Weltcup in Berlin : Erfreuliche Lebenszeichen der Wasserballer

Trotz des verpassten Einzugs ins Weltcup-Finale sind die deutschen Wasserballer optimistisch und schauen bereits auf die WM.

Bange Blicke am Beckenrand. Bundestrainer Hagen Stamm (rechts) war zufrieden mit seinem Team.
Bange Blicke am Beckenrand. Bundestrainer Hagen Stamm (rechts) war zufrieden mit seinem Team.Foto: imago/Bernd König

Der besondere Moment war nah. 2:1 führte Deutschland im Fünfmeterwerfen gegen Australien, hatte alles in der eigenen Hand. Doch dann hieß es: Gehalten, gehalten, Pfosten. Alle drei folgenden Würfe fanden nicht den Weg ins Tor der Australier, die kurz danach den 11:10-Sieg und ihren Finaleinzug beim Wasserball-Weltcup im Europasportpark an der Landsberger Allee feierten. „Es wäre der größte Erfolg des deutschen Wasserballs in diesem Jahrtausend gewesen“, sagte Bundestrainer Hagen Stamm. Große Worte, aber falsch liegt er nicht. Dieses Jahrtausend ist bald 20 Jahre alt, unter dem Stichwort Erfolge ist lediglich ein dritter Platz in der Weltliga gelistet. Im Jahr 2005. Seitdem gab es reichlich Enttäuschungen und Frust, bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften hatte es zuletzt jeweils zweimal nicht für die Teilnahme gereicht.

So gesehen ist der Weltcup in Berlin ein deutliches Lebenszeichen aus dem Wasser gewesen. Trotz des am Samstagabend verlorenen Halbfinals. Zwar kamen die teilnehmenden Top-Nationen zum Teil mit Nachwuchskräften, aber Platz vier – am Sonntag unterlag Deutschland 9:15 (2:6, 2:3, 2:3, 3:3) gegen Olympiasieger Serbien, den Turniersieg holte sich Ungarn durch ein 10:4 (2:1, 2:1, 4:0, 2:2) gegen Australien – ist ein beachtlicher Erfolg. Stamms Team sicherte sich souverän die als Ziel ausgegebene Qualifikation für die WM 2019 in Südkorea. Perspektivisch geht es um Olympia 2020 in Tokio. „Der deutsche Wasserball ist international zurück“, sagte der Bundestrainer.

Die Deutschen können in der erweiterten Weltspitze mithalten

Das ist schon etwas, nachdem Stamm vor gut einem Jahr den Tiefpunkt ausgerufen hatte. Die verjüngte Mannschaft – nur Tobias Preuss und sein Sohn Marko sind bereits 30 – hat gezeigt, dass sie zumindest mit der erweiterten Weltspitze wieder mithalten kann. Rückkehr unter die besten acht Nationen lautet Stamms Vorgabe. In Berlin hat es unter anderem gegen die Wasserball-Größe Ungarn einen sehr überraschenden Erfolg gegeben. Und gegen den WM-Siebten Australien in der Gruppe ein knappes 9:10 sowie das unglückliche Aus im Fünfmeterwerfen. „Unsere guten Auftritte waren keine Zufallsprodukte, das haben wir uns hart erarbeitet“, sagte Stamm.

Mehrmals zeigte Deutschland Comeback-Qualitäten: Im Halbfinale ging Australien acht Mal in Führung, acht Mal konterten die Deutschen. Doch der eine Wurf, der die Führung und vielleicht den Sieg bedeutet hätte, wollte nicht kommen. „Da hat uns ein Quäntchen Glück gefehlt“, sagte Stamm. Und ein Quäntchen Cleverness etwa beim letzten Angriff, als Marin Restovic den Ball Richtung australisches Tor trieb, ihn sich dann jedoch abnehmen ließ. So kam kein Abschluss zustande und es ging ins Fünfmeterwerfen.

„Wenn du die ersten beiden triffst und dann drei verschießt, ist das hart“, sagte Stamm. Der Weg nach oben ist kein Sprint, sondern geht Schritt für Schritt. Rückschläge gehören dazu. „Das sind alles Jungs aus Fleisch und Blut, die sich bis zum letzten aufgeopfert haben“, sagte Stamm. Der Lohn in Form des Finaleinzugs blieb ihnen verwehrt.

Doch wichtiger ist für Bundestrainer Stamm eine andere Erkenntnis aus den Tagen von Berlin, die er in Richtung des Deutschen Schwimm-Verbandes, des Deutschen Olympischen Sportbundes, des für die Sportförderung verantwortlichen Innenministeriums und der Liga – also quasi an alle – formuliert: „Sie sollten erkannt haben, dass es sich lohnt, weiter am deutschen Wasserball zu arbeiten.“

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