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Wasserballerinnen starten in die Bundesliga-Saison : Die Wasserfreunde Spandau wollen es wissen

Gleich in ihrer ersten Bundesliga-Saison haben die Frauen der Wasserfreunde Spandau drei Titel geholt. Jetzt starten sie unter neuen Voraussetzungen.

Bayer Uerdingen gehörte in der Vorsaison zu den härtesten Konkurrenten.
Bayer Uerdingen gehörte in der Vorsaison zu den härtesten Konkurrenten.Foto: imago images / Camera 4

Anfang des Monats hatten die Wasserfreunde Spandau 04 hochkarätigen Besuch, die Qualifikationsrunde in der Euro League der Frauen stand in Berlin an. Im letzten Spiel ging es gegen Budapesti VSC Zuglo ums Weiterkommen. Budapest war mit mehreren Spielerinnen der starken ungarischen Nationalmannschaft großer Favorit. „Wir haben extra Sonntagfrüh gespielt, damit die uns nicht mit zehn oder 15 Toren aus der Halle schießen“, sagt Spandaus Trainer Marko Stamm.

Doch dann führte sein Team bis kurz vor Ende des zweiten Viertels und verlor am Ende nur mit drei Toren Unterschied. „Insgesamt ist das schon ein ganz anderes Niveau. Alles ist schneller und fast jeder Fehler führt zu einem Gegentor“, sagt Stamm über die Europa-Premiere.

Die Wasserfreunde Spandau starten gegen Uerdingen

Wegen solcher Erfahrungen sind die Wasserfreunde trotz der vergleichsweise hohen finanziellen Belastung in dem Wettbewerb überhaupt an den Start gegangen – auch in der Hoffnung, die nächste Runde zu erreichen, um weitere Spiele auf diesem Niveau bestreiten zu können. Das hat nicht geklappt, aber gelohnt habe es sich trotzdem, findet Stamm. Dank der Spielpraxis gegen gute, teils sogar deutlich überlegene Teams.

Auch mit Blick auf die für Spandau am Samstag gegen Bayer Uerdingen (18 Uhr, Schwimmhalle Schöneberg) beginnende Bundesliga-Saison ist es wichtig, denn die Mannschaft hat verinnerlicht, dass man nicht jedes Spiel gewinnen kann. Zuvor hatte es in diesem Jahr meist sehr deutliche Siege gegeben – und drei Titel: Meisterschaft, Pokal und Supercup.

Dazu muss man wissen, dass es die erste Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte im Frauenbereich war. Stamms Ankündigung – „Wir sind Spandau, wenn wir etwas machen, dann richtig“ – hätte kaum mit mehr Leben gefüllt werden können. Vor einem Jahr startete eine bunte Mischung aus Spielerinnen mit Wasserball-Erfahrung und Quereinsteigerinnen, vor allem Schwimmerinnen.

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Inzwischen befinden sich knapp zehn Nationalspielerinnen im Kader. Neu dabei sind Lynn Krukenberg (21) vom ETV Hamburg und mit Nicole Vunder (17) vom SC Chemnitz Stamm zufolge „das größte deutsche Talent“. Dazu kommt die Australierin Tayla Walsh (26), die im Sommer noch an der WM im Beach-Wasserball teilgenommen hat. Eine im nationalen Vergleich ohnehin starke Mannschaft ist noch besser geworden.

Aber auch für Neulinge in Sachen Wasserball sind sie bei den Wasserfreunden weiterhin offen. Kürzlich hat sich eine Schwedin bei Stamm gemeldet, die als Au Pair in Berlin arbeitet. Sie habe über die Mannschaft gelesen, sei Schwimmerin und wolle es mit Wasserball probieren.

Bei den Wasserfreunden Spandau darf sich jede probieren

Am besten einfach vorbeikommen, hat Stamm geantwortet. Gesagt, getan. „Sie war sofort richtig gut mit dem Ball. Daran arbeiten wir weiter“, erzählt der 31-Jährige. Gut möglich, dass sie ab Januar in der Bundesliga mitspielt. Im Training hat Stamm bemerkt, dass seine Spielerinnen nach den drei Niederlagen in vier Euro-League-Spielen angezogen haben.

Kleinere Anflüge einer Es-wird-schon-für-den-Sieg-reichen-Mentalität sind weg. Sollten sie auch. Denn gleich der erste Gegner Uerdingen dürfte der größte Konkurrent in der Liga sein. Bayer hatte zuletzt im Meisterschaftsfinale und im Supercup jeweils gegen Spandau verloren. „Uerdingen wird uns überraschen wollen“, sagt Stamm.

Den Coach stören die auch durch Spielverlegungen entstandenen langen Pausen vor dem eigentlichen Saisonbeginn: Anfang Oktober Supercup, vier Wochen nichts, dann Europapokal, wieder drei Wochen nichts, nun endlich Bundesliga. Uerdingen hat zumindest schon ein Spiel bestritten – und hoch gewonnen. Trotzdem glaubt Stamm fest an einen gelungenen Start. Denn eines ist für ihn klar: „Wir sind in allen Wettbewerben Favorit.“

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