappé über ziemlich flinke Füße verfügt – vor allem aber, dass der Ballbesitzfußball tot ist. Aber so was von tot!

Die beiden entschlossensten Vertreter des Ballbesitzfußballs, Deutschland und Spanien, mussten sich entsprechend früh aus dem Turnier zurückziehen: die Spanier im Achtelfinale gegen Russland, der Titelverteidiger sogar schon nach der Vorrunde. Aber Joachim Löw, der Bundestrainer, hat die Zeichen der Zeit erkannt. Er will den Stil der Nationalmannschaft künftig den Erfordernissen der Moderne anpassen und deshalb vom Dogma des ewigen Ballbesitzes ablassen. Wie das aussehen kann, war in der vergangenen Woche zu sehen, im ersten Spiel der neuen Zeit. Um die Nationalmannschaft fit zu machen für morgen, ließ Löw sie spielen wie vorgestern: mit vier Innenverteidigern in letzter Linie wie 2014 bei der WM in Brasilien. Es gab fast folgerichtig ein 0:0, das gemessen an der Vorgeschichte sogar als erstes kleines Erfolgserlebnis gewertet wurde.

Die Spanier hingegen, die größten Fundamentalisten in Sachen Ballbesitz, geben sich weiterhin trotzig. Aber man sieht ja, was ihnen diese Haltung einbringt: einen 2:1-Auswärtssieg zum Start der Nations League gegen die hochgelobten Engländer und nun auch noch einen 6:0-Erfolg gegen den Vizeweltmeister Kroatien. Ballbesitz ist also nicht das Problem – man muss ihn nur richtig beherrschen. „Wenn Spanien so spielt, ist es kaum zu stoppen“, hat der neue Nationaltrainer Luis Enrique nach dem überraschend deutlichen Sieg seines Teams gegen die Kroaten gesagt.

Joachim Löw ist ein solcher Gedanke nach dem 0:0 gegen Frankreich wohl eher nicht gekommen.

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